Oberbürgermeister Dieter Reiter gratuliert Reinhard Kardinal Marx zum 200-jährigen Jubiläum des Erzbistums München: „Ich möchte es mir nicht nehmen lassen, Ihnen und allen Katholikinnen und Katholiken im Erzbistum München und Freising auf diesem Weg zu einem ganz besonderen Jubiläum meine allerherzlichsten Glückwünsche auszusprechen. Am 23. September 2021 ist es genau 200 Jahre her, dass mit der Verkündigung der Organisations- und Zirkumskriptionsbulle durch Nuntius Francesco di Serra-Cassano die Neuerrichtung der bayerischen Bistümer abgeschlossen wurde. Das Erzbistum München und Freising feiert an diesem Tag also seinen 200. Geburtstag.
Die Geschichte Münchens ist ohne die enge Verbindung mit dem historischen Bistum Freising nicht denkbar. Es war die Errichtung einer Zollbrücke und eines Marktes zu Föhring durch Bischof Otto von Freising, die Herzog Heinrich den Löwen zur Gründung des Marktes Munichen veranlasste. Der Brückenzoll der Münchner Isarbrücke verblieb nach dieser Auseinandersetzung im Eigentum des Freisinger Bischofs. Die Stadt zahlte ihm dafür die jährliche Pacht bis 1803.
Die bayerischen Landesherren bemühten sich seit dem 16. Jahrhundert immer wieder, München in Konkurrenz zu Freising zum Bischofssitz zu ma- chen. Kurfürst Karl Theodor gelang 1789 zumindest die Errichtung eines bis 1805 bestehenden Münchner Hofbistums.
Mit der Schaffung des Erzbistums wurden 1821 die kirchlichen Rivalitäten zwischen München und Freising versöhnt. München wurde zum gemeinschaftlichen Erzbischofssitz und die Liebfrauenkirche wurde zur Kathedrale, die das Stadtzentrum bis auf den heutigen Tag als weithin sichtbares Wahrzeichen überragt.
Die Erzbischöfe von München und Freising haben bis auf den heutigen Tag das Leben in München wesentlich mitgeprägt. Ich erwähne hier nur den ersten Amtsinhaber Lothar Anselm Freiherr von Gebsattel, der sich sehr für die Wiederbelebung katholischen Lebens nach der Säkularisation eingesetzt hat, oder Franziskus Kardinal von Bettinger, der mit der Schaffung der Katholischen Gesamtkirchengemeinde und der Initiierung zahlreicher Kirchenbauten die Pfarrorganisation Münchens auf eine neue Grundlage stellte. Der politisch umstrittene Michael Kardinal von Faulhaber bot nach dem Ende des Nationalsozialismus der katholischen Bevölkerung eine moralische Stütze in der ersten Nachkriegszeit. Julius Kardinal Döpfner setzte sich energisch für gute Beziehungen zur Evangelischen Kirche und zum Judentum ein. Sie selbst haben durch Ihre Stiftung ‚Spes et Salus‘ ein wichtiges Zeichen für das Engagement der Kirche bei der Prävention und der Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs gesetzt.
Aus einem jahrhundertelangen Nebeneinander von Bistum und Stadt, das nicht frei war von Spannungen, ist damit in den letzten 200 Jahren ein Miteinander geworden, dessen Fortsetzung zum Wohle einer modernen Stadtgesellschaft ich uns allen wünsche.“