Die bessere Nordtangente – Tram UNTER dem Englischen Garten planen! Ein Englischer Garten – Straßentunnel mit Trambahn prüfen
Anträge Stadtrats-Mitglieder Professor Dr. Jörg Hoffmann, Gabriele Neff, Richard Progl und Fritz Roth (FDP BAYERNPARTEI Stadtratsfraktion) vom 13.3.2024 und 11.6.2024
Antwort Mobilitätsreferent Georg Dunkel:
Mit dem Antrag „Die bessere Nordtangente –Tram UNTER dem Englischen Garten planen!“ (Antrag Nr. Nr. 20-26/A 04699) fordern Sie eine Neuplanung der Streckenführung der Tram Nordtangente durch den ehemals geplanten Tunnel durch den Englischen Garten am Isarring. Die Zuführung von Westen solle von der Belgradstraße abzweigend über die Karl-Theodor-Straße, die Rheinstraße, die Potsdamer Straße und die Dietlindenstraße erfolgen. Östlich des Englischen Gartens soll ein Anschluss an die bisherigen Planungen hergestellt werden.
Mit dem Antrag „Ein Englischer Garten – Straßentunnel mit Trambahn prüfen“ (Antrag Nr. 20-26/A 04908) fordern Sie das Referat für Stadtplanung und Bauordnung und das Mobilitätsreferat dazu auf, eine Machbarkeitsstudie für die vorgeschlagene Trasse durch die Karl-Theodor-Straße, Rheinstraße, Potsdamer Straße, Dietlindenstraße, Tunnel Isarring und Ifflandstraße in Auftrag zu geben. Dabei sollen die beiden Varianten Tunnel für Kfz-Verkehr und Tram gemeinsam sowie ein separater Tunnel für die Tram untersucht werden. Dem Stadtrat sollen die Baukosten, Realisierungszeiträume sowie Fördermöglichkeiten vorgestellt werden.
Ihr Einverständnis vorausgesetzt, erlaube ich mir Ihren Antrag auf dem Schriftweg zu beantworten.
Zu Ihren Anträgen vom 13.3.2024 und vom 11.6.2024 teile ich Ihnen Folgendes mit:
Die vorgeschlagene alternative Trassenführung der Tram Nordtangente in einem Tunnel durch den Englischen Garten auf Höhe des Isarrings ist aus folgenden Gründen nicht umsetzbar:
- Die Planungen für die Verlegung des Isarrings in einen Tunnel im Bereich des Englischen Gartens wurden im Jahr 2022 eingestellt. Dies wurde am 21.12.2022 im Rahmen der Festlegung des Haushalts 2023 durch
die Vollversammlung des Stadtrats beschlossen (Vorlagen-Nr. 20-26/V07949). Grund für diese Entscheidung war die sehr hohe Zahl notwendiger Baumfällungen von ca. 900 Bäumen mit einem Stammumfang grö-ßer als 80cm für die Einrichtung der Baustelle (zum Vergleich: Bei der vorgeschlagenen Mischtrasse durch die Straße am Chinesischen Turm würden lediglich 20 Bäume und davon lediglich 8 mit einem Stammumfang größer als 80cm gefällt werden müssen).
- Eine gemeinsame Führung des Kfz-Verkehrs und der Tram in einem Tunnel wäre aus Sicherheits- und Brandschutzgründen nicht möglich. Ein separater Tramtunnel neben oder unter dem Isarring wäre aufgrund der beengten Platzverhältnisse, den drei zu überwindenden Bächen Schwabinger Bach, Oberstjägermeisterbach und Eisbach – falls überhaupt - nur mit einem übermäßig hohen baulichen und finanziellen Aufwand realisierbar und hätte wiederum einen sehr hohen Eingriff in den Baumbestand zur Folge. Es ist zudem zweifelhaft, ob die langen erforderlichen Rampenbauwerke im Straßenraum der Dietlindenstraße auf der Westseite und in der Ifflandstraße bzw. im Englischen Garten auf der Ostseite integrierbar sind. Weiterer Nachteil ist die eingeschränkte Möglichkeit der Anordnung von oberirdischen Haltestellen.
- Die vorgeschlagene Zuführung von Westen über die Karl-Theodor-Straße, die Rheinstraße, die Potsdamer Straße und die Dietlindenstraße sowie von Osten über die Ifflandstraße ist aufgrund der engen Straßenräume bzw. der hohen Kfz-Belastungen fraglich in der Umsetzbarkeit. Ungünstig wäre auch die räumliche Nähe der Trasse zur Parzivalstraße, auf der ab 1. Januar 2025 die Tramlinie 12 verkehren wird. Die alternative Streckenführung wäre zudem erheblich länger. Die Tangentenwirkung auf der Ost-West-Relation würde durch die umwegigere Streckenführung stark geschwächt.
- Durch die deutlich längeren Fahrzeiten und die geringere Attraktivität der Tunnelvariante würde es auch einen geringeren Fahrgastzuwachs geben. Hinzu kommen die höheren Kosten. Dadurch wird das Kosten-Nutzen-Verhältnis voraussichtlich deutlich unter 1 liegen, so dass eine entsprechende Neubaustrecke nicht förderfähig wäre. Deshalb wurden derartige Streckenvarianten durch die Angebotsplanung der MVG/SWM nicht weiter berücksichtigt.
Die bisher geplante, mit dem Trassierungsbeschluss vom 20.12.2023 (Vorlagen-Nr. 20-26/V 10202) vom Stadtrat beschlossene Streckenführung durch den Englischen Garten ist erwiesenermaßen gleichzeitig die kürzeste und kostengünstigste als auch diejenige mit der größtmöglichenNetz- und Tangentenwirkung und damit dem höchstem Fahrgastpotenzial. Zudem stellt diese Variante auch den geringstmöglichen Umwelteingriff dar. Mit der kurzen Neubaustrecke von nur 2,2km zwischen Elisabethplatz und Tivolistraße können zahlreiche sinnvolle Linienverbindungen geschaffen werden, die eine verkehrliche Wirkung weit über die lokale Betrachtung hinaus zeigen. Durch den Abschnitt in der Leopoldstraße ergibt sich zusätzlich eine Verknüpfung mit der Tram Münchner Norden, wodurch diese positiven Wirkungen nochmals deutlich verstärkt werden. Die Fahrgastprognose für das Jahr 2035 ergab, dass ca. 18.000 Fahrgäste/Tag die neue Tramverbindung nutzen würden.
Die Planungen zur Tram Nordtangente wurden im Juli dieses Jahres aufgrund der derzeit ablehnenden Haltung des Freistaates gestoppt. Wenn sich die Rahmenbedingungen ändern, sollen die Planungen – vorbehaltlich der Haushaltslage – auf der Grundlage der vorliegenden, dem Trassierungsbeschluss vom 20.12.2023 zugrunde liegenden Planung wiederaufgenommen werden.
Den o.g. Anträgen kann daher nicht entsprochen werden.
Um Kenntnisnahme von den vorstehenden Ausführungen wird gebeten. Wir gehen davon aus, dass die Angelegenheit damit abgeschlossen ist.