Die Vollversammlung des Stadtrates hat gestern in nichtöffentlicher Sitzung die Generalplanungsleistungen für das Neubauvorhaben Großmarkthalle München einstimmig an das Planungsbüro Ackermann Architekten BDA, München, vergeben und folgte damit der einstimmigen Empfehlung des Auswahl-Gremiums.
Vorangegangen war ein sogenanntes VOF-Verfahren mit öffentlichem Teilnahmewettbewerb, das vom Baureferat im April 2014 gemäß Stadtratsauftrag europaweit ausgeschrieben und durchgeführt wurde. Der Stadtrat hatte sich bereits 2009 für den Verbleib der Großmarkthalle am jetzigen Standort entschieden. Er beauftragte im Dezember 2013 die Verwaltung, den Bau einer neuen Großmarkthalle am Standort „östlich der Thalkirchner Straße“ zu untersuchen und ein VOF-Verfahren durchzuführen, um ein geeignetes Planungsbüro zu finden.
Ausgelobt wurde die Generalplanung für den kompletten Neubau der Markthallen. Dazu gehören die Objektplanung für die Gebäude, die Planung der Freianlagen und der Verkehrsanlagen sowie die Planung der Tragwerke und der technischen Gebäudeausrüstung. Grundlage der Auslobung war eine im Vorfeld erarbeitete städtebauliche Grundsatzstudie des Büros Albert Speer & Partner aus Frankfurt am Main und das Nutzerbedarfsprogramm der Markthallen München (MHM). Insgesamt 13 Planungsteams haben sich beworben.
Das Baureferat hat nach einem öffentlichen Teilnahmewettbewerb in einer ersten Stufe die Eignung und Erfahrung der einzelnen Teams beziehungsweise Generalplanerbüros geprüft und die acht am besten geeigneten Bewerber für die Teilnahme am weiteren Verfahren ausgewählt. Diese haben jeweils einen Lösungsvorschlag für ein Gesamtkonzept zum Neubau der Großmarkthalle ausgearbeitet. Die Aufgabenbeschreibung war vorab mit allen beteiligten Referaten und dem Auswahlgremium, bestehend aus insgesamt 15 stimmberechtigten Mitgliedern, abgestimmt worden.
Die Lösungsvorschläge wurden durch die acht teilnehmenden Planungsteams dem Gremium am 30. Januar 2015 einzeln vorgestellt, ausführlich diskutiert und nach folgenden Gesichtspunkten beurteilt:
-Konzepte Gesamtareal
-Funktionalität der Halle I, Aufteilung der Funktionsbereiche und Erfüllung Raumprogramm
-gestalterische und räumliche und energetische Qualität der Halle I -Umgang mit dem Denkmal Kontorhaus 2
-bauliches Gesamtkonzept Halle I
-Fassade Halle I – Gestaltung, Funktionalität und ökologische Qualitäten -Baukosten und Wirtschaftlichkeit
Das Gremium stellte auf Grund der gewonnen Erkenntnisse bei der Beurteilung Vor- und Nachteile heraus, die in der weiteren Bearbeitung in Zusammenarbeit mit dem Verfasser berücksichtigt und weiterentwickelt werden sollen: „Die Arbeit zeugt von großer gestalterischer Sicherheit. Das konstruktive Konzept ist gut durchdacht. Das lichte transparente Dachtragwerk und die begrüßenswert wenigen Stützen im Inneren überzeugen. Mit durchgängig transparenter EG-Zone entsteht eine überzeugende Zuwendung der Arbeit zum Straßenraum und zum benachbarten Quartier hin. Auch die Behandlung des Kontorhaus II mit der Platzanlage ist von integrativer Wirkung. Die plastische Durchbildung des Hallenbauwerks ist uneingeschränkt kontextverträglich. Die Verglasung im Erdgeschoss zur Thalkirchner Straße hin ist positiv, sollte aber zur Attraktivitätssteigerung gegebenenfalls durch nach außen gerichtete externe Nutzungseinheiten überarbeitet werden. Die Verkehrsströme sind für alle Marktteilnehmer gut geordnet. Das Zusammenspiel der Funktionen/Logistik mit dem
Verkehrskonzept ist weitestgehend schlüssig. Die inneren und äußeren Funktionsabläufe wurden erkannt und umgesetzt. Die Erschließung in der Halle ist sehr gut. Energetisch liegt die Arbeit im guten Mittel, die Bewertung der vorgeschlagenen Baustoffe ist insgesamt sehr gut. Auch die ökologischen Aspekte der Fassade gefallen. Die vom Teilnehmer ermittelte Größenordnung der Kosten liegt im mittleren Bereich aller Arbeiten und er scheinen plausibel, für das, was angeboten wird.“ Baureferentin Rosemarie Hingerl ist mit der Auswahl des Gremiums, dem sie selbst angehörte, hoch zufrieden: „Mit der einstimmigen Entscheidung bringt das Gremium zum Ausdruck, dass die Arbeit von Ackermann und Partner die Aufgabenstellung sowohl gestalterisch als auch funktional wirklich überzeugend gelöst hat. Insbesondere die leicht und offen wirkende Konstruktion der Halle, als auch die Öffnung zum Stadtviertel Sendling hin, ist besonders gelungen.“
Das vorrangige Ziel in der weiteren Umsetzung besteht darin, die Attrak-
tivität des Großmarktes für die Stadt München am jetzigen Standort zu verbessern sowie die Wettbewerbs- und Konkurrenzfähigkeit des Betriebs langfristig zu sichern. Um eine nachhaltige Entwicklung zu gewährleisten,
wurde ein städtebauliches Gesamtkonzept entwickelt, das stufenweise realisiert werden kann. Dieses soll auch mögliche Nachnutzungen freiwerdender Flächen sowie räumlich flankierende Flächen und unterschiedliche städtebaulicher Nutzungen betrachten und deren verträgliches Nebeneinander ermöglichen.
Besonderes Augenmerk wurde darauf gelegt, dass die neue 550 Meter lange Markthalle städtebaulich qualitätsvoll in das Umfeld eingebunden und mit dem Quartier vernetzt wird. Die Lebensqualität des sozial und ökonomisch stabilen Stadtviertels Sendling soll erhalten und gesichert bleiben. Außerdem muss der Neubau die denkmalgeschützten Gebäude, insbesondere das Kontorhaus 2, in die Neukonzeption mit einbeziehen. Der Neubau ist in modularer Bauweise in mehreren Realisierungsabschnitten und unter laufendem Betrieb herzustellen.
Die Planung für den Neubau der Großmarkthalle soll die bereits heterogene Händlerstruktur des Obst-, Gemüse- und Spezialitätenhandels sowie die Tendenz zur Diversifikation in den Wertschöpfungsketten berücksichtigen. Die dabei neu zu schaffenden Handelsflächen müssen den heutigen Anforderungen eines modernen Großmarktes entsprechen.
Achtung Redaktionen: Weitere Informationen zum Neubau Großmarkthalle München, zum VOF-Verfahren mit ausführlicher Aufgabenstellung und dem Ergebnis sind im Internet unter www.muenchen.de/baureferat abrufbar. Druckfähige Visualisierungen gerne auf Anfrage bei der Pressestelle des Baureferates (presse.bau@muenchen.de).