Im Zuge von Instandsetzungsmaßnahmen am Betontragwerk der Tonnenhalle, die aufgrund einer bekannten Chlorid-Belastung durch- geführt wurden, ist ein weiteres, äußerst ungewöhnliches Schadensbild an der Bausubstanz sichtbar geworden: Tragende Bauteile der Tonnenhalle sind durch eine Nitratbelastung massiv angegriffen. Das Baureferat hat daher ein Sanierungskonzept erarbeitet, das einen Erhalt der denkmalgeschützten Bauwerkssubstanz sicherstellt.
Im Gegensatz zu den häufig auftretenden Schadensbildern durch Chlorid-Belastungen (zum Beispiel in Tiefgaragen durch Streusalz), bei denen die Bewehrung im Beton korrodiert, macht Nitrat die Bewehrung spröde. Dies hat zur Folge, dass der Bewehrungsstahl an einzelnen Stellen ohne Vorankündigung brechen kann, so auch in der Tonnenhalle. Dieses Schadensbild ist äußerlich jedoch nicht erkennbar. Als einziger vergleichbarer Fall in München ist das alte Elefantenhaus im Tierpark Hellabrunn bekannt, dessen Betonbauteile mitsamt der historischen Eisenbetonkuppel in Folge einer nitratinduzierten Spannungsrisskorrosion komplett abgebrochen werden mussten.
Nach Feststellung der nitratbedingten Schädigungen im Tragwerk der Tonnenhalle hat das Baureferat ein weiteres, in dieser Thematik versiertes Büro hinzugezogen, das auch beim Elefantenhaus in Hellabrunn tätig war. Gemeinsam mit den Tragewerkplanungsbüros hat das Baureferat ein Sanierungskonzept abgestimmt, das eine Kombination aus Substanzertüchtigung mit Einbringung beziehungsweise Ersatz neuer Bewehrungsstähle in den Bestand mit Beton-Reprofilierung, einen Austausch bzw. Ergänzung von Zugbändern und die Einführung neuer statischer Tragsysteme in Form von neuen Fundamenten und Stützen vorsieht.
Nach Anpassung der bisherigen Zeitschiene ergibt sich nach Umplanung, Ausschreibung und Vergabe der Bauleistungen für die „Bestandssanierung Nitrat“ ein Baubeginn in der Tonnenhalle zum September 2024. Voraussichtlich im April 2025 kann dann der reguläre Rohbau und Ausbau beginnen, so dass sich der geplante Baufertigstellungstermin der Tonnenhalle um voraussichtlich 20 Monate auf April 2028 verschiebt.
Baureferentin Dr.-Ing. Jeanne-Marie Ehbauer: „Das Projekt Jutier- und Tonnenhalle ist eines der wichtigsten laufenden kulturpolitischen Bauprojekte der Landeshauptstadt München. Das extrem ungewöhnliche Schadensbild infolge der Nitratbelastung zwingt uns zum Handeln, um die denkmalgeschützte historische Bausubstanz der Tonnenhalle zu erhalten. Die gute Nachricht ist, dass unsere Expert*innen der Hauptabteilung Hochbau im Baureferat in enger Zusammenarbeit mit externen Fachbüros umgehend ein Sanierungskonzept erarbeiten konnten, das den Erhalt sichert und unserer Denkmalschutz-Verantwortung gerecht wird.“
Auf die Fertigstellung der Tiefgarage zwischen der Jutier- und Tonnenhalle sowie die Herstellung der öffentlichen Grünfläche hat die „Bestandssanierung Nitrat“ der Tonnenhalle keine Auswirkungen. Aufgrund der späteren Fertigstellung der Tonnenhalle wird die Fläche zwischen Jutier- und Tonnenhalle durch die Baustelleneinrichtung nicht vollständig nutzbar sein. Die Beeinträchtigung der Fläche durch die Baustelle wird so gering wie möglich gestaltet. Die neuen Wegebeziehungen im Quartier bleiben erhalten. Im Ensemble mit der ebenfalls im Jahr 1926 errichteten Jutierhalle entsteht nach der Generalinstandsetzung und dem Umbau ein neuer Produktions- und Präsentationsort im Kreativquartier für die Münchner freie Szene aller Sparten, insbesondere für die Darstellende Kunst, aber auch für Bildende Künstler*innen, Musiker*innen sowie für die Kreativwirtschaft. In der Tonnenhalle, in der früher die städtischen Wasserwerke ihre Rohre lagerten, soll ein Aufführungsort errichtet werden. In der Halle, die eine Gesamtlänge von 106 Metern und eine Breite von 20 Metern aufweist, sind unter anderem ein großer Saal im Erdgeschoss, ein offenes Foyer und ein Gastronomiebereich geplant. Vorgesehen sind zudem Gruppenräume, Büros, Technikflächen – sowie ein Multifunktionssaal und zwei Tanzstudios im Obergeschoss.