Abfalltrennen für Fortgeschrittene: AWM-Kampagne soll Bevölkerung zu Profis machen
Antrag Stadtrats-Mitglieder Sonja Haider, Dirk Höpner, Nicola Holtmann und Tobias Ruff (Fraktion ÖDP/München-Liste) vom 8.12.2022
Antwort Kommunalreferentin Kristina Frank:
Mit Ihrem Antrag fordern Sie die Landeshauptstadt München (LHM), Kommunalreferat, Abfallwirtschaftsbetrieb München (AWM) auf, zusätzlich zur jeweils aktuellen Trennkampagne wirksame Öffentlichkeitsarbeit zu leisten, mit der dringende Probleme (Abfalltrennung von Lithium-Ionen-Akkus, Elektroschrott, Bioabfall, Leichtverpackungen sowie beschichtete Pappverpackungen) in das Bewusstsein der Bevölkerung gerückt werden sollen.
Des Weiteren wird der AWM gebeten, die alphabetische Gesamtübersicht des AWM-Abfalllexikons wieder einzuführen, sodass sich interessierte Bürger*innen unkompliziert einen Überblick über alle Abfallsorten verschaffen können, ohne sie (wie aktuell) einzeln online abfragen zu müssen.
Sie begründen den Antrag damit, dass es in der Bevölkerung sowohl an Detailwissen zur Abfalltrennung fehle, wie auch ein Informationsdefizit beim Umgang und der Entsorgung von kritischeren Stoffen sowie den Konsequenzen eines Nicht-Abfalltrennens herrsche.
Nach § 60 Abs. 9 GeschO dürfen sich Anträge ehrenamtlicher Stadtratsmitglieder nur auf Gegenstände beziehen, für deren Erledigung der Stadtrat zuständig ist. Der Inhalt Ihres Antrags betrifft jedoch ein laufendes Geschäft, dessen Besorgung nach Art. 88 Abs. 3 Satz 1 GO i.V.m. der Betriebssatzung des AWM dem Oberbürgermeister obliegt. Eine beschlussmäßige Behandlung der Angelegenheit im Stadtrat ist daher rechtlich nicht möglich.
Zu Ihrem Antrag vom 8.12.2022 teile ich Ihnen Folgendes mit:
Der AWM nimmt Ihren Antrag gerne auf und hat sich nochmals eingehend mit dieser Thematik beschäftigt.
1. Wie fördert der AWM Abfalltrennung bei der Münchner Bevölkerung?
Schon seit vielen Jahren führt der AWM Abfalltrennkampagnen durch. Ziel dieser Kampagnen ist es, die Bevölkerung zu sensibilisieren und zum richtigen Trennen zu motivieren.Aktuell läuft die Kampagne zur Abfalltrennung mit den Trennworten.
Wie Umfragen bestätigt haben, sind die AWM-Kampagnen sehr aufmerksamkeitsstark. Bürger*innen werden aufgrund der plakativen Motive und Slogans für die Abfalltrennung sensibilisiert. Das jeweilige Trennwort wird ergänzt von einer kurzen und prägnanten Begründung, weshalb das Abfalltrennen wichtig ist. Mehr Information kann eine Person auf einem vorbeifahrenden Fahrzeug nicht wahrnehmen. Daher ist nach fachlichen Kriterien eine vertiefte Informationsvermittlung bei dieser Art von Kampagnen nicht sinnvoll. Die Motive sind in Münchens Stadtbild z.B. auf Plakaten an Müllfahrzeugen, auf Großflächenplakaten, Litfaßsäulen sowie City-Light-Postern zu sehen.
Wenn jedoch aufgrund dieser Kampagnen das Interesse geweckt ist und sich die Bürger*innen Detailwissen aneignen möchten, haben sie die Möglichkeit, sich umfassend auf der Webseite des AWM sowie über weitere Medien (siehe Punkt 1.1.) zu informieren.
Im Rahmen der Umsetzung des Zero-Waste-Konzepts hat der AWM im
Herbst 2022 die erste Welle einer neuen Biokampagne gestartet. Mit aufmerksamkeitsstarken Motiven sowie kurzen und prägnanten Botschaften will der AWM auf sympathische Art die Münchner*innen zum richtigen Umgang mit Bioabfällen sensibilisieren und motivieren.
Die Biokampagne war stadtweit nicht nur auf den beschriebenen Plakaten, sondern auch in den sozialen Medien zu sehen. Eine zweite Welle mit vier weiteren Motiven und der gleichen medialen Präsenz wurde Ende März 2023 gestartet.
Alle Kampagnen werden von Pressearbeit begleitet und somit zusätzlich redaktionell in Zeitungen und online-Nachrichtenportalen erwähnt.
1.1. Detailinformationen für Bürger*innen
Mit folgenden Maßnahmen und Angeboten vermittelt der AWM den Bürger*innen detaillierte Informationen zum richtigen Abfalltrennen:
1.1.1 Die AWM-Webseite
Auf der Webseite des AWM (www.awm-muenchen.de) gibt es ausführliche Informationen zum richtigen Trennen einer jeden Abfallart mit entsprechenden Abgabemöglichkeiten. Hinzu kommen Info- und Erklärfilme zur Abfalltrennung.
1.1.2 Kostenloses Infomaterial
Auf der AWM-Webseite können Münchner Bürger*innen und Hausverwaltungen kostenlos ein großes Spektrum an Infomaterial bestellen und herunterladen:
-Aufkleber für Restmüll-, Papier- und Biotonnen, die verdeutlichen, welcher Abfall in welche Tonnen soll
-Abfalltrennliste (informiert über die Abfallfraktionen Restmüll, Papier, Bioabfall, Altkleider, Verpackungen sowie Wertstoffhöfe) in 14 Sprachen

-Plakate für Tonnenhäuser mit Entsorgungsmöglichkeiten für alle Abfallarten
-Aufkleber für Mülltonnen und Plakate für Tonnenhäuser, die zum Abfalltrennen motivieren sollen. Vier Argumente stehen dabei im Vordergrund: -Sozialer Druck („Dein Nachbar trennt seinen Müll, und Du?“) -Rohstoffvernichtung („Schade um die Rohstoffe. Alles, was du in die graue Restmülltonnen wirfst, landet in der Müllverbrennung“) -Bequemlichkeit („Zu bequem zum Müll trennen? Es ist doch ei- gentlich gar nicht so schwer!“)
-Finanzielle Aspekte („Spare Geld mit kleineren Restmülltonnen! Müll trennen macht‘s möglich!“)
Auf allen Aufklebern und Plakaten werden auch die Entsorgungswege für Elektro-/Elektronikschrott kommuniziert.

Zusätzlich liegt AWM-Infomaterial in den Stadtbibliotheken, der KfZ-Zulassungsstelle, der Stadtinformation im Rathaus und in den Sozialbürgerhäusern aus.
1.1.3 Hauswurfsendungen an alle Münchner Haushalte
Eher desinteressierte Menschen können besser erreicht werden, indem sie so direkt wie möglich mit Abfalltrennung und -vermeidung konfrontiert werden. Deshalb wurde die Broschüre „Alles Müll?“ als kleines Nachschlagewerk bereits mehrmals (zuletzt im Jahr 2021) stadtweit in die Briefkästen von fast 800.000 Münchner Haushalten verteilt. „Alles Müll?“ gibt einen umfangreichen Überblick über sämtliche Entsorgungsangebote und Services des AWM. Des Weiteren informiert die Broschüre über alle Abfallfraktionen, die in Haushalten anfallen, vom Papierabfall bis zum Elektronikschrott.
1.1.4 Social Media
Um auch jüngere Zielgruppen anzusprechen, ist der AWM auf Social-Media-Kanälen wie Facebook, Instagram, Twitter oder Youtube aktiv. Alle AWM-Posts, Veranstaltungs- oder Nachhaltigkeits-News oder auch die Slogans und Motive der Kampagnen sind auf den Social-Media-Kanälen des AWM zu finden. Mittels der Social-Media-Maßnahmen kann der AWM schnell und effizient wichtige Maßnahmen bewerben und auf aktuelle Situationen reagieren.
1.2. Umweltbildung an Schulen
Der AWM arbeitet an einer langfristigen Verhaltensänderung bezüglich Abfalltrennung und -vermeidung, indem er bei den Jüngsten ansetzt. Grundschüler*innen erziehen nicht selten ihre Eltern zum besseren Abfalltrennen. Daher bietet der AWM Schüler*innen und Lehrer*innen Folgendes an:
-Lernmaterial mit ausführlichen Arbeitsblättern für Grundschulen, -Filme und Videos zu Abfallfraktionen sowie zu Entsorgungs- und Recyclingwegen,
-AWM-Kids-Marke mit dem Maskottchen Toni Trennhörnchen,
-Führungen an Wertstoffhöfen und
-das Müllmobil des AWM kommt mit interaktiven Forscherstationen und pädagogischen Mitarbeiter*innen des Kindermuseums München in die Schulen.
1.3. Das AWM-Abfalllexikon
Bis zum Relaunch des AWM-Internetauftritts im Jahr 2021 war das Grundgerüst des AWM-Abfalllexikons eine Liste mit mehr als 600 Stichworten.Diese Liste stammte noch aus der Anfangszeit des AWM-Internetaufritts, war älter als 20 Jahre und lange nicht upgedatet. Ein Großteil der Internetnutzer*innen verwendet mittlerweile mobile Endgeräte wie Smartphones und Tablets und nicht mehr PCs mit großformatigen Bildschirmen. Entsprechend war der Zeitpunkt überfällig, auf eine bedienfreundliche Suchfunktion für Abfallstichworte umzustellen. Ähnliche Suchfunktionen sind längst gängiger Standard bei nahezu allen größeren kommunalen Abfallentsorgern. Das Ziel der Internetnutzer*innen ist es, unkompliziert und so schnell wie möglich eine Entsorgungsmöglichkeit für einen bestimmten Abfall zu finden, anstatt eine Liste mit hunderten Stichworten durcharbeiten zu müssen.
Daher ist die Suchfunktion des aktuellen Abfalllexikons, die nach der Eingabe von wenigen Buchstaben bereits eine entsprechende Stichwortauswahl anzeigt, die ideale Methode zum schnellen Finden des korrekten Entsorgungswegs für einen bestimmten Abfall. Die von Ihnen angesprochenen „interessierten Bürger*innen“ stehen nicht im Fokus der Öffentlichkeitsarbeit des AWM, denn diese Gruppe trennt ihren Müll bereits und informiert sich aktiv zu Fragen der Abfallentsorgung. Für den AWM steht im Vordergrund, geeignete Maßnahmen zu ergreifen, mit denen weniger interessierte Bürger*innen erreicht werden können, die mit Basisinformationen versorgt bzw. für die Abfalltrennung sensibilisiert werden sollen. Diese Gruppe nimmt sich erfahrungsgemäß nicht die Zeit, sich aktiv mit Details zur Abfallentsorgung auseinanderzusetzen.
1.4. AWM-Infocenter
Das Infocenter des AWM berät telefonisch und per E-Mail von Montag bis Freitag zu allen Entsorgungsfragen und den Services des AWM.
1.5. Newsletter an Hausverwaltungen, Bürger*innen und Gewerbebetriebe
Der AWM verschickt regelmäßig Newsletter an Hausverwaltungen, Bürger*innen und Gewerbebetriebe. Hausverwaltungen sind wichtige Multiplikatoren zur Verbreitung von Abfallinformationen an ihre Bewohnerschaft bzw. an Hausmeister*innen, die sich um die Gestaltung der Tonnenstandplätze kümmern.
1.6. Qualitätskontrolleur*innen für Papier- und Biotonnen
Die Qualitätskontrolleur*innen überprüfen in Gebieten, in denen schlecht getrennt wird, den Inhalt von Papier- und Biotonnen und bringen bei mangelhafter Trennqualität gelbe oder rote Karten an den entsprechenden Behältern an, um auf die Fehlbefüllung aufmerksam zu machen. Falsch be-füllte kostenlose Papier- und Biotonnen werden als kostenpflichtige Restmülltonnen geleert und den Bewohner*innen in Rechnung gestellt.
1.7. Abfallberatung und Vorträge
Der AWM führt Abfallberatungen in Stadtbüchereien und bei Veranstaltungen durch. Außerdem hält der AWM Vorträge für Besuchsgruppen, in Vereinen, der Münchner Volkshochschule, etc.
2. Darüber hinaus geplante Maßnahmen des AWM
Über die bisherigen Ausführungen hinaus plant der AWM weitere Angebote, um die Münchner*innen zu mehr Abfalltrennung und -vermeidung zu bewegen:
-Umweltbildungsangebote auch für Kitas,
-Bereitstellung von Aufklebern („keine Akkus/keine Batterien/kein E-Schrott“) für die Restmülltonnen,
-Social-Media-Kampagne, um die Bürger*innen für die korrekte Entsorgung von akkubetriebenen Kleingeräten zu sensibilisieren,
-weitere regelmäßige Verteilung des Nachschlagewerks „Alles Müll?“ an Münchner Haushalte,
-Kampagnen im Rahmen des Zero-Waste-Konzepts zur Sensibilisierung der Bürger*innen für Abfalltrennung- und Vermeidung, z.B. bei Pappverpackungen,
-Erstellung des Trennmagazins „RE“, in welchem Zahlen, Daten, Fakten sowie tiefergehende Informationen zur Abfalltrennung dargestellt werden, um weiteres Detailwissen zur Abfalltrennung zu vermitteln,
-Erarbeitung einer Elektroschrottstrategie in Zusammenarbeit mit dem Referat für Klima- und Umweltschutz (RKU), mit deren Hilfe zukünftig die Sammelmengen pro Einwohner*in erhöht werden soll sowie
-Test verschiedener gelber Sammelsysteme mit den Dualen Systemen Deutschland im Jahr 2023, um höhere Sammelmengen zu erzielen.
Um Kenntnisnahme von den vorstehenden Ausführungen wird gebeten. Wir gehen davon aus, dass die Angelegenheit damit abgeschlossen ist.