Das Angebot an vollstationären Pflegeplätzen in der Landeshauptstadt lag am Stichtag 15.12.2022 bei 7.903 Plätzen, das entspricht nahezu dem Wert der Vorjahre mit rund 8.000 Plätzen. 97,5 Prozent der Plätze waren zum Stichtag ausgelastet. Das geht aus dem 13. Marktbericht Pflege hervor, den das Sozialreferat heute dem Sozialausschuss des Stadtrats vorgelegt hat. Grundlage des Berichts ist eine Datenerhebung bei allen 84 Münchner voll- und teilstationären Pflegeeinrichtungen sowie der Kurzzeitpflege.
Weiter gewachsen ist das Angebot bei den Tagespflegeplätzen. Insgesamt konnten 467 solitäre Tagespflegeplätze festgestellt werden und damit gut acht Prozent mehr als im Vorjahr. Wie in vielen anderen Kommunen lag der Angebotsschwerpunkt im Bereich der Kurzzeitpflege in der Landeshauptstadt weiterhin bei den „eingestreuten“ Kurzzeitpflegeplätzen, 55 der 57 vollstationären Pflegeeinrichtungen stellten solche nicht im Voraus fest buchbare Kurzzeitpflegeplätze zur Verfügung. Am Stichtag wurden zudem 86 feste, im Voraus buchbare Kurzzeitpflegeplätze ermittelt (19 sog. „solitäre“ und 67 sog. „fix plus x“-Kurzzeitpflegeplätze). Das entspricht in etwa dem Vorjahreswert (2020: 85 feste Kurzzeitpflegeplätze).
Die von den Bewohner*innen selbst zu tragenden Gesamtkosten (Eigenanteile) in den vollstationären Pflegeeinrichtungen stiegen im Vergleich zum Vorjahr weiter an. Der Eigenanteil im Einzelzimmer betrug im Dezember 2022 im Median 3.154,84 Euro pro Monat im ersten Jahr des Aufenthalts der Bewohner*innen in der vollstationären Pflegeeinrichtung. Im Dezember 2022 lag der Anteil der Betroffenen, die zur Finanzierung eines Platzes in einer vollstationären Pflegeeinrichtung auf Sozialhilfe angewiesen waren, bei 33,8 Prozent.
Bürgermeisterin Verena Dietl: „Die finanzielle Belastung der Pflegebedürftigen durch die Eigenanteile wird voraussichtlich weiter steigen. Das liegt unter anderem an höheren Energiekosten oder an der zum 1. September 2022 in Kraft getretenen Tarifneuregelung nach dem Gesetz zur Weiterentwicklung zur Gesundheitsversorgung (GVWG), die nur teilweise aus Mitteln der Pflegekasse, aber vor allem über höhere Eigenanteile der Pflegebedürftigen finanziert werden. Immer mehr Bewohner*innen in den vollstationären Pflegeeinrichtungen werden deswegen auf Sozialhilfe angewiesen sein, Pflege wird so immer mehr zum Armutsrisiko. Auch das Pflegeunterstützungs- und -entlastungsgesetz (PUEG) wird zum Januar 2024 nicht zu einer durchgreifenden Reduzierung der Eigenanteile für alle Bewohner*innen in vollstationären Pflegeeinrichtungen führen. Wir brauchen dringend eine deutlichere Begrenzung der Eigenanteile in der Pflege und mittelfristig einen Wechsel zu einer Pflegevollversicherung mit gedeckelter Eigenbeteiligung. Eine für Pflegebedürftige bezahlbare, für Träger finanziell auskömmliche sowie eine grundsätzlich ausreichende pflegerische Infrastruktur kann so weiterhin nicht sichergestellt werden. Ich mahne nach wie vor eine umfassende und nachhaltige Pflegereform an.“
Am Stichtag 15.12.2022 boten insgesamt 51 der 57 Münchner vollstationären Pflegeeinrichtungen 827 Ausbildungsplätze in verschiedenen Ausbildungsberufen der Pflege an (u. a. Generalistik, Pflegefachhilfe), davon waren 72,2 Prozent besetzt (597 besetzte Ausbildungsplätze). Die Anzahl der Ausbildungsplätze in der vollstationären Pflege konnte im Vergleich zum Vorjahr um 6,3 Prozent (2021: 778 Ausbildungsplätze für beruflich Pflegende in Münchner vollstationären Pflegeeinrichtungen) gesteigert werden.
Damit sich der Fach- und Hilfskräftemangel in der Langzeitpflege nicht noch weiter zuspitzt, ergreifen die Träger der Pflegeeinrichtungen ganz unterschiedliche Maßnahmen und werden dabei durch das Sozialreferat durch verschiedene Programme und Foren (z. B. Förderung von Supervision und Qualifizierungsmaßnahmen, Austauschforen Praxisanleitung) unterstützt. Der Ausbau der Kapazitäten im Bereich der Ausbildung ist dabei vorrangig. Hier arbeitet das Sozialreferat auch mit dem Gesundheitsreferat eng zusammen.
Die Datenerhebung zum 13. Marktbericht Pflege hat sich in diesem Jahr auch dem Thema Digitalisierung gewidmet. Demnach arbeiten nahezu alle (96,5 Prozent) vollstationären Pflegeeinrichtungen mit digitalen Pflegedokumentationen. Auch bei der Kommunikation oder bei Aktivitäten mit Bewohner*innen sind digitale Angebote wie Übersetzungs-Apps, Spiele-Konsolen oder virtuelle Brillen in vielen Einrichtungen inzwischen Standard.