Energiesicherheit für München – optimierte Münchner Erdgasstrategie
Antrag Stadtrat Professor Dr. Hans Theiss (Stadtratsfraktion der CSU mit FREIE WÄHLER) vom 24.6.2022
Antwort Clemens Baumgärtner, Referent für Arbeit und Wirtschaft:
In Ihrem o.g. Antrag fordern Sie, dass die Landeshauptstadt München die Münchner Erdgasstrategie optimiert und folgende Handlungsmöglichkeiten für die Stadtwerke München GmbH prüft:
- Eigene Einspeicherung von Erdgas in Speicher, die mit dem Münchner Erdgasnetz verbunden sind
- Erwerb von bestehenden Speichern für die eigene Einspeicherung von Erdgas
- Anschluss von weiteren Speichern an das Münchner Erdgasnetz, die eigenhändig befüllt werden könnten
- Bau von neuen Erdgasspeichern
- Betrieb der Heizwerke mit alternativen Brennstoffen (auch Kohle), um den Erdgasverbrauch zu reduzieren
Nach § 60 Abs. 9 GeschO dürfen sich Anträge ehrenamtlicher Stadtratsmitglieder nur auf Gegenstände beziehen, für deren Erledigung der Stadtrat zuständig ist. Der Bau von neuen Erdgasspeichern fällt jedoch in den operativen Bereich der Stadtwerke München. Eine beschlussmäßige Behandlung der Angelegenheit im Stadtrat ist daher rechtlich nicht möglich. Daher wird der Antrag im Folgenden als Brief beantwortet.
Wir haben die Stadtwerke München um Stellungnahme gebeten, die uns Folgendes mitgeteilt hat:
„An das Münchner Erdgasnetz ist derzeit nur der Erdgasspeicher Schmidhausen angeschlossen. Der Speicher Schmidhausen liegt ca. 10 km nordwestlich von Rosenheim und verfügt über ein Arbeitsgasvolumen von ca. 2 TWh. Der Speicher ist im Eigentum der Storengy, die auch die Speicherkapazitäten vermarktet. Netzbetreiber ist hier die SWM Infrastruktur GmbH & Co. KG.
Die Bayerngas-Gruppe (Anteil der SWM 56,3%) ist am Erdgasspeicher Wolfersberg beteiligt. Der Speicher befindet sich ca. 22 km südöstlich von München. Er verfügt über ein Arbeitsgasvolumen von ca. 4 TWh. Die Bayerngas-Tochter bayernugs erfüllt die Rolle des Speicherbetreibers (Storage System Operator) und vermarktet die Speicherkapazitäten. Übergabepunktist der Netzpunkt des Speichers Wolfersberg an das Fernleitungsnetz der bayernets GmbH.
Die Maßnahmen des Speicherfüllstandsgesetzes laufen noch bis zum 31.3.2025. Im vergangenen Gasjahr wurde der Speicher Wolfersberg im Wesentlichen durch die Trading Hub Europe (THE) als Speichernutzerin befüllt. Aufgrund der hierdurch bedingten, hohen Speicherfüllstände zum Winteranfang, aber auch der raschen Inbetriebnahme der LNG Importterminals in Norddeutschland sowie den signifikanten Verbrauchsreduktionen der Industrie und der Haushalts- und Gewerbekunden, war die Erdgasversorgung im letzten Winter stets gesichert.
Auch zum Ende des Winters (Stand 16.4.2023 DVGW e.V.: https://www.dvgw.de/themen/sicherheit/versorgungssicherheit-gas/fuellstaende-der-gasspeicher-fuer-deutschland-mit-reichweitenprognose#/2023-04-16/by), sind die Speicher in Bayern mit 71,3% weit überdurchschnittlich gefüllt (u.a. Wolfersberg: 80,3%, Schmidhausen 34,5%). Ein akuter Versorgungsengpass lässt sich hieraus im Moment nicht ableiten.“
Zu den von Ihnen einzeln aufgeführten Handlungsmöglichkeiten haben uns die Stadtwerke München des weiteren Folgendes mitgeteilt:
„- Eine eigene Einspeicherung durch die SWM als Speichernutzerin erscheint aufgrund der im Rahmen des Speicherfüllstandsgesetzes vorgeschriebenen Befüllung der Erdgasspeicher auch für den kommenden Winter nicht erforderlich.
- Der Erwerb weiterer Erdgasspeicher, die an das Münchner Netz angeschlossen sind, (hierfür käme nur der von Storengy betriebene Speicher Schmidhausen in Betracht) ist derzeit nicht geplant.
- Der Bau weiterer Erdgasspeicher im Raum München wird derzeit nicht geplant.
- Der Anschluss eines weiteren Erdgasspeichers an das Münchner Netz erscheint nicht sinnvoll. Hierzu käme z.B. der Speicher Wolfersberg in Betracht, der sich in der Nähe des Münchner Gasnetzes befindet. Für eine Umstellung wäre die Zustimmung der BNetzA erforderlich. Wolfersberg würde dann allerdings nicht mehr für druckerhaltende Maßnahmen im bayerischen Leitungssystem der bayernets zur Verfügung stehen.
- Die SWM haben bereits geprüft, ob alternative Brennstoffe in den Heizwerken eingesetzt werden können. Zwei der Heizwerke könnenstatt mit Gas auch mit Heizöl befeuert werden, das bereits auch schon zum Teil beschafft wurde.“
Ich bitte Sie, von den vorstehenden Ausführungen Kenntnis zu nehmen und hoffe, dass Ihr Antrag zufriedenstellend beantwortet ist und als erledigt gelten darf.