„Mysterien eines Frisiersalons“ ist ein Meisterwerk der deutschen Filmgeschichte von und mit Karl Valentin. Noch bis 9. Oktober ist zu diesem Film eine Ausstellung im Innenhof des Isartors zu sehen. Als Welturaufführung zeigt das Valentin-Karlstadt-Musäum den Mysterien-Film mit neuer Musik. Konstantin Wecker und Florian Moser haben diese extra für den Stummfilm komponiert. Der Filmabend findet zusammen mit Konstantin Wecker am Dienstag, 24. September, um 19.30 Uhr im Innenhof des Isartors statt.
Im Februar 1923 bot sich für Bert Brecht, Erich Engel und Karl Valentin die Möglichkeit, einen Film zu drehen. Karl Valentin organisierte eine Lagerhalle in Schwabing, die er selbst bereits als Filmstudio genutzt hatte. Bert Brecht entwarf das Drehbuch, Brecht und Erich Engel führten Regie, Valentin mischte sich ein. Die Filmaufnahmen dauerten weniger als eine Woche und entstanden ist, trotz oder vielleicht wegen aller improvisierter Umstände, eine surrealistische, expressionistische Horror-Slapstick-Komödie, ein Meisterwerk der Filmgeschichte : die „Mysterien eines Frisiersalons“. Die Grundlage der Handlung, eine Reihe lustiger Situationen in einem Friseursalon, wurde von Brecht und Valentin ausgebaut zu einem Manuskript voller Liebe, Folter, Kopfabschneiden, Rache, Duell, Erschießen, Kopfabreißen und Wiederbelebung. Der erste Splatterfilm der Filmgeschichte. Die elfköpfige Besetzung bestand neben Liesl Karlstadt und Karl Valentin aus Brechts engen Freunden wie Kurt Horwitz, Max Schreck, der als Nosferatu zu Weltruhm gelangte, und auch Carola Neher, die „Polly“ aus der Pabst-Verfilmung der Dreigroschenoper.
Ein anderer Meister seines Faches, der Poet, Komponist und Sänger Konstantin Wecker hat jetzt zusammen mit dem Musiker, Produzenten und Musiker Florian Moser eine eigene Filmmusik zu diesem Stummfilm komponiert. Wirklich stumm war der Film aber eigentlich nie. Erst 1976 stöberte ihn das Münchner Filmmuseum in einem Filmarchiv in Moskau auf und so fand zwar der Film den Weg nach München, aber nicht die Musik. Dies wiederrum brachte den Ausstellungsmacher Peter Syr dazu, Konstantin Wecker zu fragen, und der sagte, dass es ihm eine Ehre sei, die Filmmusik zu diesem Film zu komponieren.
Der Ausstellungsmacher und Filmexperte Peter Syr gliedert in der Ausstellung, die noch bis einschließlich 9. Oktober im Innenhof des Isartors zu sehen ist, die „Mysterien“ in dramaturgische Einheiten. Über QR-Codes, die auf den Tafeln zu sehen sind, lassen sich die Bereiche auf mobilen Endgeräten betrachten. Der Film wurde mit Standbildern in seine Bildelemente zerlegt und dadurch die dramatische und schauspielerische Entwicklung der Szenen analysiert. Die Hinweistafeln zeigen Hintergrundinformationen zu den „Mysterien eines Frisiersalons” und seinen Mitwirkenden. Sie behandeln auch das Verhältnis Bertolt Brechts und Karl Valentins zum Medium Film und Brechts Drehbuchversuche. Es zeigt sich, dass Brecht von Valentin beeinflusst war und Ideen von ihm übernommen hat.
Ausführliche Informationen unter www.valentin-karlstadt-musaeum.de (Siehe auch unter Terminhinweise)