Zum Gedenken an die Familie Hecht, die Opfer des Nationalsozialismus wurde, werden am Montag, 29. Juli, Erinnerungszeichen Am Harras 12 gesetzt. Es sprechen Stadträtin Marion Lüttig (Fraktion Die Grünen – Rosa Liste) in Vertretung des Oberbürgermeisters, Markus Lutz, Vorsitzender des Bezirksausschusses 6 (Sendling), und Gabriele Schneider, Beth Shalom – Liberale Jüdische Gemeinde München. Simon Müller von der Kurt Landauer Stiftung verliest die Biografien der Familie. Im Anschluss gegen 18.30 Uhr werden die Erinnerungszeichen zum Gedenken an die Familie angebracht. Der FC Bayern München unterstützt die Gedenkveranstaltung für die Familie eines ehemaligen Vereinsmitglieds im Rahmen seiner Initiative „Rot gegen Rassismus“.
Der Kaufmann Norbert Nathan Hecht (*1869) und seine Ehefrau Meta Cäcilie Hecht (*1890) betrieben seit 1915 ein Gewerbe Am Harras 12 und lebten dort seit 1927 mit ihren beiden Kindern Ruth Senta (*1912) und Werner Sigismund (*1915). Werner war ein leidenschaftlicher Fußballspieler und trat mit elf Jahren der Jugendabteilung des FC Bayern München bei. Bis 1934 spielte er in verschiedenen Mannschaften, bis alle Sportvereine ihre jüdischen Mitglieder ausschlossen.
Werner Hecht arbeitete als Vertreter. Anfang 1938 heiratete er im Alter von 22 Jahren die gleichaltrige Ilse Ehrenfreund und emigrierte mit ihr nach Amsterdam. Dort kam im August ihr Sohn Peter zur Welt. Im April 1939 folgten ihnen Norbert und Meta Hecht. Werner Hecht konnte beim HEDW Amsterdam wieder Fußball spielen.
Nach der Besetzung der Niederlande im Mai 1940 wurden alle Familienmitglieder im Sammel- und Durchgangslager Westerbork interniert. Von dort wurde die junge Familie am 15. Juli 1942 in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert und von der SS ermordet. Norbert und Meta Hecht wurden 1943 ebenfalls von Amsterdam nach Auschwitz deportiert und ermordet. Werners Schwester Ruth gelang die Emigration nach New York.
Über die Erinnerungszeichen
Erinnerungszeichen werden seit 2018 an Orten angebracht, an denen Menschen lebten, die von den Nationalsozialisten verfolgt und ermordet wurden. Die Erinnerungszeichen bestehen aus gebürstetem Edelstahl und sind vergoldet. Es gibt sie als Wandtafeln an der Fassade und als Stelen auf öffentlichem Grund. Sie enthalten die wichtigsten Lebensdaten, Angaben zum Schicksal und – falls vorhanden – ein Bild.
Weitere Informationen unter www.erinnerungszeichen.de und www.map.erinnerungszeichen.de.