Wiederherstellung des Fischbrunnens vor dem Münchner Rathaus in seiner ursprünglichen Form?
Anfrage Stadtrats-Mitglieder Dr. Wolfgang Heubisch, Dr. Michael Mattar, Gabriele Neff, Thomas Ranft und Wolfgang Zeilnhofer-Rath (Fraktion Freiheitsrechte, Transparenz und Bürgerbeteiligung (FDP – HUT – Piraten)) vom 16.9.2015
Antwort Baureferat:
In Ihrer Anfrage vom 16.9.2015 führen Sie aus:
„Der Fischbrunnen am Marienplatz ist heute ein beliebter Treffpunkt und gilt als Wahrzeichen der Landeshauptstadt München. Nach der Beschädigung während des Zweiten Weltkriegs wurde der Fisch- brunnen – möglicherweise auf Grund von Geld- und Materialmangel – nur vereinfacht und verkleinert wieder aufgebaut.
Insbesondere die Säule im Brunnen bietet optisch kein schönes Bild. Vor dem Zweiten Weltkrieg war diese höher und wirkte auch künstlerisch auf den Betrachter viel eindrucksvoller.“
Ihre Frage beantworten wir wie folgt:
Frage:
Besteht die Möglichkeit den Fischbrunnen vor dem Münchner Rathaus in seiner historischen Form wiederherzustellen?
Antwort:
Der Brunnen am Marienplatz repräsentiert Münchens älteste Wasserzapfstelle. Der heutige Fischbrunnen ist eine von zahlreichen Brunnenanlagen, die im Laufe der Jahrhunderte an dieser Stelle nach Zerstörung oder aus anderen Gründen mit neuer Gestaltung wieder aufgebaut wurden.
Erstmals wurde ein Brunnen 1318 als Brunnen neben der Metzgerbank erwähnt. Als man die Verkaufsstände der Metzger vor das Taltor hinaus verlegte, erfolgte die Umbenennung der Wasserstelle in „Bürgerbrunnen“. Später hieß er zwei Jahrhunderte lang schlicht „Marktbrunnen“, denn der Viktualienhandel spielte sich noch auf dem heutigen Marienplatz ab. 1775 wurde ein im Zopfstil gestalteter Brunnen, mit einer Marmorsäule, bekrönt mit einer Vase und Fratzenköpfen als Wasserspeier, neu errichtet. Dieser Brunnen wurde 1866 wiederum durch den nach einem Entwurf des Künstlers Konrad Knoll gestalteten Brunnen ersetzt und greift das Thema des sog. „Metzgersprungs“ (Brunnentaufe der Metzgerlehrlinge) auf. Nach derZerstörung 1944 blieben von dem Brunnen nur noch die Plastiken der drei Metzgergesellen (integriert im heutigen Fischbrunnen) erhalten sowie drei Spieler (sie stehen im Karlstor-Bogen) und die Figur mit dem Trinkbecher (aufbewahrt im Stadtmuseum).
1954 wurde nach dem Entwurf des Bildhauers Josef Henselmann der
heute bestehende Fischbrunnen realisiert. Prof. Henselmann thematisierte das Motiv „Fischbrunnen“, bezog aber auch die drei Plastiken der Metzgergesellen des zerstörten Brunnens in die Neugestaltung ein. Er behielt die achteckige Form des Brunnenbeckens bei und schmückte es mit Reliefs aus dem Tätigkeitsbereich des Metzger- sowie des Kräutermarktes, der Wirtschaft und des Fischfanges. Der Fischbrunnen hat gegenwärtig einen festen Platz im öffentlichen Bewusstsein der Stadt, wie das alljährliche Ritual des „Geldbeutel waschen im Fischbrunnen“ am Aschermittwoch belegt.
Aus technischer Sicht wäre eine Rekonstruktion des „Metzgerbrunnens“ mit seinem ca. 9 Meter hohen turmartigen Aufbau machbar. Von den zahlreichen bronzenen Skulpturen, Ornamenten und Brunnenschalen müssten zahlreiche Nachbildungen neu modelliert, abgeformt und in Bronze gegossen werden: die Skulpturen eines Metzgergesellen, eines Musikanten, der bronzene Teil des Brunnenaufbaus, zwei Brunnenschalen sowie verschiedene Applikationen wie Delfine, Löwenköpfe und Tannenzweige. Außerdem wäre ein neues Brunnenbecken mit neuen Säulen aus Bayerwaldgranit herzustellen. Insgesamt ist für die Rekonstruktion mit Kosten von über 800.000 Euro zu rechnen.
Die Wiederherstellung des alten Metzgerbrunnens wurde bereits in der Vergangenheit im Stadtrat behandelt. Bereits 1999 wurde ein Stadtratsantrag gestellt, die Möglichkeiten zur Wiederherstellung des alten Metzger- brunnens zu überprüfen und dem Stadtrat das Ergebnis vorzulegen. Mit Beschluss des Bauausschusses vom 16.11.1999 wurde von einer Rekonstruktion des ehemaligen Metzgerbrunnens abgesehen.
Neben den hohen Kosten für die Rekonstruktion wurde auch der große Identifikationswert des heutigen Fischbrunnens als Begründung für die Empfehlung gegen die Rekonstruktion des Metzgerbrunnens aufgeführt. Der Fischbrunnen in seiner heutigen Gestalt sei als Ausdruck eigenständiger künstlerischer Tätigkeit zu werten.