Versiegelungsgrad
Anfrage Stadtrat Alexander Reissl (Stadtratsfraktion der CSU mit FREIE WÄHLER) vom 23.12.2022
Antwort Christine Kugler, Referentin für Klima- und Umweltschutz:
Ihrer Anfrage liegt folgender Sachverhalt zu Grunde:
„Die Versiegelung des Stadtgebietes wird immer wieder thematisiert. Leider ist oft die Definition der thematisierten Werte unklar.“
Herr Oberbürgermeister Reiter hat mir Ihre Anfrage zur Beantwortung zugeleitet. Die darin aufgeworfenen Fragen beantworte ich unter Berücksichtigung der Stellungnahmen des Referats für Stadtplanung und Bauordnung wie folgt:
Frage 1:
Von welchem Versiegelungsgrad des Münchner Stadtgebietes geht die Verwaltung aus?
Antwort:
In der aktuellsten Erhebung des Referats für Klima- und Umweltschutz auf Basis der Luftbilder von 2019 wurde ein Versiegelungsgrad von 44% ermittelt. Siehe Bekanntgabe „Fortschreibung der Münchner Versiegelungskartierung, Vollzug des Beschlusses des Umweltschutzausschusses vom 18.9.2007“, Sitzungsvorlage Nr. 20-26/V 03843).
Frage 2:
Wie ist dieser „Versiegelungsgrad“ definiert?
Antwort:
In den Versiegelungskartierungen des Referats für Klima- und Umweltschutz ist der Gesamtversiegelungsgrad als der Anteil der versiegelten Fläche an der Stadtfläche definiert.
Er wird anhand der kartierten Versiegelungsdaten der Baublöcke in Kombination mit Daten des Statistischen Amtes ermittelt. Dies sind die Verkehrsflächen (Straßen, Wege, Plätze und Schienenverkehr) sowie die Stadtfläche.
Die für die Versiegelungskartierungen verwendete Definition der Versiegelung berücksichtigt sowohl hydrologische als auch klimatologische und biologische Wirkungen. Versiegelung bezeichnet hier die Beseitigung oderIsolierung des belebten Bodens von den lebensbestimmenden bodenbildenden Faktoren Wasser, Luft und Energie. Dies geschieht durch:
-Über- oder Unterbauen des Bodens mit Gebäuden oder sonstigen baulichen Anlagen
-Abdecken des Bodens mit ganz oder teilweise luft- und wasserundurchlässigen Materialien
-Verdichten des Bodens z. B. durch Befahren oder Abstellen schwerer Lasten
Die Kartierung der Versiegelungsklassen der Baublöcke erfolgt in 10%-Stufen (Versiegelungsklassen von I bis X). Zur Ermittlung werden verschiedene Methoden angewendet, es wurde aber in allen Fällen der automatisiert berechnete Gebäudeflächenanteil berücksichtigt. Die Methodik der Kartierung ist der Anlage 1 der Bekanntgabe „Fortschreibung der Münchner Versiegelungskartierung, Vollzug des Beschlusses des Umweltschutzausschusses vom 18.9.2007“, Sitzungsvorlage Nr. 20-26/V 03843) beschrieben.
Frage 3:
Ist es tatsächlich die faktische Versiegelung?
Antwort:
Mit der bisher angewandten Methodik ist die derzeit größtmögliche Annäherung an die faktische Versiegelung gewährleistet, die mit vertretbarem Aufwand erreicht werden kann.
Frage 4:
Oder lautet die Definition Besiedelung und werden somit Grundstücke mit Bebauung in ihrer ganzen Fläche der Versiegelung zugerechnet?
Antwort:
In der Versiegelungskartierung werden teilweise bebaute Grundstücke nicht in ihrer ganzen Fläche als versiegelt gewertet, und es existiert kein Kriterium „Besiedelung“.
Es erfolgt vielmehr eine Abschätzung des Versiegelungsanteils jedes Baublocks in 10%-Stufen auf Basis des Luftbildes sowie weiterer Daten, z. B. der Gebäudegrundflächen. Zur Methodik siehe auch Antwort zu Frage 2.
Frage 5:
Wenn 4 zutrifft, welcher Versiegelungsgrad ergibt sich für München, wenn nur die wirklich versiegelten, also bebauten oder unterbauten Flächen berücksichtigt werden?
Antwort:
In der Versiegelungskartierung werden nur die teilversiegelten und versiegelten, also bebauten, überbauten oder unterbauten Flächen berücksichtigt, siehe auch Antwort zu Frage 4.
Frage 6:
Wäre es nicht sinnvoller, die tatsächliche Versiegelung (gem. Punkt 5) pro Kopf als Kenngröße und Vergleich zu anderen Städten heranzuziehen und nicht die aufgrund des geringen Stadtgebietes von München irreführende Zahl der versiegelten Flächen in Relation zum Stadtgebiet?
Antwort:
Die Versiegelungskartierung des Referats für Klima- und Umweltschutz stellt die Versiegelung pro Baublock unabhängig von der Bevölkerungszahl dar (Versiegelungsgrad).
Sie ist nicht für einen Städtevergleich vorgesehen, sondern wird für die fachliche Beurteilung hinsichtlich verschiedener Sachlagen herangezogen, beispielsweise für Fragestellungen im Zusammenhang mit Klimafunktionen.
Bei Bedarf kann der Versiegelungsgrad in Bezug zur Bevölkerungszahl gesetzt werden.
Das Referat für Stadtplanung und Bauordnung teilte uns zu dieser Frage Folgendes mit:
„Insbesondere beim Vergleich des Versiegelungsgrades einer Stadt mit anderen Städten ist es sinnvoll, den jeweiligen Versiegelungsgrad in Bezug zur Stadtfläche und Anzahl der Bewohner*innen zu setzen. Dies wurde in der Beantwortung der Stadtratsanfrage ‚Die Flächenversiegelung in München richtig darstellen und differenziert in eine Stadt-Umland-Beziehung setzen‘ von Herrn Stadtrat Hans Hammer (CSU-Fraktion) vom 17.11.2021, veröffentlicht in der Rathaus Umschau am 29.4.2022, bereits dargestellt.
Ein solcher Vergleich der 50 größten Städte Deutschlands wurde vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. auf Basis der Daten des ‚Copernicus Urban Atlas 2012‘ erstellt (veröffentlicht am 24.10.2018).
Aus diesem Vergleich geht hervor, dass München bezogen auf die Gemeindefläche die höchste Einwohner*innendichte großer Städte in Deutschland aufweist (Stand 2018: München ca. 4.700 Bewohnende je km² gefolgt von Berlin ca. 4.100 Bewohnende je km² und Frankfurt ca. 3.000 Bewohnende je km²).Der Grund hierfür ist vor allem die vergleichsweise kleine Bezugsfläche (Stadtfläche) und nicht eine vergleichsweise dichtere Bauform. Im Ergebnis wird deutlich, dass der Pro-Kopf-Versiegelungsgrad mit unter 100 m² in München vergleichsweise sehr gering ist.
Relativ gesehen ist die Flächenversiegelung in München pro Einwohner*in im nationalen (Groß-)Städtevergleich also eher gering. Dieser Wert stellt eine bessere Vergleichbarkeit bezüglich der Versiegelungseffizienz dar als der absolute Versiegelungsgrad im Umgriff der Stadtgrenzen, die je nach Stadt sehr unterschiedlich sein können und z. B. große Wald- und Wasserflächen einschließen können. Die Sinnhaftigkeit der jeweiligen Indikatoren ist von der jeweilig zu beantwortenden Fragestellung abhängig und eine Vergleichbarkeit mit anderen Städten ist aufgrund der sich unterscheidenden Rahmenbedingungen ohne differenzierende Betrachtung meist nicht zielführend. Insgesamt kann festgestellt werden, dass sich aufgrund der vielfältigen Faktoren, die Einfluss auf die entsprechenden Untersuchungen und Erhebungen haben, aus diesen Vergleichen keine unmittelbaren Handlungsempfehlungen ableiten lassen.
Trotzdem ist es notwendig, den Grad der versiegelten Fläche auf das Stadtgebiet bezogen zu ermitteln, wie es das RKU in der Flächenbilanz im Vierjahresrhythmus erhebt und aktualisiert. Diese Zahl ist eine wichtige Grundlage (zuletzt veröffentlicht in der Bekanntgabe ‚Fortschreibung der Münchner Versiegelungskartierung, Vollzug des Beschlusses des Umweltschutzausschusses vom 18.9.2007‘, Sitzungsvorlage Nr. 20-26/V 03843). Ohne diese Erhebung können keinerlei weiterführende Einschätzungen zur Situation der Versiegelung und Dichte in München getroffen werden.“