Weltstadt mit Herz – Herz für Familien 7: Die Ticketpreise für Freizeitaktivitäten in den Beteiligungsgesellschaften für fünf Jahre einfrieren!
Antrag Stadtrat Manuel Pretzl (Stadtratsfraktion der CSU mit FREIE WÄHLER) vom 18.11.2022
Antwort Sozialreferentin Dorothee Schiwy:
Sie beantragen, dass die Landeshauptstadt München (LHM) gemeinsam mit ihren Beteiligungsgesellschaften prüft, „inwieweit die Ticketpreise für Kinder- und Familientickets auf dem heutigen Niveau für fünf Jahre eingefroren werden können.“
Ihr Einverständnis vorausgesetzt, erlaube ich mir, Ihren Antrag als Brief zu beantworten.
Zu Ihrem Antrag vom 18.11.2022 teile ich Ihnen Folgendes mit:
Die betreffenden Beteiligungsgesellschaften werden von dem Kulturreferat und dem Referat für Arbeit und Wirtschaft der LHM gesteuert, die wie folgt Stellung genommen haben:
Dem Kulturreferat ist es ein großes Anliegen, Kultur weiter zu öffnen und allen Schichten der Gesellschaft zugänglich zu machen. Insbesondere Familien und Kinder mussten durch die Einschränkungen der Pandemiezeit auf vieles verzichten. Durch steigende Lebenshaltungs- und Energiekosten stehen nun in vielen Familien die nächsten Einschränkungen an. Selbstverständlich muss es das Ziel sein, weiterhin ein vielfältiges und qualitativ hochwertiges Kulturangebot für alle anzubieten.
Aus diesem Grund gibt es in den meisten städtischen Kultureinrichtungen Kinder- bzw. Familienpreise, allerdings jeweils individuell ausgestattet. So sind im Deutschen Theater beispielsweise die Kinderpreise immer direkt vom Grundpreis abhängig. Das Münchner Volkstheater bietet mit dem Abo „Jung ganz vorn“ Schüler*innen, Student*innen und Auszubildenden unter 30 Jahren drei Theateraufführungen für den Preis von 15 € an. Zudem zahlen Schüler*innen, Studierende und Auszubildende, Arbeitslose, Bundesfreiwillige und Inhaber*innen des „München-Passes“ gegen Vorlage des jeweiligen Berechtigungsausweises für eine Karte im Vorverkauf 8,50 Euro und an der Abendkasse 6 Euro.
Die städtischen Kulturgesellschaften sind GmbHs und damit zu wirtschaftlichem ergebnisorientiertem Handeln verpflichtet. Alle Kulturgesellschaften erhalten durch die Gesellschafterin LHM einen jährlichen Betriebskostenzuschuss, ohne den ihr Fortbestehen nicht möglich wäre. Die Spielpausenund Spieleinschränkungen der vergangenen Pandemiejahre wirken insbesondere im Kulturbereich noch nach.
Die aktuellen Herausforderungen, wie Energiekostensteigerungen, Inflation und anstehende Tarifsteigerungen bzw. Lohnanpassungen im Bühnenbereich, stellen die Gesellschaften immer wieder aufs Neue auf die Probe. Eine Vielzahl von Produktionen ist zudem von externen Preisvorgaben der Theater- und Musical-Partner*innen abhängig.
Im Spannungsfeld zwischen fairen Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter*innen und Darsteller*innen sowie dem Ziel kostendeckender Produktionen wäre eine Umsetzung des o.g. Antrags im Bereich der Kulturgesellschaften deshalb nur unter dem kompletten Ausgleich des entstehenden Deltas durch den städtischen Haushalt möglich.
Von den durch das Kulturreferat betreuten Beteiligungsgesellschaften ist die Münchner Volkshochschule (MVHS) nicht betroffen, da die MVHS keine wie im Antrag formulierten Kinder- und Familientickets anbietet.
Die Ticketpreise für Freizeitaktivitäten für Kinder und Familien sind auch in den Beteiligungsgesellschaften, die vom Referat für Arbeit und Wirtschaft gesteuert werden, ein wichtiges Thema.
Der Tierpark Hellabrunn (AG) finanziert seine Betriebskosten nahezu vollumfänglich aus seinen Umsatzerlösen und innerhalb dieser zu einem großen Anteil aus den Einnahmen aus dem Ticketverkauf. Der jährliche Betriebskostenzuschuss der LHM ist dementsprechend moderat, allerdings angesichts der wirtschaftlichen und weltpolitischen Lage und der daraus resultierenden Entwicklungen der Kosten leider nicht ausreichend, um ein ausgeglichenes wirtschaftliches Ergebnis zu ermöglichen, sodass der Tierpark aktuell Verluste verzeichnet. Die Eintrittspreise sind gemäß der Satzung volkstümlich und der Tierpark Hellabrunn hat im Vergleich mit anderen zoologischen Institutionen vergleichbarer Qualität und Größe günstige Eintrittspreise. Hinzu kommt, dass der Tierpark günstige Familien-Tageskarten anbietet und die Jahreskarten für Kinder darin kostenfrei inkludiert sind. Das vorgeschlagene Einfrieren der Eintrittspreise für fünf Jahre würde die wirtschaftliche Situation des Tierparks weiter negativ verändern. Jedes Jahr ohne Eintrittspreisanpassung würde sich der Verlust um 1 Mio. Euro erhöhen. Der Betriebskostenzuschuss müsste somit mindestens um 1 Mio. Euro pro Jahr erhöht werden. Dieser zusätzliche Zuschussbedarf (d.h. zusätzlich zum ohnehin bestehenden Zuschussbedarf, der über dem aktuell vereinbarten Zuschuss liegt) würde zudem langfristig bestehen bleiben, da nach Ablauf des fünfjährigen Einfrierens die unterlassenen Preisanpassungen nicht in einem Mal getätigt werden könnten, sondern ein entsprechender Nachlauf dauerhaft bestehen bliebe.Auch die Olympiapark München GmbH bemüht sich grundsätzlich darum, Kinder- und Familientickets zu moderaten Konditionen anzubieten. Zurzeit betrifft dies folgende Freizeit- und Tourismusbereiche:
- Auffahrt Olympiaturm
- Schlittschuhlaufen
- Besichtigung Olympiastadion
- Stadiontouren
- Zeltdachtouren
Aufgrund diverser Sanierungsarbeiten sind viele Aktivitäten in den Jahren 2024, 2025, 2026 und 2027 nicht möglich oder stark eingeschränkt, im Einzelnen sind dies:
Auffahrt Olympiaturm: Schließung Olympiaturm Juni 2024-Juni 2026. Hier ist keine Preiserhöhung bis Juni 2026 mehr vorgesehen. Ab Mitte 2026 ist für alle Kategorien eine Preiserhöhung vorgesehen, um entstandene Sanierungskosten teilweise zu kompensieren. Bei einer Einfrierung der Ticketpreise bis 2028 für Jugendliche, Familien etc. würde die OMG von 2026 – 2028 jährlich auf ca. 250.000 Euro Einnahmen verzichten müssen, die bereits heute kalkuliert sind.
Schlittschuhlaufen: Dauerhafte Schließung des Olympia-Eissportzentrums ab Juni 2024. Bis dahin ist keine Preiserhöhung vorgesehen. Wie sich die Preisgestaltung im neuen Eis-Cluster des SAP Gardens gestaltet, ist noch nicht klar. Die entsprechende Preisgestaltung obliegt der Red Bull GmbH. Besichtigung Olympiastadion, Stadiontouren, Zeltdachtouren: Stadionsanierung im laufenden Betrieb von Oktober 2023-Oktober 2025 (in diesem Zeitraum sind keine Preiserhöhungen vorgesehen). Komplettschließung von Oktober 2025 – Mai 2027 (keine Touren möglich). Eine Preiserhöhung ist ab Juni 2027 vorgesehen, um entstandene Sanierungskosten teilweise zu kompensieren. Bei einer Einfrierung der Ticketpreise würde die OMG jährlich auf weitere ca. 40.000 Euro verzichten müssen.
Die Stadtwerke München GmbH bzw. SWM-Bäder haben den Anspruch, allen Münchner Bürgern und insbesondere den Familien einen Ort zur Entspannung, zur sportlichen Betätigung und zum Schwimmen lernen zu bieten. Dabei ist es wichtig, dass sich jeder den Eintritt in die Münchner Bäder leisten kann. Die Preisgestaltung sieht deshalb u.a. auch für Familien und Kinder vergünstigte Tarife vor. Die letzte Preiserhöhung der Münchner Bäder hat der Aufsichtsrat am 17. Dezember 2021 mit Wirkung zum 1. Januar 2022 beschlossen. Hierbei wurde auch die Tarifstruktur an die Zielgruppen angepasst. Die ermäßigten Preisgruppen wurden bewusst weniger stark erhöht als die Normaltarife, was sich bisher auch bewährt hat. Darüber hinaus wurde bei der Preiserhöhung zum 1. Januar 2022 das Angebot für Familien erweitert und vergünstigte Familienkarten wurdenentsprechend in allen M-Bädern eingeführt. Ebenso können Kinder unter 6 Jahren kostenlos alle Bäder benutzen. In den Freibädern ist der Eintritt sogar bis zum 12. Geburtstag frei (über die Fortführung dieser Regelung wird der Stadtrat demnächst erneut entscheiden). Konsequent wird auch daran gearbeitet das Angebot den Wünschen der Besucher anzupassen. So wurde u.a. ein neuer Tarif „Kurzschwimmer“ eingeführt, welcher von den Kunden der M-Hallenbäder sehr gut angenommen wird. Dieser kundenorientierte Weg wird auch im Jahr 2023 konsequent mit Neuerungen im Service für unsere Gäste fortgeführt.
Seit Anfang des Jahres 2022 hat der russische Angriffskrieg auf die Ukraine die Situation auf dem Energiemarkt zugespitzt. Im Verlauf des letzten Jahres haben sich dadurch die Energie- und Materialpreise drastisch verteuert. Die Energiepreise haben sich im Durchschnitt verdoppelt und die für den Bäderbetrieb relevanten Materialpreise sind auch weiter gestiegen. Auch im Jahr 2023 und den Folgejahren ist von weiteren Kostenerhöhungen auszugehen, v.a. im Hinblick auf höhere Energiepreise und aufgrund anhaltender Materialknappheit. Dies wird sich sowohl im laufenden Betriebsaufwand als auch in höheren Investitionen bei Badsanierungen zeigen. Nach aktuellen Prognosen führt allein die Energiekostensteigerung im Jahr 2023 zu Mehrkosten von 11,6 Mio. Euro gegenüber 2022.
Getrieben durch die hohe Inflation wird der anstehende Tarifabschluss zudem einen deutlichen, zusätzlichen Anstieg der Personalkosten verursachen. So führt bereits das erste Angebot der Arbeitgeber in den Tarifverhandlungen zum TVöD für die Bäder zu Personalaufwandssteigerung von mehr als 10 Prozent in den kommenden beiden Jahren.
Neben den coronabedingten Betriebseinschränkungen der letzten beiden Jahre führen diese Entwicklungen für die Stadtwerke München zu einem weiteren Anstieg des defizitären Bäderbetriebs. Bereits heute tragen die SWM einen Großteil der Kosten selbst und geben diese nicht an ihre Kunden weiter. So zahlt ein Kunde aktuell im Durchschnitt ca. 4,50 Euro für den Eintritt in die SWM-Schwimmbäder. Um kostendeckend die Bäder zu betreiben, müssten die SWM durchschnittlich ca. 14 Euro pro Kunde für den Schwimmbadbesuch ansetzen.
Vor diesem Hintergrund bitten die SWM um Verständnis, dass sie keine Zusage machen können, die aktuellen Preise für fünf Jahre einzufrieren. Gleichwohl werden sie auch in Zukunft ein besonderes Augenmerk auf die ermäßigten Preisgruppen legen.
Insgesamt formulieren die Beteiligungsgesellschaften, dass das beantragte Einfrieren der Ticketpreise für fünf Jahre aus wirtschaftlichen Gründen nicht möglich ist. Jedoch wird in allen Bereichen bei der Preisgestal-tung besonderes Augenmerk auf die Bedürfnisse von Familien und Kindern gelegt.
Ich gehe davon aus, dass die Angelegenheit damit abgeschlossen ist.