Mit dem diesjährigen Geschwister-Scholl-Preis wird der belgische Schriftsteller und Historiker David Van Reybrouck für sein Buch „Revolusi. Indonesien und die Entstehung der modernen Welt“ ausgezeichnet. Der mit 10.000 Euro dotierte Geschwister-Scholl-Preis wird jährlich für ein Buch vergeben, das „von geistiger Unabhängigkeit zeugt und geeignet ist, bürgerliche Freiheit, moralischen und intellektuellen Mut zu fördern und dem verantwortlichen Gegenwartsbewusstsein wichtige Impulse zu geben.“ Der Preis wird gemeinsam vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels – Landesverband Bayern und der Landeshauptstadt München vergeben. Die Verleihung mit Ansprachen von Oberbürgermeister Dieter Reiter und dem Vorsitzenden des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels – Landesverband Bayern, Klaus Füreder, findet am Dienstag, 28. November, mit geladenen Gästen statt.
Bei einer öffentlichen Lesung am Mittwoch, 29. November, 19.30 Uhr, in der Buchhandlung Lehmkuhl, Leopoldstraße 45, wird David Van Reybrouck aus dem ausgezeichneten Buch lesen und gibt im anschließenden Gespräch mit Niels Beintker (BR) über sich und das eigene Werk Auskunft. Der Eintritt beträgt 10 Euro; Kartenreservierungen sind per E-Mail an service@lehmkuhl.net möglich. Informationen auch unter http://www.literaturfest-muenchen.de.
Die Jury begründete ihre Entscheidung wie folgt (Auszug):
„In seinem Buch ‚Revolusi. Indonesien und die Entstehung der modernen Welt‘ bringt uns David Van Reybrouck die Befreiung Indonesiens aus der Kolonialherrschaft als packende Globalgeschichte von überraschender Aktualität nahe. Der leidvolle Weg des Landes in die Unabhängigkeit erweist sich als Schlüssel zum Verständnis von Erfahrungen, Hoffnungen und politischen Visionen in den Ländern des globalen Südens, die ihre Wirkmacht in den geopolitischen Entwicklungen der Gegenwart neu entfalten. David van Reybrouck ist ein mitreißender Erzähler und akribischer Rechercheur. Mit ‚Revolusi‘ führt er seine Methode der Oral History fort, die schon sein 2012 auf Deutsch erschienenes Buch ‚Kongo. Eine Geschichte‘ prägte. Die Jury des Geschwister Scholl-Preises würdigt mit der Auszeichnung die aufklärerische Kraft und intellektuelle Unabhängigkeit, mit der David Van Reybrouck – ohne institutionelle Einbindung und öffentliche Förderung – lange verdrängte Kapitel der Kolonialgeschichte in das Bewusstsein der europäischen Öffentlichkeit rückt.“
Zu den Preisträger*innen des Geschwister-Scholl-Preises zählten in den letzten Jahren unter anderem Andrej Kurkow, Joe Sacco, Dina Nayeri, Ahmet Altan, Hisham Matar, Garance Le Caisne, Achille Mbembe, Glenn Greenwald, Otto Dov Kulka, Liao Yiwu, Joachim Gauck, Roberto Saviano, David Grossman und Anna Politkovskaja.
Weitere Informationen zum Geschwister-Scholl-Preis und die ausführliche Jurybegründung unter www.geschwister-scholl-preis.de. (Siehe auch unter Terminhinweise)