Das Sozialreferat hat dem Sozialausschuss heute den 14. Marktbericht Pflege zur teil- und vollstationären Pflege und den 4. Marktbericht Pflege ambulant vorgelegt. Die Berichte geben detailliert Auskunft über die ambulante, teil- und vollstationäre pflegerische Infrastruktur in der Landeshauptstadt.
Zum Stichtag 15. Dezember 2023 lag das Angebot an vollstationären Pflegeplätzen bei 7.790 Plätzen. 97,6 Prozent der Plätze waren zum Stichtag ausgelastet. Weiter gestiegen ist das Angebot bei den Tagespflegeplätzen. 482 solitäre Tagespflegeplätze standen am Stichtag zur Verfügung und damit rund 3,2 Prozent mehr als im Vorjahr.
Der Eigenanteil im Einzelzimmer in den 56 Münchner vollstationären Pflegeeinrichtungen stieg im Vergleich zum Vorjahr weiter an und betrug im ersten Jahr des Aufenthalts am 15. Dezember 2023 im Median 3.426,87 Euro (2022: 3.154,84 Euro). Die höheren Kosten bedeuten auch, dass immer mehr Menschen in den Einrichtungen auf staatliche Unterstützung angewiesen sind. So waren Ende 2023 bereits rund 35 Prozent der Bewohner*innen auf „Hilfe zur Pflege“ (Sozialhilfe, SGB XII) angewiesen (2022: rund 33,8 Prozent).
Bürgermeisterin Verena Dietl: „Die finanzielle Belastung der Pflegebedürftigen durch die Eigenanteile ist sehr hoch und die Kosten werden voraussichtlich noch weiter steigen. Das liegt unter anderem an Lohnsteigerungen im Tarifsystem für die beruflich Pflegenden, der Inflationsausgleichsprämie für die Beschäftigten, gestiegenen Sachkosten, höheren Lebensmittelpreisen und höheren Energiekosten. Diese Steigerungen werden vor allem über höhere Eigenanteile der Pflegebedürftigen finanziert. Deswegen brauchen wir dringend eine deutlichere Begrenzung der Eigenanteile und mittelfristig einen Wechsel zu einer Pflegevollversicherung mit gedeckelter Eigenbeteiligung.“
Beim Thema Ambulante Pflege zeigt sich, dass mit der Zahl der pflegebedürftigen Menschen auch die Anzahl ambulanter Pflegedienste in München kontinuierlich steigt. Bei zuletzt über 12.000 Personen, die zuhause versorgt werden, sind ambulante Pflegedienste beteiligt. Besonders die Personalsituation ist für die ambulanten Pflegedienste eine große Herausforderung: mehr als 40 Prozent der Dienste, die an der Online-Befragung teilnahmen, gaben an, dass sie mehr Personal zur Versorgung ihrer aktuellen Kund*innen benötigen. Und ebenfalls mehr als 40 Prozent hatten im letzten Jahr Schwierigkeiten, offene Stellen zu besetzen.
Sozialreferentin Dorothee Schiwy: „Der Großteil der pflegebedürftigen Münchner*innen wird zuhause versorgt. Häufig übernehmen An- und Zugehörige die Betreuung rund um die Uhr, das ist eine enorme Belastung für die Betroffenen. Pflegende Angehörige brauchen Auszeiten und Urlaube, um selber gesund zu bleiben. Deswegen benötigen wir für den Bereich der häuslichen Versorgung dringend ein Entlastungssystem. Hierbei müssten im Rahmen einer umfassenden Pflegereform auf Bundesebene auch im Voraus buchbare Kurzzeitpflegeplätze entsprechend refinanziert werden.“ Damit sich der Fach- und Hilfskräftemangel in der Langzeitpflege nicht noch weiter zuspitzt, ergreifen die Träger der Pflegeeinrichtungen ganz unterschiedliche Maßnahmen und werden dabei vom Sozialreferat durch verschiedene Programme und Foren (zum Beispiel Förderung von Supervision und Qualifizierungsmaßnahmen, Austauschforen Praxisanleitung, Förderung der Schulsozialarbeit an den Münchner Berufsfachschulen für Pflege) unterstützt. Unter anderem um den Einsatz von Zeitarbeit zu vermeiden, hatten sich 46,4 Prozent der vollstationären Pflegeeinrichtungen mit dem Konzept der Springer-Dienste beschäftigt, umgesetzt wird dieses neue Konzept bereits in 25 Prozent der Einrichtungen.
Die Datenerhebung zum 14. Marktbericht Pflege beschäftigte sich auch mit dem Thema Hitzeschutz. 82,1 Prozent der vollstationären Pflegeeinrichtungen und 79,2 Prozent der solitären Tagespflegeeinrichtungen verfügen über einen Hitzemaßnahmenplan. Entsprechende Maßnahmen zum technischen Hitzeschutz und individuelle pflegerische Maßnahmen werden ergriffen.
Außerdem wurde im Themenbereich „Ernährungswende und Abfallvermeidung“ dargestellt, dass im Vergleich zum Jahr 2021 mehr Pflegeeinrichtungen Ansätze zur Abfallvermeidung umsetzen. Auch der Trend hin zu regionaler und saisonaler Ernährung sowie zu Produkten aus biologischer Erzeugung ist deutlich.