Chaos am Münchner Flughafen
Anfrage Stadtrat Professor Dr. Hans Theiss (Stadtratsfraktion der CSU mit FREIE WÄHLER) vom 4.10.2024
Antwort Clemens Baumgärtner, Referent für Arbeit und Wirtschaft:
in Ihrer Anfrage vom 4.10.2024 führten Sie als Begründung aus: „Der Münchner Flughafen machte am 3.10.2024 mit einer kilometerlangen Warteschlage am Sicherheitscheck erneut nicht akzeptable Negativschlagzeilen. Viele Fluggäste mussten stundenlang anstehen und um ihre Flüge bangen. Es steht zu befürchten, dass die Bilder des Chaos dem Flughafen nachhaltig auch im internationalen Vergleich schaden. Die Landeshauptstadt München hält 23% Anteile am Münchner Flughafen. Vor diesem Hintergrund frage ich den Oberbürgermeister:“
Zu den in Ihrer Anfrage gestellten Fragen kann ich auf Basis der Stellungnahmen der Flughafen München GmbH (FMG), der Regierung von Oberbayern-Luftamt Südbayern und der Sicherheitsgesellschaft am Flughafen München mbH (SGM) Folgendes mitteilen:
Frage 1:
Welche Kenntnisse hat die Landeshauptstadt München von den Zuständen am Security-Check des Münchner Flughafens am 3.10.2024? Wie viele Fluggäste verpassten ihren Flug? Sind Klagen auf Schadenersatz zu befürchten?
Antwort:
Die Sicherheitskontrolle nach §5 LuftSiG ist eine hoheitliche Aufgabe des Freistaats Bayern und wird durch die Regierung von Oberbayern-Luftamt Südbayern durchgeführt, die sich dafür der SGM bedient.
Am 3.10.2024 kam es vor den Sicherheitskontrollen im Terminal 2 zu einer langen Warteschlange und erheblichen Zeitverzögerungen, die auf das Zusammentreffen mehrerer Faktoren zurückzuführen sind. Über diesen Vorfall sowie über die Ursachen wurde ausführlich in der Presse sowie im Ausschuss für Arbeit und Wirtschaft am 15.10.2024 durch den Vorsitzenden der Geschäftsführung, Herrn Jost Lammers, berichtet.
Die FMG hat ihre Gesellschafter am 7.10.2024 über die Situation an der zentralen Sicherheitskontrollstelle im Terminal 2, insbes. zum Wochenende 4.- 6.10.2024, inkl. der ergriffenen Sofortmaßnahmen informiert. Aufgrund der ergriffenen Maßnahmen (u.a. Abfertigung der Discover im Terminal 1,Nutzung von Sicherheitskontrollspuren im Terminal 1 inkl. Busshuttle zu Spitzenzeiten, gezielte Information und Steuerung der Passagiere) kam es in den Folgetagen zu keinen größeren Stauungen oder zu einer langen Schlangenbildung.
Zu der Anzahl an Fluggästen, die ihren Flug unmittelbar in Folge der Situation an der zentralen Sicherheitskontrollstelle im Terminal 2 verpasst haben, liegen der FMG keine dezidierten Informationen vor. Nach Auskunft der Lufthansa haben insgesamt 750 Gäste ihren Flug verpasst; es fanden kostenlose Umbuchungen statt.
Alle mit der Sicherheitskontrolle zusammenhängende Schadensersatzforderungen werden vom Luftamt Südbayern bearbeitet. Das Luftamt Südbayern hat am 29.10.2024 mitgeteilt, dass bisher noch keine Anträge zum 3.10.2024 eingegangen sind. Auch der FMG liegen zum aktuellen Stand noch keine näheren Informationen vor. Sie geht jedoch davon aus, dass in Einzelfällen Ansprüche geltend gemacht werden.
Frage 2:
Gab es spezielle Personalengpässe an diesem Tag? Wenn ja, warum und wie soll dem in Zukunft entgegengewirkt werden?
Antwort der FMG:
„Nein. Es waren alle Kontrollspuren geöffnet und seitens der Sicherheitsgesellschaft am Flughafen München (SGM) mit ausreichend Personal besetzt. Der Terminaldienst der FMG war ebenfalls mit erhöhter Personalstärke vor Ort.“
Frage 3:
Gab es technische Probleme am Security-Check?
Antwort der FMG:
„Gegen 5.30 Uhr ist es zum Ausfall von einer der acht Kontrollspuren an der zentralen Sicherheitskontrolle im Terminal 2 gekommen. Die Störung konnte jedoch innerhalb einer Stunde behoben werden. Im Anschluss und damit auch zu dem Zeitpunkt, zu dem sich die Warteschlange gebildet hat (9.15 bis 13.45 Uhr), standen wieder alle 8 Kontrollspuren mit CT-Scannern sowie die konventionellen Kontrollspuren durchgehend zur Verfügung.“
Frage 4:
Wurde einkalkuliert, dass zum Oktoberfest und zum Brückentag ein erhöhtes Fluggastaufkommen sein würde? Wenn nein, warum nicht?
Antwort der FMG:
„Ja. Allerdings war der enorme und fast zeitgleiche Passagierzustrom u. a. am Vormittag des 3.10. von der für den Betrieb des Terminal 2 zuständigen Terminal 2 Gesellschaft mbH & Co oHG so nicht prognostiziert. Ursächlich für die Warteschlange vor der Sicherheitskontrollstelle im Terminal 2 am 3.10.2024 war jedoch ein, in dieser extremen Form nicht vorhersehbares, Zusammentreffen mehrerer Faktoren. Dieses hatte jedoch zur Folge, dass die vorhandenen Kontrollkapazitäten temporär nicht ausgereicht haben und sich eine Warteschlange (9.15 bis 13.45 Uhr) bildete.
Konkret kamen viele Fluggäste zum einen mit mehr Handgepäck (Kurzreisende) und zum anderen deutlich früher als üblich am Flughafen an. Stichproben haben ein Eintreffverhalten von mehr als 4 Stunden vor Abflug, in Einzelfällen sogar bis zu 8 Stunden vor Abflug ergeben.
Gleichzeitig stehen aktuell aufgrund der Umbaumaßnahmen an der zentralen Sicherheitskontrollstelle im Terminal 2 (Einsatz neuer CT-Scanner) etwa 10% weniger Kapazitäten zur Verfügung. Zudem führen seit wenigen Wochen temporär strengere EU-Vorgaben zum Mitführen von Flüssigkeiten im Handgepäck auch an Kontrollstellen mit modernen CT-Scannern zu einer potentiellen Verlängerung der durchschnittlichen Kontrollzeit pro Passagier (Kapazitätsverlust von rund 10%).
Des Weiteren führten Bauarbeiten an der S8 in Richtung Flughafen dazu, dass die S-Bahn nicht im regelmäßigen Takt am Airport ankommen ist, was zusätzlich große Gruppen (bis zu 1.500 Passagiere) an gleichzeitig am Flughafen ankommenden Passagier zur Folge hatte.“
Antwort des Luftamts Südbayern:
„Selbstverständlich wurden diese besonderen Bedingungen (Oktoberfest, Fenstertag, Feiertag) im Vorfeld mit allen Beteiligten bei den Planungen berücksichtigt. Alle 17 betriebsbereiten Spuren der Zentralen Fluggastkontrolle, davon 8 mit durchsatzsteigernder CT-Technik ausgestattet, waren geöffnet. Unabhängig von der zum Einsatz gekommenen Technik waren alle Spuren in größtmöglicher Personalstärke besetzt.“
Frage 5:
Welche Lehren zieht der Flughafen aus dem Desaster? Wie wirkt die Landeshauptstadt München auf den Flughafen ein?
Antwort:
Gemeinsam mit der Lufthansa, dem Bayerischen Staatsministerium für Bau, Wohnen und Verkehr, der Regierung von Oberbayern und der SGMwurde ein Sofortmaßnahmenpaket zur Entlastung und Entzerrung der zentralen Sicherheitskontrolle im Terminal 2 festgelegt.
Die LHM wird die Angelegenheit im Aufsichtsrat der FMG weiterverfolgen und ggf. weitere Maßnahmen einfordern.
Frage 6:
Gibt es grundsätzliche Personalengpässe? Wie stellt sich das im Vergleich zu früher dar? Erhalten die Mitarbeiter der von der Bundespolizei beauftragten Sicherheitsfirmen einen auskömmlichen Lohn für ihre Arbeit, um ein Abwandern ins „Bürgergeld“ zu verhindern?
Antwort der SGM:
„Die Sicherheitskontrollen (Passagier-, Hand- und Reisegepäck) erfolgen am Flughafen München im Auftrag der Regierung von Oberbayern durch die Sicherheitsgesellschaft am Flughafen München (SGM), ein hundertprozentiges Unternehmen des Freistaats Bayern.
In der Vergangenheit wie auch am 3.10.2024 konnten alle Anforderungen, die an personelle Besetzung der Kontrollschleusen gestellt wurden, erfüllt werden. Am 3.10.2024 erfolgte die Öffnung der ersten Kontrollspuren um 4 Uhr, gefolgt von der sukzessiven Aktivierung weiterer Kontrollstellen bis hin zur Vollbesetzung aller verfügbaren CT-Spuren um 5.30 Uhr sowie aller weiteren Spuren um 7 Uhr. Damit waren alle verfügbaren Spuren planmä-ßig geöffnet und mit SGM-Personal besetzt.
Als Unternehmen des Freistaats Bayern bietet die SGM eine dem Aufgabenspektrum entsprechende, leistungsgerechte Vergütung nach TVÖD/ VKA zuzüglich freiwilliger Sozialleistungen eines modernen Unternehmens sowie sichere, unbefristete Arbeitsplätze mit Zusatzversorgung. Gleichwohl konkurriert die SGM am Flughafen München in einem engen Arbeitsmarktumfeld mit kommunalen, staatlichen und privatwirtschaftlichen Arbeitgebern bei der Rekrutierung neuer Arbeitskräfte.“
Das Luftamt Südbayern hat ergänzend hierzu darauf hingewiesen, dass die Bundespolizei am Flughafen München keine Sicherheitsfirmen für die Sicherheitskontrolle beauftragt hat, da dies Aufgabe des Luftamtes Südbayern ist (s.o.).
Frage 7:
Welchen Grund gab es für die Umstrukturierung des Security Checks? Aus früheren Zeiten sind solche immensen Probleme nicht bekannt.
Antwort der FMG:
„Gemeinsam mit dem Bayerischen Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr und der Regierung von Oberbayern tätigt der Flughafen München Investitionen in mehrstelliger Millionenhöhe, um flächendeckend die neueste Sicherheitstechnik einzusetzen und somit als Vorreiter in Deutschland den Fluggästen die höchste Sicherheit bei gleichzeitig bestem Kontrollkomfort bieten zu können.
Das Luftamt Südbayern bei der Regierung von Oberbayern hat die neue Technik im Pilotversuch seit 2019 gemeinsam mit der Sicherheitsgesellschaft SGM und der Betreibergesellschaft des Terminals 2 erfolgreich getestet.
Die Umbaumaßnahme an der zentralen Sicherheitskontrollstelle im Terminal 2 befindet sich derzeit im vorletzten Bauabschnitt und soll bis zum Sommer 2025 abgeschlossen sein. Bis zur flächendeckenden Umrüstung aller Kontrollspuren lassen sich aufgrund der im laufenden Betrieb stattfindenden Baumaßnahmen temporäre, örtlich begrenzte Einschränkungen des Durchsatzes leider nicht vermeiden.
Wenn die Modernisierungsphase der Kontrollspuren im Terminal 2 abgeschlossen ist, stehen dort 30 Prozent mehr Kapazität (3.900 PAX/h) zur Verfügung als noch im Jahr 2022. Durch die neuen Spuren erhöht sich der Komfort für die Gäste signifikant. So müssen z.B. Flüssigkeiten in Behältern <100ml oder elektronische Geräte nicht mehr aus dem Handgepäck genommen werden. Auch können bis zu vier Reisende parallel ihre Sachen in die Wannen legen, womit auch ein Überholen möglich ist, was den Prozess zusätzlich beschleunigt.“
Antwort des Luftamts Südbayern:
„Die Passagier- und Gepäckkontrollen am Flughafen München werden durch die neue Technologie mit Computertomographen (3D-Technik) noch sicherer, schneller und komfortabler. Die CT-Kontrollgeräte produzieren Röntgenbilder in hochauflösender und voll drehbarer 3D-Ansicht. Die Fluggäste schätzen die Anlagen, weil Laptops und Flüssigkeiten nicht mehr aus- und wieder eingepackt werden müssen, was die Kontrolle deutlich schneller macht. Außerdem sorgen die CT-Scanner für ein zusätzliches Plus an Sicherheit, da sie Sprengstoff und andere gefährliche Gegenstände lückenlos und automatisiert erkennen können. Ein weiterer Vorteil der neuen Kontrollstellen ist, dass vier Passagiere ihr Gepäck gleichzeitig auf das Band legen können, wodurch sich Wartezeiten verringern.Nur der Vollständigkeit halber weisen wir darauf hin, dass am 3.10.2024 verschiedene Faktoren für die Situation an den Kontrollstellen ausschlaggebend waren, namentlich das hohe Passagieraufkommen, die Pushnachrichten der Lufthansa sowie die Probleme der S 8.“
Ich hoffe, dass ich Ihre Fragen hiermit zufriedenstellend beantworten konnte.