Netzintegration von Elektromobilität
Antrag Stadtrat Tobias Ruff (Fraktion ÖDP/München-Liste) vom 20.10.2023
Antwort Clemens Baumgärtner, Referent für Arbeit und Wirtschaft:
Sie beantragen, dass die Stadtwerke München GmbH (SWM) aufgefordert werden, die Integration der Elektromobilität in das Stromnetz voranzutreiben. Hierzu sollen
1. bidirektionale Ladestationen angeboten und finanziell gefördert werden (sobald diese auf dem Markt verfügbar sind) sowie
2. Marktmodelle und entsprechende Software entwickelt werden, um Möglichkeiten und Anreize für Autobesitzer zu schaffen, deren Speicherkapazitäten den SWM zur Verfügung zu stellen.
Nach § 60 Abs.9 GeschO dürfen sich Anträge ehrenamtlicher Stadtratsmitglieder nur auf Gegenstände beziehen, für deren Erledigung der Stadtrat zuständig ist. Ihre Aufforderung der SWM, die Integration der Elektromobilität in das Stromnetz voranzutreiben, fällt jedoch nicht in die Zuständigkeit des Stadtrates oder als laufende Angelegenheit in die Zuständigkeit des Oberbürgermeisters, sondern in den operativen Geschäftsbereich der SWM. Eine beschlussmäßige Behandlung der Angelegenheit im Stadtrat ist daher rechtlich nicht möglich. Daher wird der Antrag im Folgenden als Brief beantwortet.
Wir haben die Stadtwerke München um Stellungnahme gebeten, die uns sinngemäß Folgendes zur Erläuterung mitgeteilt haben:
Zu 1.: Angebot bidirektionaler Ladestationen und deren finanzielle Förderung:
Die SWM planen, mit steigender Marktdurchdringung und Nachfrage nach dem bidirektionalen Laden von Elektrofahrzeugen, die Integration entsprechender Ladestationen in das Produktportfolio aufzunehmen. Hierzu besteht jedoch noch die Notwendigkeit, das bidirektionale Laden sowohl hersteller- als auch netzseitig marktfähig zu machen, um eine flächendeckende Implementierung zu ermöglichen. Dazu stehen wir noch vor technischen Herausforderungen.
Drei relevante Problemstellungen sind:
- Die Batteriezyklen im Fahrzeug sind (noch) nicht dafür ausgelegt.
- Das bidirektionale Laden wird (noch) von wenigen Wallboxherstellern angeboten.
- Es fehlen regulatorische Vorgaben, damit auch der Autostrom (der ja nicht immer „grün“ ist,) wieder ins Netz darf.
Die Bereitstellung von Fördermaßnahmen liegt hierbei nicht in der Hand der SWM.
Zu 2.: Entwicklung eines Marktmodells und einer entsprechenden Software:
Das bidirektionale Laden ist mit Hinblick auf die Stabilität der Stromnetze von hoher Bedeutung. Vor diesem Hintergrund beteiligt sich die SWM an der Thematik der Netzstabilisierung und ist Teil des Forschungsprojekts unIT-e2 der Forschungsstelle für Energiewirtschaft (FfE) zum Thema netzdienliches Laden. Dabei wird die Auswirkung von bidirektionalen Ladestationen auf stark belastete Netze untersucht, um vorübergehend hohen Stromverbrauch zu steuern und auf diese Weise die Netzstabilität zu erhöhen. Dieses Vorgehen wäre bei allen gängigen smarten Wallboxen und Ladesäulen und auch E-Fahrzeugen technisch möglich. In diesem Kontext ist jedoch die Bereitschaft der E-Fahrzeug BesitzerInnen, ihre Fahrzeugbatterie nutzbar zu machen, von essenzieller Bedeutung.
Die SWM führten am 30.11.2023 ein Webinar zu diesem Thema durch. In dem Termin wurde deutlich, dass die SWM durchaus an der Integration von E-Fahrzeugen in den Betrieb ihrer Stromnetze interessiert sind. Auch intern treiben die SWM die Innovationen in diesem Bereich voran. Das Referat für Arbeit und Wirtschaft begrüßt diese Entwicklung.
Ich bitte Sie, von den vorstehenden Ausführungen Kenntnis zu nehmen, und hoffe, dass Ihr Antrag zufriedenstellend beantwortet ist und als erledigt gelten darf.