Klimaschutzprüfung durch KI weniger arbeits-, personal- und zeitaufwändig machen
Antrag Stadträte Fabian Ewald, Winfried Kaum, Jens Luther, Sebastian Schall und Matthias Stadler (Stadtratsfraktion der CSU mit FREIE WÄHLER) vom 29.4.2024
Antwort Christine Kugler, Referentin für Klima- und Umweltschutz:
Mit Schreiben vom 29.4.2024 haben Sie Folgendes beantragt:
„Die Landeshauptstadt München (LHM) nutzt ab sofort konsequent die Möglichkeiten Künstlicher Intelligenz (KI), um die städtische Klimaschutzprüfung weniger arbeits-, personal- und zeitaufwändig zu machen. Dabei erstellt sie eine Anwendung, bei der die KI die städtischen Beschlussvorlagen einliest und automatisch und standardisiert berechnet, ob und wie die Klimaverträglichkeit der Beschlüsse aussieht. Sollte der Stadtverwaltung die Expertise hierzu fehlen, wird schnellstmöglich ein geeignetes Unternehmen mit der Ausarbeitung beauftragt. Um die Umsetzbarkeit zu erproben, wird zunächst nur ein Referat mit der Nutzung befasst.“ Zur Begründung haben Sie dazu Folgendes vorgetragen:
„Gegen die Stimmen der Stadtratsfraktion CSU mit FREIE WÄHLER wurde vom Münchner Stadtrat vergangene Woche die vertiefte Klimaschutzprüfung beschlossen, auch wenn diese selbst in der eigenen Stadtverwaltung nicht auf große Begeisterung stößt. Nahezu einhellig wird in den Referaten befürchtet, dass die Einführung zu einem gesteigerten Personaleinsatz, mehr Schulungsbedarf und zu beträchtlichen zeitlichen Verzögerungen führt. Durch den Einsatz einer geeignet angeleiteten/programmierten KI-Anwendung könnten diese drei Faktoren erheblich reduziert werden, da die KI automatisch auf bereits weltweit vorhandenes Wissen und erprobte Berechnungen zum Thema zurückgreifen würde. So müssten bei richtiger Anwendung der KI vor der Klimaschutzprüfung wahrscheinlich nur noch einige Indikatoren eingegeben und nach Prüfung die für die Berechnung herangezogenen Referenzen überprüft werden.“
Ihr Einverständnis vorausgesetzt, teile ich Ihnen hierzu Folgendes mit:
Mit dem Beschluss zur Evaluierung und Weiterentwicklung der Klimaschutzprüfung von Beschlussvorlagen (Sitzungsvorlage 20-26/V 12248) hat der Stadtrat ein überarbeitetes Verfahren zur Klimaschutzprüfung von Beschlussvorlagen mehrheitlich beschlossen. Grundsätzlich wurde das dezentrale Verfahren, welches bereits mit dem ersten Beschluss zur Einführung der Klimaschutzprüfung im Jahr 2021 beschlossen wurde, bestätigt. Die Klimaschutzprüfung soll zukünftig allerdings zielgerichteter als bislangausgestaltet werden; insbesondere Beschlussvorlagen mit erkennbar hoher Klimarelevanz sollen durch das neue Verfahren frühzeitig auf ihre Klimawirkung hin überprüft werden, um Möglichkeiten zur Verminderung etwaiger negativer Klimawirkungen berücksichtigen zu können (Alternativenprüfung). Zur Unterstützung der beschlusserstellenden Stellen hat das RKU unter anderem ein neues Bewertungstool, den Klimaschutz-Check 2.0 entwickelt, mit dem Vorhaben mit hoher Klimarelevanz identifiziert werden können. Die schon mit dem ersten Beschluss zur Klimaschutzprüfung beschlossene Prämisse, wonach die Klimaschutzprüfung die Beschlusserstellung zeitlich nicht verzögern soll, wurde auch in der letzten Beschlussvorlage hervorgehoben.
Ihrer Forderung, die Möglichkeiten Künstlicher Intelligenz (KI) für den Bereich der Klimaschutzprüfung von Beschlussvorlagen zu verwenden, nimmt sich das RKU gerne an. Es haben bereits Abstimmungsgespräche zwischen dem RKU und dem IT-Referat der LHM stattgefunden, um mögliche Ansätze für die Anwendung einer KI zu eruieren. Aus den Gesprächen wurde zweierlei deutlich:
KI-Anwendungen in der LHM können insbesondere auf der Basis von Sprachmodellen arbeiten, um beispielsweise größere Textmengen zusammenzufassen oder große Mengen von Dokumenten semantisch zu durchsuchen. Des Weiteren können sogenannte Agenten auf Basis von textuellen Beschreibungen Entscheidungen für Mitarbeiter*innen vorqualifizieren und damit zur Arbeitserleichterung beitragen. Im Rahmen des diesjährigen KI-Hackathons, der vom IT-Referat organisiert wurde und vom 22.6. bis 25.6.2024 stattfand, wurden Anwendungsmöglichkeiten der KI für das Thema Klimaschutzprüfung geprüft und eine erste Testanwendung programmiert. Der Test ergab, dass prinzipiell eine Anwendung denkbar ist, die eine erste Einschätzung zur Klimarelevanz von Beschlussvorlagen anhand textlich formulierter Kriterien vornimmt und so beim initialen Schritt der Klimaschutzprüfung unterstützt.
Die Fähigkeiten von sprachmodell-basierten KI-Anwendungen sind allerdings auf die Auswertung von Texten begrenzt. Tiefergehende Recherchen und insbesondere Berechnungen können aktuelle KI-Anwendungen noch nicht zuverlässig durchführen. Die von Ihnen skizzierten Anforderungen (automatisierte und standardisierte Berechnung der Klimaverträglichkeit von Beschlüssen) gehen damit weit über die technischen Möglichkeiten der angesprochenen sprachmodell-basierten KI-Anwendungen hinaus, die auch mit den Möglichkeiten des IT-Referats realisiert werden könnten.Aus Sicht des RKU wäre zur gewünschten automatisierten und standardisierten Berechnung von Klimawirkungen eine ganz andere und darüber hinaus komplexe KI-Anwendung erforderlich, die eigens für diesen Zweck und von einem externen Softwareunternehmen entwickelt werden müsste. Vorbereitende Schritte und die eigentliche Durchführung eines Vergabeverfahrens für eine solche Software alleine sind nach Einschätzung des RKU in erheblichem Maße arbeits-, personal- und zeitaufwändig; gleichzeitig kann nicht gewährleistet werden, dass das neue Software-Produkt dann auch die Erwartungen der potenziellen Auftraggeberin LHM erfüllen würde. Es wird darüber hinaus erwartet, dass die Kosten für Betrieb und Wartung einer solchen komplexen Anwendung erheblich sein würden.
Das RKU ist davon überzeugt, dass der eingeschlagene Weg der dezentral durchgeführten Klimaschutzprüfung zielführend ist. Zudem weist das RKU darauf hin, dass neben der Einschätzung der Klimawirkung eines Vorhabens die Überprüfung auf klimafreundlicherer Umsetzung (so genannte Alternativenprüfung) einer der wichtigsten Aspekte der neuen Klimaschutzprüfung ist. Diese Alternativenprüfung bei Vorhaben mit hoher Klimarelevanz ist nur im direkten kollegialen Austausch sinnvoll durchführbar. Einsatzmöglichkeiten einer sprachmodell-basierten KI zur Unterstützung der Ersteinschätzung der Klimarelevanz werden aber wie oben erwähnt weiter geprüft.
Um Kenntnisnahme der vorstehenden Ausführungen wird gebeten. Ich gehe davon aus, dass die Angelegenheit damit abgeschlossen ist.