Am Samstag, 21. Juni, um 14 Uhr wird in der Seidlvilla am Nikolaiplatz 1b eine Gedenkveranstaltung für Anna Riedner abgehalten. Riedner lebte seit 1912 mit ihren Geschwistern in der Herzogstraße 55. Im Juli 1939 hörte sie auf zu essen und hatte übersteigerte religiöse Ideen. Ihre Schwestern willigten ein, sie in der Heil- und Pflegeanstalt Eglfing-Haar unterzubringen, wo sie bereits Ende der 1920er Jahre behandelt worden war. Hier hatte sich die Versorgung der Patient*innen seit dem Machtantritt der Nationalsozialisten stark verschlechtert. Diejenigen, die als nicht arbeits- und therapiefähig galten, bekamen weniger und schlechteres Essen. Anna Riedner starb am 15. Juni 1941 aufgrund dieser gezielten Mangelversorgung.
Im Rahmen einer Gedenkveranstaltung spricht Stadtrat Stefan Jagel (Die Linke / Die PARTEI Stadtratsfraktion) in Vertretung des Oberbürgermeisters. Weitere Reden halten Historikerin Dr. Sibylle von Tiedemann, sowie Isabella Ruhland für die Familie und Thomas Rock vom Bezirksausschuss 4 (Schwabing-West). Das Gedenken wird musikalisch begleitet von Dr. Eva Tyrell am Cello und Dr. Johannes Trägner-Born am Klavier. Im Anschluss wird ein Erinnerungszeichen in der Herzogstraße 55 gesetzt, wo Riedner lebte.
Erinnerungszeichen werden seit 2018 an Orten angebracht, an denen Menschen lebten, die von den Nationalsozialisten verfolgt und ermordet wurden. Sie bestehen aus gebürstetem Edelstahl und sind vergoldet. Weitere Informationen sind unter www.erinnerungszeichen.de und www.map.erinnerungszeichen.de zu finden.
(Siehe auch unter Terminhinweise)