Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml und Münchens Gesundheitsreferentin Stephanie Jacobs haben gestern im Rahmen eines Pressesgesprächs gemeinsam für das Pilotprojekt „Gesundheits- und Entwicklungsscreening im Kindergartenalter“ (GESiK) geworben. Dessen Ziel ist es, die bisherige Schuleingangsuntersuchung um ein Jahr vorzuziehen und deutlich zu erweitern. Kinder mit Lern- und Entwicklungsdefiziten können so früher als bisher gefördert werden.
Das Pilotprojekt GESiK war im November 2015 gestartet. Teilnehmer sind die Gesundheitsämter der Landkreise Coburg, Dachau, Main-Spessart und Passau sowie der Stadt Augsburg. Auch Münchner Stadtbezirke sind dabei. Es handelt sich um Schwabing – Freimann, Trudering – Riem und Thalkirchen – Obersendling – Forstenried – Fürstenried – Solln. Gesundheitsreferentin Jacobs: „Wir in München wollen jedem Kind frühzeitig und nachhaltig die Hilfe zukommen lassen, die es braucht. Dies muss der Anspruch einer so leistungsstarken Stadt wie der unseren sein. Es ist wichtig, dass Lern- und Entwicklungsdefizite bei Kindern früher erkannt werden. Dies erlaubt mehr Zeit für eine bessere und nachhaltige Förderung. GESiK bietet auch eine Chance für Kinder, die den Kindergarten nicht besuchen, keine regelmäßige Kinderarztanbin dung haben und häufig auch die Früherkennungsuntersuchungen nicht vorweisen können. Eine besondere Gruppe umfasst die Familien, die erst vor Kurzem nach Deutschland zugezogen sind und deren Kinder neben oft fehlender kinderärztlicher Anbindung häufig noch große Sprachdefizite im Deutschen aufweisen. Das GESiK-Pilotprojekt dient demzufolge auch dazu, eventuellen Bedarf festzustellen und zu dokumentieren, zum Beispiel den Bedarf an Angeboten für den Vorkurs Deutsch bereits ab dem vorletzten Kindergartenjahr.“ Derzeit sind in Bayern alle Kinder verpflichtet, im Jahr vor der 1. Klasse an der Schuleingangsuntersuchung teilzunehmen. Im Mittelpunkt steht dabei die Beurteilung der Schulfähigkeit. Ministerin Huml erläuterte: „Die Schuleingangsuntersuchung sollte erheblich mehr leisten. Wenn wir sie um ein Jahr nach vorne ziehen, gewinnen wir Zeit zur Therapie und Förderung von Kindern mit Entwicklungsverzögerungen. Fehlentwicklungen können wir damit viel besser gegensteuern. Seit dem Start im November 2015 wurden in den teilnehmenden sechs Kommunen und Landkreisen zirka 5.000 Familien angeschrieben, 1.570 Kinder wurden bereits zwei Jahre vor Schulbeginn untersucht bzw. werden demnächst untersucht. Das ist eine tolle Resonanz für den noch recht kurzen Zeitraum.“
Referentin Jacobs ergänzte: „Die erste Zwischenbilanz in München ist positiv. Es zeichnet sich ein großes Interesse bei den ausgewählten Münchner Familien ab. Viele Eltern sind von der ausführlichen und umfassenden Testung beeindruckt. Sie sind in der Regel sehr froh darüber, dass ein möglicher Förderbedarf früh erkannt wird und noch Zeit bleibt, die empfohlenen Maßnahmen umzusetzen.“
Erster Teil von GESiK ist für alle teilnehmenden Kinder eine „Screening-Untersuchung“ durch die Sozialmedizinische Assistentin. Diese erfragt die gesundheitliche Vorgeschichte und die Entwicklung des Kindes, prüft das Impfbuch und berät die Eltern zu altersgerechten Schutzimpfungen. Außerdem sieht sie das Kindervorsorgeheft mit den U-Untersuchungen durch, misst Gewicht und Körpergröße und testet Hör- und Sehfähigkeit. Die sprachliche Entwicklung wird mittels eines standardisierten Tests untersucht. Fähigkeiten, auf denen das Erlernen des Schreibens, Lesens und Rechnens aufbauen, werden ebenfalls mit kindgerechten, spielerischen Tests geprüft.
Zweiter Teil im regulären GESiK ist eine schulärztliche Untersuchung durch einen Arzt des Gesundheitsamtes bei allen auffälligen Befunden im Screening sowie bei Kindern, bei denen die letztfällige U-Untersuchung fehlt – und bei allen anderen Kindern, bei denen die Eltern es wünschen. Dritter Teil ist wiederum eine schulärztliche Untersuchung, diesmal im Jahr vor Schulbeginn. Sie kann erfolgen bei Kindern mit auffälligen Befunden in der ärztlichen Untersuchung – oder wenn sich Hinweise auf eventuell sinnvolle weitere Fördermöglichkeiten ergeben.
Im März 2018 soll das Bayerische Kabinett auf Grundlage der Ergebnisse des Pilotprojekts entscheiden, ob die reformierte Schuleingangsuntersuchung in ganz Bayern eingeführt wird.
Weitere Infos sind unter http://www.lgl.bayern.de/gesundheit/praevention/kindergesundheit/gesik/index.htm und www.muenchen.de/rathaus/ Stadtverwaltung/Referat-fuer-Gesundheit-und-Umwelt/Presse_und_ Veranstaltungen/Gesik.html abrufbar.