Mikroplastik in der Natur eindämmen. JETZT!
Antrag Stadtrats-Mitglieder Sonja Haider, Dirk Höpner, Nicola Holtmann und Tobias Ruff (Fraktion ÖDP/München-Liste) vom 7.12.2022
Antwort Christine Kugler, Referentin für Klima und Umweltschutz:
Mit Schreiben vom 7.12.2022 haben Sie Folgendes beantragt:
„1. Die LH München wird gebeten zu prüfen, inwiefern der von der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) gemachte Vorschlag zur Regulierung des Austrags von Mikrokunststoff, Beschränkungen beim Einbau und der Nutzung von Rasengittern, -teppichen und -matten sowie Granulat und Mulch aus Kunststoff beinhaltet.
2. Zur Reduktion der Ausbringung von gesundheitsschädlichem Mikroplastik im Boden und in Gewässern soll die LH München als Vorreiter und zum Schutz der Gesundheit ihrer Bürgerinnen und Bürger die oben genannten Produkte reduzieren und nur noch Mikroplastikreduzierte Alternativen verbauen. An Unternehmen soll appelliert werden, die Nutzung und den Verkauf solcher Kunststoffböden freiwillig ebenfalls zu unterlassen. Auf öffentlichen Flächen soll das Ausbringen klassischer Kunststoffböden und -flächen verboten werden. Bei Baustoff-, Bau- und Gartenmärkten soll auf die freiwillige Einstellung des Verkaufs hingewirkt werden.
3. Die Stadt München klärt, wie sich eine Sicherung des Untergrunds oder ein Austausch möglichst vieler dieser Gitter, Teppiche, Matten und Granulate gegen witterungsbeständige Bauteile erreichen lässt. Privaten Grundstücksbesitzern wird eine kostenfreie Beratung angeboten. Insbesondere die Sicherung und Bergung der bereits abgelösten Teilchen bei schon länger genutzten Plastikböden dürfte ein Problem sein, für dessen Lösung die LH München Unterstützung anbieten soll.
4. Die Stadt München erstellt eine Liste mit unbedenklichen Ersatzmaterialien und führt eine Aufklärungskampagne für Bauherren und Verbraucherinnen durch.“
Zur Begründung haben Sie dazu Folgendes vorgetragen:
„Kunststoff zerfällt durch Witterung, Materialalterung und mechanische Belastung (Splitter, Abrieb) in Kleinteile, Mikroplastik, Nanoplastik. Diese werden vom Regen in den Boden und durch die Kanalisation in die Flüsse und Meere gespült. Jedes Jahr gelangen 42.000 Tonnen Mikroplastik in die Umwelt. Die Boden-Verfüllung mit Plastikgranulat und Gummi ist die größte Einzelquelle der Mikroplastik-Umweltverschmutzung mit ca. 16.000 Tonnen/Jahr.
Neben dem Mikroplastikproblem enthalten diese Produkte über 300 weitere potentiell schädliche Chemikalien für Menschen und Umwelt. Zu diesen Chemikalien gehören u.a.:
- Kobalt und Zink mit potentiellem Gesundheitsrisiko für Menschen
- Cadmium, Kobalt, Kupfer, Blei, Zink, 4-tert-octylphenol, 4,4´-isopropylidene diphenol (BPA),
bis(2-ethylhexyl)phthalate (DEHP), benzyl butyl phthalate (BBP) und benzothiazole-2-thiol – mit potentiellem Risiko für die Umwelt.
Aufgrund der enormen negativen Auswirkungen dieser Outdoor-Plastikbö- den auf Mensch und Umwelt führt die ECHA weitere Studien durch. Wollen wir jahrelang auf immer weitere Studien warten, die die Toxizität von Kunststoffabrieben und -teilen in der Umwelt analysieren? Handeln wir jetzt und entscheiden uns für alternative Lösungen! Dazu gehören z.B. sand- oder korkgranulatverfüllte Kunststoffrasen oder Betongittersteine für Einfahrten.
Die ECHA hat Empfehlungen und Analysen zusammengestellt. Das Umweltbundesamt erläutert auf einer deutschsprachigen Webseite das Procedere der ECHA.“
Ihr Einverständnis vorausgesetzt, erlaube ich mir, Ihren Antrag als Brief zu beantworten.
Zu Ihrem Antrag vom 7.12.2022 teile ich Ihnen in Abstimmung mit dem Baureferat, der Münchner Stadtentwässerung und dem Referat für Bildung und Sport Folgendes mit:
Zunächst einmal ist es wichtig zu betonen, dass die Stadt München bereits seit einiger Zeit aktiv daran arbeitet, den Austrag von Mikroplastik in die Umwelt zu reduzieren.
So haben das Baureferat (BAU) und das Referat für Bildung und Sport (RBS) bereits 2020 beschlossen, bei der Neuerstellung von Kunstrasenplätzen ausschließlich sandverfüllte Kunstrasen oder Vollkunstrasen zu verbauen. Für bestehende Kunstrasenplätze erarbeitet das BAU gemeinsam mit dem RBS derzeit ein Sanierungsprogramm hinsichtlich der Umstellung auf Kunstrasen, z.B. verfüllt mit Sand, oder Vollkunstrasen.
Zudem versucht die Münchner Stadtentwässerung (MSE) Mikroplastik im Abwasser aktiv zu reduzieren. Studien und Forschungsprojekte, bei denen die MSE als assoziierter Partner beteiligt war (PLASTRAT und Submue-Track – BMBF – Plastik in der Umwelt), zeigten unter anderem, dass konventionelle Kläranlagen einen Großteil des Mikroplastiks, welches sich im Abwasser befindet, zurückhalten können. Bei der Münchner Stadtentwässerung wird in beiden Klärwerken die konventionelle Reinigung, bestehend aus der mechanischen und biologischen Stufe, durch einen zusätzlichenVerfahrensschritt ergänzt. Dieser weitergehende Abwasserreinigungsschritt ist die Sandfiltration. In der Fachwelt wird aktuell davon ausgegangen, dass sich solche Sandfilter zusätzlich positiv auf den Rückhalt von Mikroplastik auswirken.
Seitens des Referats für Klima- und Umweltschutz (RKU) wurde Kontakt mit dem Bayrischen Wasserwirtschaftsamt sowie mit dem Umweltbun-
desamt aufgenommen. Ziel war die Einholung von Informationen sowie die Ermittlung von Zuständigkeiten zur Beseitigung von Mikroplastikrückständen in der Umwelt. Von beiden Stellen wurde dem RKU mitgeteilt, dass es für diese Thematik aktuell weder auf EU-Ebene noch auf Bundesebene eine abschließende gesetzliche Regelung gibt, da das Themengebiet noch nicht ausreichend erforscht ist. Dementsprechend besteht auf kommunaler Ebene derzeit keine Zuständigkeit.
Das RKU recherchierte dennoch nach möglichen Expert*innen, welche in unterstützender Funktion bezüglich der Erstellung einer Liste mit unbedenklichen Ersatzmaterialien weiterhelfen könnten. Hierbei wurde mit diversen Organisationen, unter anderem mit verschiedenen Universitäten wie auch Behörden, im gesamten Bundesgebiet Kontakt aufgenommen. Keine der kontaktierten Organisationen konnte mit entsprechenden Informationen, welche zur Umsetzung Ihres Vorschlags beitragen, dienen. Zu vermerken ist, dass die meisten Studien zu den Auswirkungen von Mikroplastik noch nicht abgeschlossen sind und die durchführenden Institutionen daher noch keine Aussagen treffen können.
Wir möchten jedoch betonen, dass seitens der LHM die Umweltrisiken, welche mit der Mikroplastikverschmutzung einhergehen, sehr ernst genommen werden und weiterhin daran gearbeitet wird, alternative Lösungen zu finden und den Einsatz von Kunststoffen insgesamt zu reduzieren.
Um Kenntnisnahme der vorstehenden Ausführungen wird gebeten. Ich gehe davon aus, dass die Angelegenheit damit abgeschlossen ist.