App zur Erfassung geschützter Arten
Antrag Stadtrats-Mitglieder Dr. Evelyne Menges und Sebastian Schall (Stadtratsfraktion der CSU mit FREIE WÄHLER) vom 27.10.2023
Antwort Christine Kugler, Referentin für Klima- und Umweltschutz:
Mit Ihrem Schreiben vom 27.10.2023 haben Sie Folgendes beantragt: „Die Landeshauptstadt München (LHM) prüft, ob die App ‚EineStadt‘ seitens der städtischen Beschäftigten genutzt werden kann, um die Standorte von Nist-, Aufenthalts- oder Wohnorten von bedrohten Tierarten auf öffentlichen Grünflächen und in städtischen Parks in München digital zu registrieren.“
Zur Begründung haben Sie dazu Folgendes vorgetragen:
„Unter anderem die Kommune Schwabmünchen nutzt die App ‚EineStadt‘, um die Nist-, Aufenthalts- oder Wohnorte von Tieren digital zu erfassen. Durch die Nutzung der App ist eine schnelle und digitale Registrierung garantiert. Außerdem kann bei der Erfassung direkt festgehalten und gegebenenfalls weitergegeben werden, ob seitens der Kommune oder der zuständigen Naturschutzbehörden Arbeiten zur Sicherung, Kontrolle oder zum Schutz der Standorte notwendig sind. Dadurch wird der zeitliche Ablauf erheblich verkürzt.“
Ihr Einverständnis vorausgesetzt erlaube ich mir, Ihren Antrag als Brief zu beantworten und teile Ihnen auf diesem Wege Folgendes mit:
Die voranschreitende Digitalisierung gewinnt auch im Naturschutz immer mehr an Bedeutung, wie beispielsweise durch Technologien im Bereich der Fernerkundung, Datenportalen oder mit Instrumenten zur digitalen Arterfassung. Mittlerweile befinden sich eine Vielzahl von unterschiedlichen Anwendungen, die zur Arterfassung verwendet werden können, auf dem Markt oder werden von Behörden zur Nutzung angeboten. Insbesondere mobile Anwendungen und Apps haben das Potenzial, Kartierungen im Gelände erheblich zu vereinfachen, da handschriftliche Aufzeichnungen durch die digitale Erfassung ersetzt werden und die nachträgliche Datenübertragung im Büro entfällt.
Die Wartungssoftware und -App EineStadt enthält unter anderem Anwendungen für die Spielplatzkontrolle, die Wartung von Straßenbeleuchtung oder die Artenkartierung. Die Software bietet für die Objektverwaltung die Möglichkeit, NFC-Chips (Near Field Communication, zu Deutsch „Nahfeldkommunikation“) an Objekten wie beispielsweise Bäumen oderLaternenmasten anzubringen. Die Technologie NFC ermöglicht einen Datenaustausch auf kurze Distanz. Durch das Vorhalten eines Smartphones oder Tablets können auf diese Weise Daten der Chips ausgelesen und Objekte eindeutig identifiziert werden. Für nicht bechipbare Objekte – wie bei der Artenkartierung – können Fundorte mittels GPS-Ortung lagegenau digital erfasst werden. Nach dem Auslesen des Chips bzw. der Erfassung des Fundortes können Fotos und weitere Angaben in vorab definierten Formularen eingegeben und dokumentiert werden. Falls an einem Objekt Maßnahmen erforderlich sind, können diese direkt im System erfasst, an die zuständige Stelle übermittelt und nach der Durchführung der Maßnahme als erledigt gekennzeichnet werden. Wenn alle beteiligten Stellen EineStadt nutzen, können somit ganze Prozessabläufe digital und medienbruchfrei abgebildet werden. Für Prozessbeteiligte, wie beispielsweise externe Firmen oder andere Behörden, die EineStadt nicht nutzen, können PDF-Berichte erstellt werden.
Für die Arbeit im Naturschutz sind in der LHM aktuell bereits verschiedene digitale Werkzeuge im Einsatz, die durch das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) zur Verfügung gestellt werden und deren Nutzung für die Meldung bestimmter Informationen für die Naturschutzbehörden innerhalb ihrer Aufgabenerledigung im übertragenen Wirkungskreis verpflichtend sind. Dies sind die Anwendungen FINView und die Arten-Datenbank mit Karla.Natur, die für die digitale Erfassung und zur Information von Artdaten verwendet werden.
FINView (Fachinformationssystem Naturschutz) ist das zentrale Arbeitswerkzeug der Naturschutzverwaltungen in Bayern. Als umfangreiches und leicht bedienbares Geoinformationssystem dient es mit dem integrierten Geobasis- und Fachdatenbestand vorrangig als Auskunftssystem. FINView beinhaltet unter anderem die Daten der Arten-Datenbank (s. u.) sowie beispielsweise auch Daten der Biotopkartierung, des Arten- und Biotopschutzprogramms oder Schutzgebiete. Zusätzlich zu den Datenabfragemöglichkeiten werden in FINView Daten auch erfasst, wie es beispielsweise für Flächen des Bayerischen Ökoflächenkatasters (ÖFK) erfolgt bzw. im Rahmen von Vertragsabschlüssen im Bayerischen Vertragsnaturschutzprogramm (VNP). Durch die Installation von FINView auf einem Tablet ist auch die mobile Eingabe und Datenerfassung über GPS-Ortung im Gelände möglich.
Die bayernweite Arten-Datenbank des LfU umfasst etwa 1,4 Millionen Fundorte und rund 20 Millionen Artnachweise aus verschiedenen LfU-internen Datenquellen wie beispielsweise der Artenschutzkartierung (ASK) oderder amtlichen Biotopkartierung, wie auch aus LfU-externen Datenquellen wie beispielsweise Daten der Forstverwaltung (LWF) oder Ornitho.de-Vogeldaten. Die Arten-Datenbank ist in FINView eingebunden und ermöglicht über ein zentrales Abfragetool umfangreiche Analysen und Auswertungen von Artdaten.
Die Web-Anwendung Karla.Natur (Kartierung von Lebensräumen und Arten) wird durch das LfU für die systematische Meldung von Tier- und Pflanzenarten zur Verfügung gestellt. Sie ist ab 2024 die verpflichtende Anwendung für die Erfassung und Meldung von Artdaten in Bayern für Naturschutzbehörden sowie für die Fortschreibung der Artenschutzkartierung. Karla.Natur löst die bis dahin zur Fortschreibung der Artenschutzkartierung vorgegebene Software PC-ASK ab. Karla.Natur bietet, neben der Erfassung geschützter Arten im Büro, zusätzlich die Möglichkeit der Arterfassung mit Tablet oder Smartphone im Gelände. Sollte hierbei kein Datennetz verfügbar sein, können Artdaten in einem Offline-Modus eingegeben und sobald ein Datennetz verfügbar ist, übertragen werden. Bald verfügbare Nachweiskarten und Statistiken sowie Möglichkeiten zur Recherche und Auswertung über vorhandene Fundorte und Artnachweise komplettieren den Funktionsumfang.
Zusätzlich zu den durch das LfU bereitgestellten Fachanwendungen für den Naturschutz werden in der Landeshauptstadt München weitere Anwendungen für die Geodatenverarbeitung betrieben, die für die Fachaufgaben im Naturschutz zum Einsatz kommen.
Die stadtweit verfügbare Webanwendung GeoInfoWeb stellt, als zentrales städtisches Auskunftssystem für raumbezogene Daten, ein wichtiges Arbeitsmedium für die Arbeit im Naturschutz dar. Durch die einfach zu bedienende Benutzeroberfläche und die von vielen Referaten hinterlegten Daten können einfach und schnell die benötigten Informationen ermittelt werden.
Das proprietäre Geoinformationssystem ArcGIS Pro und sein open source Pendant Q-GIS werden im Rahmen der Naturschutzarbeit für räumliche Analysen, zur Kartenerstellung und für die Datenerfassung und -verwaltung genutzt. Über die städtische ArcGIS Enterprise Subskription stehen darüber hinaus, mit der Softwarekomponente Portal for ArcGIS, weitere browser-gestützte Apps, wie beispielsweise Webkarten, Dashboards oder eine App für die mobile Datenerfassung im Gelände (ArcGIS Field Maps) zur Nutzung zur Verfügung. Letztere App bietet die Möglichkeit, Karten und Formulare für die spätere Datenerfassung im Gelände, entsprechend den, für das jeweilige Erfassungsprojekt benötigten Anforderungen durchstädtische Mitarbeiter*innen jeweils maßgeschneidert zu konfigurieren, ohne dass eine aufwändige Programmierung beauftragt werden muss. Mit der mobilen App auf dem Smartphone oder Tablet werden im Anschluss im Gelände Standorte mittels GPS-Ortung lagegenau ermittelt und in den vorbereiteten Formularen zusätzliche Angaben und ggf. Fotos erfasst. Bei Kartierungen in Gebieten mit schlechtem mobilem Datennetz bieten Offline-Karten die Möglichkeit, ohne Internetverbindung zu arbeiten, erhobene Daten werden später synchronisiert.
Für das Verwalten von RKU- bzw. LHM-internen Naturschutz-Fachdaten ist aktuell der Aufbau einer Fachdatenbank in Vorbereitung. Hierbei soll in einem nächsten Schritt das Portal for ArcGIS direkt an die Fachdatenbank angebunden werden. Dies ermöglicht es, künftig mit der mobilen ArcGIS Field Maps App erhobene Artdaten direkt in die Fachdatenbank aufzunehmen.
Nach eingehender Prüfung kann Folgendes festgehalten werden:
Da für die Meldung von Daten zu geschützten Arten durch die Landeshauptstadt München an das LfU für die unteren Naturschutzbehörden die Webanwendung Karla.Natur verbindlich vorgeschrieben ist, kann hierfür keine andere Anwendung zum Einsatz kommen.
Für die mobile Erfassung geschützter Arten oder anderer naturschutzfachlicher Daten im Gelände, für die keine Meldung an das LfU erfolgt, ist geplant, die App ArcGIS Field Maps aus der Umgebung des Portal for ArcGIS einzusetzen. Diese Lösung bietet nach aktuellem Kenntnisstand folgende Vorteile:
- Diese App deckt den benötigten Funktionsumfang ab. Darin könnten u.a. auch Arbeiten zur Sicherung, Kontrolle oder zum Schutz von Standorten bedrohter Tierarten festgehalten werden.
- Die für den Einsatz der App ArcGIS Field Maps benötigte IT-Infrastruktur und Lizensierung, mit der ArcGIS Enterprise Subskription, ist bei der Landeshauptstadt München bereits verfügbar und bei anderen Dienststellen (z.B. beim GeodatenService München oder im Referat für Stadtplanung und Bauordnung) im Einsatz. Es kann daher von einer schnellen, kostengünstigen und ressourcenschonenden Umsetzung ausgegangen werden.
- Durch die Konfigurationsmöglichkeiten der ArcGIS Field Maps App können bestehende Field Maps schnell angepasst bzw. neue Field Maps abgestimmt, auf die für das jeweilige Erfassungsprojekt geltendenAnforderungen erstellt werden, ohne dass eine Beauftragung externer Firmen erforderlich würde.
- Infolge der direkten Verknüpfung der geplanten Fachdatenbank mit dem Portal for ArcGIS stehen Daten, die in der ArcGIS Field Maps App mobil erfasst wurden, zusätzlich direkt für die Weiterverarbeitung in anderen Anwendungen wie Q-GIS oder ArcGIS Pro bereit.
- Mit der Einführung von Portal for ArcGIS können noch weitere Apps wie beispielsweise ArcGIS Dashboards, ArcGIS StoryMaps oder Map Viewer genutzt werden.
Aufgrund der zahlreichen bereits verfügbaren und im Aufbau befindlichen Anwendungen bzw. aufgrund der für die Naturschutzbehörden verbindlich vorgeschriebenen Softwareprodukte des LfU im Bereich der Aufgabenerledigung im übertragenen Wirkungskreis besteht aktuell kein Bedarf, eine weitere Anwendung, wie die Wartungssoftware und -App EineStadt, für die Erfassung geschützter Arten zu beschaffen.
Um Kenntnisnahme der vorstehenden Ausführungen wird gebeten. Ich gehe davon aus, dass die Angelegenheit damit abgeschlossen ist.