Sonderausstellung „Plötzlich da...Deutsche Bittsteller 1709, türkische Nachbarn 1961“ nach München holen!
Antrag Stadtrat-Mitglieder Kristina Frank, Richard Quaas und Thomas Schmid (CSU-Fraktion) vom 7.4.2016
Antwort Kulturreferent Dr. Hans Georg Küppers:
Nach § 60 Abs. 9 GeschO dürfen sich Anträge ehrenamtlicher Stadtratsmitglieder nur auf Gegenstände beziehen, für deren Erledigung der Stadtrat zuständig ist.
Sie beantragen, dass sich die Landeshauptstadt dafür einsetzt, die aktuell im Deutschen Auswandererhaus in Bremerhaven gezeigte Sonderausstellung „Plötzlich da...Deutsche Bittsteller 1709, türkische Nachbarn 1961“ nach München zu holen. Die Planung und Übernahme von Ausstellungen ist eine Kernaufgabe des Kulturreferats, insbesondere der Museen. Der Inhalt Ihres Antrags betrifft damit eine laufende Angelegenheit, deren Besorgung nach Art. 37 Abs. 1 GO und § 22 GeschO dem Oberbürgermeister obliegt. Eine beschlussmäßige Behandlung im Stadtrat ist daher rechtlich nicht möglich.
Zu Ihrem Antrag vom 7.4.2016 teile ich Ihnen Folgendes mit:
Sie beantragen zu prüfen, ob die o. g. Ausstellung in München einer breiteren Öffentlichkeit – entweder in einem Museum oder an einem anderen geeigneten Ort – zugänglich gemacht werden kann.
Wir haben dieses Anliegen geprüft und müssen Ihnen leider mitteilen, dass wir keine Möglichkeit sehen, diese Ausstellung nach München zu holen.
Gemeinsame Ausstellungen mit internationalen Leihgaben sind Unternehmungen, die mit großem zeitlichen Vorlauf geplant werden müssen und bei denen die Partner normalerweise von Anfang an feststehen. So ist es möglich, die Gegebenheiten an den jeweiligen Ausstellungsorten von Anfang an einzubeziehen. Das betrifft die wissenschaftliche Erarbeitung des Themas, das inhaltliche und gestalterische Konzept der Ausstellung und die Sicherung der Leihgaben sowie die Verhandlungen mit internationalen Leihgebern. Diese stellen ihre Leihgaben nur sehr selten über einen längeren Zeitraum und für mehrere Stationen zur Verfügung, da dies aus konservatorischen Gründen häufig problematisch ist. So dürfen die Objekte nur beschränkt transportiert werden oder dürfen nur für kurze Zeit dem Licht ausgesetzt werden.Die Ausstellung in Bremerhaven ist nicht als Wanderausstellung konzipiert und sowohl inhaltlich als auch gestalterisch stark auf die dortigen Gegebenheiten ausgerichtet. So korreliert die doppelte Perspektive auf das Thema Migration (Deutsche als Emigranten nach Großbritannien/Amerika und Türkische Migranten in Deutschland) mit der Gesamtkonzeption des Deutschen Auswandererhauses, das ja insgesamt das Thema Migration unter dieser doppelten Perspektive betrachtet. Die ungewöhnliche und sehr interessante installatorische Gestaltung der Ausstellung kann weder technisch noch konzeptionell beliebig an andere räumliche Bedingungen angepasst werden, so dass überhaupt nur sehr wenige Räume in München grundsätzlich in Frage kämen. Gleichzeitig erfordern die teilweise sehr empfindlichen Exponate (insbesondere die Leihgaben aus Amerika sowie die originalen Buchausgaben aus dem 17./18. Jahrhundert) hohe sicherheitstechnische und konservatorische Bedingungen, die z. B. im Gasteig nicht gegeben wären. Bei einigen Exponaten ist schon jetzt absehbar, dass sie wohl nicht mehr zur Verfügung ständen, bei anderen wäre es zweifelhaft, ob man die Leihgeber so kurzfristig für eine weitere Entleihung gewinnen könnte, zumal die Vorlaufzeiten in jedem Fall eine längere Zwischenlagerung erforderlich machen würden.
Schließlich fehlt der inhaltliche Anknüpfungspunkt an den Sammlungs- und Präsentationsschwerpunkt eines Münchner Museums. Das Stadtmuseum z. B. beschäftigt sich mit unterschiedlichsten Aspekten der Münchner Stadtgeschichte und Gegenwart. Ein solcher unmittelbarer Münchenbezug – sei es über Personen oder Ereignisse – ist bei der in Frage stehenden Ausstellung nicht gegeben. Zudem schränkt die bevorstehende Umbauzeit die räumlichen Möglichkeiten des Stadtmuseums noch weiter ein.
Wir denken dennoch, dass das auch für München wichtige Thema der Migration insbesondere von den 60-er Jahren bis heute durch Ausstellungen, die bereits hier stattgefunden haben (z.B. „Für 50 Mark einen Italiener – eine Ausstellung zur Geschichte der Gastarbeiter in München“ oder „Crossing Munich – Orte, Bilder und Debatten der Migration in München“), sowie durch das Projekt „Migration bewegt die Stadt“ in München angemessen repräsentiert ist.
Ich bitte Sie, von den vorstehenden Ausführungen Kenntnis zu nehmen und hoffe, dass Ihr Antrag zufriedenstellend beantwortet ist und als erledigt gelten darf.