Förderung für das Bayerische Institut für Migration
Antrag Stadtrats-Mitglieder Dr. Reinhold Babor, Beatrix Burkhardt, Kristina Frank, Ulrike Grimm, Marian Offman, Richard Quaas und Johann Stadler (CSU-Fraktion) vom 19.5.2016
Antwort Kulturreferent Dr. Hans-Georg Küppers:
Nach § 60 Abs. 9 GeschO dürfen sich Anträge ehrenamtlicher Stadtratsmitglieder nur auf Gegenstände beziehen, für deren Erledigung der Stadtrat zuständig ist. Die Förderung für das Bayerische Institut für Migration ist ebenso wie die Einrichtung von sammlungsbezogenen Abteilungen ein laufendes Geschäft des Museumsbetriebes. Der Inhalt Ihres Antrages betrifft damit eine laufende Angelegenheit, deren Besorgung nach Art. 37 Abs. 1 GO und § 22 GeschO dem Oberbürgermeister obliegt, weshalb eine beschlussmäßige Behandlung im Stadtrat rechtlich nicht möglich ist
Zu Ihrem Antrag vom 19.05.2016 darf ich Ihnen Folgendes mitteilen:
Sie beantragen zu prüfen, wie und in welchem Umfang das Bayerische Institut für Migration und das angeschlossene Museum der Deutschen Migrationsgeschichte gefördert und unterstützt werden kann. Weiter bitten Sie um die Suche nach größeren, geeigneteren Räumlichkeiten in städtischem Besitz für das einmalige Museum in München und sein einzigartiges Archiv.
Der Münchener Stadtrat hat am 16.05.2013 entsprechend des Antrags Nr. 08-14/A 03586 der Stadtratsfraktion DIE GRÜNEN/RL vom 08.08.2012 für das Projekt „Migration bewegt die Stadt“ 2,5 Stellen bewilligt und Sachmittel bereitgestellt, um die Geschichte und Gegenwart der Münchner Migration zentral am Münchner Stadtmuseum und Stadtarchiv München zu erforschen, zu sammeln und zu vermitteln.
Das Kernanliegen des Kooperationsprojekts liegt darin, die Migration als Bestandteil der Münchner Gesellschaft und Geschichte zu verankern. Die beiden Institutionen betrachten und bearbeiten daher Migration als Querschnittaufgabe ihrer Gedächtnis- und Erinnerungsarbeit.
Seit Februar 2015 sind die Stellen mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Migrations- und Erinnerungsforschung besetzt. Seitdem leisten das Stadtarchiv München und das Münchner Stadtmuseum eine wissenschaftlich fundierte Grundlagenarbeit der Erfor schung, Sammlungs- und Ausstellungs-/Vermittlungsarbeit zur Münchner Migration.Eine Förderung des Bayerischen Instituts für Migration aus den Projektmitteln, die zweckgebunden sind, scheidet daher sowohl inhaltlich als auch formell aus.
Seit 1990 gibt es eine bundesweite Gedächtnis- und Erinnerungsinstitution: das Dokumentationszentrum und Museum über die Migration in Deutschland e.V. (DOMiD) mit Sitz in Köln. DOMiD hat seit Gründung die deutschlandweit größte Dokumenten-, Foto-, Objekt-, Medien- und Literatursammlung über die Migration in Deutschland zusammengetragen und arbeitet sie systematisch auf. Die Sammlung umfasst mehr als 100.000 Objekte und deckt im Schwerpunkt die Zeit seit den 1950-er Jahren bis zur Gegenwart ab. Hierbei sind auch zahlreiche Archivalien, Selbstzeugnisse und Objekte aus München und Bayern zu finden; die in der Vergangenheit bereits für städtische Ausstellungsprojekte genutzt werden konnten. Anfang der 2000-er Jahre startete DOMiD im Verbund mit anderen Vereinen eine Initiative zur Gründung eines zentralen Deutschen Migrationsmuseums. 2015 wurde dieses Vereinsziel unter der Schirmherrschaft von Dr. Rita Süssmuth, Bundestagspräsidentin a.D., erneut aufgenommen. Derzeit wird eine Machbarkeitsstudie zu Umfang, Struktur, Standort und Finanzierungsumfang erarbeitet und ab Herbst 2016 veröffentlicht.
Am 16.01.2012 schloss das Stadtarchiv München mit dem Bayerischen Institut für Migration e.V. einen Vertrag für eine enge Zusammenarbeit, Beratung und Unterstützung bei der professionellen Archivierung von Sammlungsgut. Das Stadtarchiv München hat entsprechend der vertraglichen Vereinbarungen dem Bayerischen Institut für Migration e.V. Platz im Magazin für zu archivierende Materialien/Unterlagen des Vereins geschaffen, digitale Hilfstools mit Schulung sowie Ausstattung wie z.B. professionelles Verpackungsmaterial bereitgestellt.
Durch den bestehenden Vertrag ist dem Bayerischen Institut für Migration e.V. bereits der Weg zu einer städtischen Institution offen, um Sammlungsgut sachgemäß und professionell zu sichern, zu verwahren und zu bearbeiten.
Daher lautet die Empfehlung, die bereits getroffenen Vereinbarungen zu intensivieren und unter Federführung des Kooperationsprojekts „Migration bewegt die Stadt“ eine sinnvolle arbeitsteilige, ef
fektive Historisierung der
vielen Facetten und Aspekte zur Migrationsgeschichte anzustreben.
Das Münchner Stadtmuseum erachtet die Migration als gesellschaftlich umfassend relevantes Thema. Im Rahmen der Generalsanierung wird der Themenkomplex Migration einen Kernpunkt in der geplanten Neukonzep-tion darstellen, und zugleich in die Angebote und Maßnahmen der Museumsvermittlung integriert werden.
Ich bitte Sie, von den vorstehenden Ausführungen Kenntnis zu nehmen und hoffe, dass Ihr Antrag zufriedenstellend beantwortet ist und als erledigt gelten darf.