Gewalt gegen Frauen ist weltweit die häufigste Menschenrechtsverletzung. Die kürzlich veröffentlichen Zahlen des Bundeskriminalamts zu geschlechtsspezifischer Gewalt zeigen, dass Straftaten gegen Frauen und Mädchen in allen Bereichen – häusliche Gewalt, sexualisierte Gewalt, digitale Gewalt und Menschenhandel – weiter gestiegen sind und seit Jahren ansteigen. Diese Zahlen sind nur die Spitze des Eisbergs, viele Taten liegen im Dunkelfeld. Andere Opfergruppen patriarchaler Gewalt wie nicht-binäre Menschen und trans* Menschen bleiben im Bundeslagebild unberücksichtigt, sind davon aber auch in hohem Maße betroffen. Der 25. November ist der internationale Tag gegen Gewalt an Frauen. Am 25. November 1960 wurden in der Dominikanischen Republik drei Regimegegnerinnen, die Schwestern Mirabal, auf Befehl des Diktators Trujillo verschleppt, vergewaltigt und ermordet. Lateinamerikanische Feministinnen riefen diesen Tag zum Widerstandstag gegen Gewalt an Frauen aus, 1999 wurde er zum internationalen Aktionstag durch die Vereinten Nationen deklariert. In München finden anlässlich dieses Tages jedes Jahr die Aktionswochen gegen Gewalt an Frauen, Mädchen, Jungen und nonbinären Menschen statt, die von einem breiten zivilgesellschaftlichen Aktionsbündnis mit 66 Organisationen getragen werden.
Die zentrale Veranstaltung der Aktionswochen fand am 22. November im Rathaus statt zum Thema „Erinnern und Kämpfen: Femizide und die Umsetzung eines zentralen Aktions- und Erinnerungsortes feministischer Bewegungen am Frauenplatz“. Am 24. November wurde diese Forderung in Form einer Gedenk- und Protestveranstaltung am Frauenplatz wiederholt. Gefordert wird, in der Mitte von München einen dauerhaften Gedenk- und Erinnerungsort zu schaffen, der an die Opfer von Femiziden, Frauenhass und patriarchaler Gewalt erinnert. Fast jeden Tag findet in Deutschland ein Femizid statt. Femizide umfassen Tötungen im Zusammenhang mit sexueller Gewalt, Tötungen im Kontext der Kontrolle von Mädchen und Frauen durch die Familie, die Tötung von trans* Frauen, die Tötung von Prostituierten und Sexarbeiter*innen sowie die Tötung von Frauen, Mädchen und queeren Menschen im Kontext von Frauenhass, Antifeminismus und Transfeindlichkeit. Diese Tötungsdelikte an Frauen und weiblich wahrgenommenen Menschen sind kein Einzelfall – kein „Beziehungsdrama“ wie so häufig immer noch verharmlost – sondern Folge weltweiter patriarchaler Strukturen, von Frauenhass und geschlechterhierarchischer Macht, Kon- trolle und Unterdrückung.
Die Landeshauptstadt München positioniert sich deutlich gegen frauenverachtende, antifeministische sowie antisemitische, ableistische, rassistische und LGBTIQ*-feindliche Haltungen. Die Gleichstellungsstelle für Frauen ruft anlässlich des 25. November zur Solidarität mit allen zivilen Opfern von bewaffneten Konflikten auf und wirbt für die in der Solidaritätsadresse der Stadtratskommission zur Gleichstellung von Frauen formulierte Haltung vom 18. April 2024: „Die Stadtratskommission zur Gleichstellung von Frauen erteilt anlässlich des bewaffneten Konflikts zwischen Israel und der Hamas jeglicher Form von Antisemitismus und Rassismus eine Absage. Wir verurteilen den Terrorangriff der Hamas als Verstoß gegen internationales humanitäres Recht. Wir rufen zu Solidarität mit allen zivilen Opfern in diesem und in jedem anderen bewaffneten Konflikt auf und wenden uns grundsätzlich gegen jede sexualisierte, frauen*- und geschlechtsspezifische Gewalt als Terror- und Kriegswaffe. Wir fordern alle Frauen*organisationen, Politik und Gesellschaft auf, solidarisch für Frauen- und Menschenrechte und gegen Antifeminismus einzutreten und werben für eine Rückbesinnung auf feministische Grundsätze von Geschlechtergerechtigkeit, Frieden, menschlicher Sicherheit und Gewaltfreiheit.“ Bürgermeister Dominik Krause: „Femizide und andere Formen von geschlechtsspezifischer Gewalt haben in erschreckendem Ausmaß zugenommen. Um sie endlich wirkungsvoll zu bekämpfen, müssen wir dafür sorgen, dass Männer nicht zu Tätern werden. Wir brauchen solidarische Bündnisse und eine starke Frauenbewegung. Und wir brauchen noch viel mehr Männer, die sich für Gleichberechtigung einsetzen.“ Gleichberechtigung schützt vor Gewalt. Damit alle gleichberechtigt, selbstbestimmt und frei von Gewalt leben können.
Die Aktionswochen gegen Gewalt an Frauen, Mädchen, Jungen und nonbinären Menschen laufen noch bis zum 30. November mit zahlreichen weiteren Veranstaltungen. Programm und Informationen unter https://gleichberechtigung-schuetzt-vor-gewalt.de/aktionswochen.
Achtung Redaktionen: Fotos den Veranstaltungen am 22. und 24. November können per E-Mail an gst@muenchen.de angefordert werden.