Stärkung des Filmmuseums München als Zentrum der Filmkultur und
Bildung
Antrag Stadtrats-Mitglieder Lyn Faltin, Mona Fuchs, Mo Lüttig, Thomas Niederbühl, Angelika Pilz-Strasser, Dr. Florian Roth, Sibylle Stöhr und David Süß (Fraktion Die Grünen – Rosa Liste – Volt) vom 10.7.2025
Antwort Kulturreferent Marek Wiechers:
Nach §60 Abs.9 GeschO dürfen sich Anträge ehrenamtlicher Stadtratsmitglieder nur auf Gegenstände beziehen, für deren Erledigung der Stadtrat zuständig ist.
Sie beantragen die Stärkung des Filmmuseums München als Zentrum der Filmkultur und Bildung. Das Stadtmuseum und das Filmmuseum werden gebeten, für die Schließzeit des Filmmuseums, mit Unterstützung des Kulturreferats und Akteur*innen der Film- und Medienszene zeitnah ein Konzept zur Interimsnutzung auszuarbeiten, um für Münchens kommunales Kino neue Veranstaltungsformate zu entwickeln und diesen wertvollen Ort weiteren Bevölkerungsgruppen zugänglich zu machen.
Der Inhalt Ihres Antrages betrifft damit eine laufende Angelegenheit, deren Besorgung nach Art.37 Abs.1 GO und §22 GeschO dem Oberbürgermeister obliegt. Eine beschlussmäßige Behandlung im Stadtrat ist daher rechtlich nicht möglich.
Zu Ihrem Antrag vom 10.7.2025 teile ich Ihnen Folgendes mit:
Das Filmmuseum im Münchner Stadtmuseum wurde eingerichtet als Kino, das vor allem die Aufgaben einer hauptstädtischen Kinemathek erfüllt, aber auch lokale Filmkultur pflegt. Diesen Spagat erfüllt es seit inzwischen mehr als sechs Jahrzehnten und genießt weit über München hinaus hohes Ansehen. Mehrfach wurde es für sein Programm vom Deutschen Kinematheksverbund und dem Verband der Kommunalen Kinos ausgezeichnet. Seine Filmrestaurierungen laufen auf großen Internationalen Filmfestivals wie Venedig, Locarno, Berlin oder Rotterdam, die vom Filmmuseum herausgegebenen DVDs mit medienpädagogisch aufgearbeiteten Filmen erhalten die renommiertesten Preise. Das Filmmuseum verfügt über eines der wenigen Kinos, in dem alle analogen und digitalen Filmformate auf höchstem technischen Qualitätsniveau vorgeführt werden können.
Filmvermittlung und Partizipation sind ein wesentliches Element der Vorführungen im Filmmuseum. Dazu gehören die Bereitstellung von ausführlichen Informationen zu Filmreihen und Retrospektiven im umfangreichen Programmheft und im Internet, Einführungen in die Filme von Mitarbeiter*innen des Filmmuseums oder anderen Fachleuten, Diskussionsangebote, zu denen oft Filmemacher*innen, Filmwissenschaftler*innen oder Historiker*innen eingeladen werden, Masterclasses beim jährlichen Werner-Herzog-Filmpreis oder die vom Verein der Freunde des Filmmuseums, Münchner Filmmuseum (MFZ) organisierten Zuschauerkino-Filmabende, bei denen jeder seine Kurzfilme einreichen und vorstellen kann. Mit der wöchentlich stattfindenden Open Scene werden Filme zu aktuellen Themen kurzfristig programmiert, die außerhalb der aufwändig und langfristig organisierten Reihen stehen und meistens in Kooperation mit anderen Vereinen, Initiativen und Kulturinstitutionen stattfinden.
Das Filmmuseum hat dem Filmstadt München e.V., dem Zusammenschluss verschiedener Münchner Filminitiativen, viele Jahre lang in seinen Räumlichkeiten ein Büro zur Verfügung gestellt, was zu einer intensiveren Zusammenarbeit bei Programmen und Veranstaltungen führte. Entsprechend sind die Aufgaben verteilt. Der Filmstadt München e.V. zielt auf eine Verbreitung des Filmangebots in allen Teilen der Stadt, während das Filmmuseum konzentriert am eigenen Standort arbeitet. Momentan finden regelmäßig die mit der Filmstadt verbundenen Festivals Mittel Punkt Europa Filmfest, Underdox und DOK.fest München sowie Veranstaltungen des Circolo Cento Fiori e.V. und der Georgischen Filmtage im Filmmuseum statt.
Andere Veranstaltungen wie die Rumänischen Filmtage der Gesellschaft zur Förderung der rumänischen Kultur und Tradition e.V. und die Filmreihen der Akademie für Psychoanalyse und Psychotherapie München e.V. haben im Filmmuseum ebenso eine feste Heimat gefunden wie die Werner-Herzog-Stiftung. Das Filmmuseum ist Spielstätte des Filmfests München und Ort für Sonderveranstaltungen des Kulturreferats sowie Kooperationen mit verschiedenen Instituten der LMU. Darüber hinaus stellt das Filmmuseum seine Filmrestaurierungen auch anderen Spielstätten zur Verfügung. Dies reicht von Münchner Initiativen bis hin zu Institutionen wie der Cinémathèque française in Paris, dem Museum of Modern Art in New York oder dem Koreanischen Filmarchiv in Seoul, mit denen das Filmmuseum regelmäßig gemeinsame Projekte durchführt. Viele der bekanntesten deutschen Filmklassiker wären heute ohne die oft jahrelange Rekonstruktionsarbeiten des Filmmuseums nicht mehr in der Öffentlichkeit präsent und in wieder hergestellten Originalfassungen verfügbar.
Derzeit werden bereits Konzepte für die Schließzeit entwickelt, die an die vorhandenen Formate anknüpfen, die aber auch Perspektiven für die Zeit nach der Wiedereröffnung schaffen. So sollen beispielsweise die vor allem während des Corona-Lockdowns erfolgreich erprobten neuen Formender Filmvermittlung über die eigene Website und auf anderen Medien ausgebaut werden. Bei der Neukonzeption des Münchner Stadtmuseums werden auch die Programmstrukturen, die Vernetzung in der Stadt und die Öffentlichkeitsarbeit des Filmmuseums aktualisiert und neu ausgerichtet werden. Inwieweit das Filmmuseum bereits in der Interimszeit neue Ideen und Konzepte ausprobieren kann, wird sehr stark von den zur Verfügung stehenden Mitteln abhängen. Personelle Engpässe sind dabei weniger das Problem als vielmehr die verfügbaren Veranstaltungsräume in München und die Qualität der dort vorhandenen Projektionstechnik. Dieses Problem stellt sich auch allen anderen Filminitiativen und Festivals, die die Kooperation mit dem Filmmuseum nicht zuletzt wegen des Kinosaals als Veranstaltungsort zu schätzen wissen.
In seiner Schließzeit strebt das Filmmuseum an, neue Kooperationen aufzubauen, und durch den Mangel eines eigenen Kinosaals seine Bemühungen im Bereich des Outreaches und der aufsuchenden Kulturarbeit zu verstärken. Das kann Vermittlungsarbeit für Kinder und Jugendliche mit Kooperationspartner*innen, aber auch ganz niederschwellige Programmformate wie etwa Kneipenkinoabende umfassen. Dabei wird berücksichtigt, dass das Programm die vielfältige Münchner Stadtgesellschaft anspricht, unter der Beibehaltung des Ziels, die Perspektiven marginalisierter Gruppen sichtbar zu machen.
Nicht vergessen werden darf, dass das Filmmuseum die Schließzeit auch zur Inventarisierung, Dokumentation und Digitalisierung seiner Bestände nutzen wird – Aufgaben, die während des täglichen Spielbetriebs meist zu kurz kommen und wenig öffentlichkeitswirksam sind. In den letzten Jahren konnte im Bereich der Filmwissenschaft und akademischen Forschung ein steigendes Interesse insbesondere an der Sammlung filmbezogener Begleitmaterialien des Filmmuseums registriert werden, die noch unzureichend aufgearbeitet sind.
Das Münchner Stadtmuseum wird zu gegebener Zeit im Kulturausschuss über die Entwicklung des Konzepts für die Interimszeit und für die Zeit nach der Wiedereröffnung berichten.
Ich bitte Sie, von den vorstehenden Ausführungen Kenntnis zu nehmen, und hoffe, dass Ihr Antrag zufriedenstellend beantwortet ist und als erledigt gelten darf.