Die Schriftstellerin Susanne Röckel, das Künstlerkollektiv aus-ARTen und der glitch Bookstore werden für ihre besonderen kulturellen und künstlerischen Leistungen für Schwabing im Sinne seiner Tradition mit den Schwabinger Kunstpreisen 2025 ausgezeichnet.
Gestiftet werden die jährlich verliehenen und mit 5.000 Euro dotierten Preise von Charly und Max Eisenrieder – Café Münchner Freiheit, der Stadtsparkasse München und der Landeshauptstadt München. Über die Vergabe entscheidet eine Jury, die durch das Kuratorium berufen wird. Die Verleihung findet am 3. November vor geladenen Gästen in Kooperation mit dem Seerosenkreis im Künstlerhaus am Lenbachplatz statt. Informationen zum Preis und vollständige Jurybegründungen online unter muenchen.de/schwabinger-kunstpreis.
Auszüge aus den Jurybegründungen:
Susanne Röckel
„Das Schaffen der vielfach ausgezeichneten Münchner Autorin Susanne Röckel, die lange in Schwabing gearbeitet hat und heute in der benachbarten Maxvorstadt wohnt, weist eine enorme Bandbreite auf. Neben Erzählungen und Romanen hat sie zahlreiche Essays geschrieben, die in renommierten Zeitschriften wie ‚Lettre International‘ oder ‚Sinn und Form‘ publiziert wurden. Dabei handelt es sich um alles andere als flüchtige Nebenwerke einer erfahrenen Autorin. Im Gegenteil, im Sinne des umtriebigen, gesellschaftskritischen Schwabinger Geistes, der schon zur Bohème-Zeit der vorletzten Jahrhundertwende den großen Weltenlauf über seine kleinsten Erscheinungsformen evozierte, liegt auf ihnen sogar besonderes Augenmerk. Es sind intellektuelle Kleinode, in denen Susanne Röckel ihre schriftstellerischen Qualitäten nochmal unter erweiterten Vorzeichen unter Beweis stellt, etwa denen von Mythologie, Geschichte und Philosophie. Wie in ihrer Erzählprosa zeigt sich dabei Röckels Gabe, vergessene Orte aufzuspüren und sich Ungewöhnlichem und Übersehenem anzunehmen…“
ausARTen
„ausARTen ist einer der engagiertesten Zusammenschlüsse in München. Er verbindet wichtige aktivistische Arbeit mit den Mitteln der Kunst. Jüdisch – muslimisch – feministisch: Diese drei Begriffe inhaltlich zu füllen, zusammen zu denken, nicht gegeneinander in Stellung zu bringen, das alles gelingt ausARTen immer wieder auf verschiedenste Weise. ‚Perspektiv- wechsel durch Kunst‘ lautet entsprechend der Claim von ausARTen: etwas, das wir mehr denn je nötig haben. ausARTen wurde 2016 gegründet und schafft es seitdem eindrucksvoll, über künstlerische Wege Debattenräume offen zu halten und Menschen aus unterschiedlichen Milieus der Stadtgesellschaft zusammenzubringen. Das Kreativkollektiv steht für eine Gesellschaft, die Unterschiede als Stärke begreift und Vielfalt aktiv lebt…“
glitch Bookstore
„Die vier Gründer*innen des queerfeministischen glitch Bookstore haben dem Ort des legendären ersten Frauenbuchladens Deutschlands, des Lillemor‘s in der Barer Straße 70, eine belebende Verjüngungskur verpasst. So wird eine wegweisende Tradition, die bereits 1975 in Schwabing begonnen hat, unter neuen Prämissen fortgeschrieben. Das mittlerweile auf unglaubliche dreißig Köpfe angewachsene glitch-Kollektiv handelt aus voller Überzeugung. Fast alles wird ehrenamtlich und neben dem Erwerbsberuf erledigt. Kommerzieller Erfolg spielt, wenn überhaupt, nur eine untergeordnete Rolle. Das glitch Bookstore-Team möchte vielmehr einen Raum schaffen, der Platz bietet für Lesungen, Ausstellungen, Vorträge und natürlich queerfeministische Literatur. Der Anspruch dabei: kleine Irritationen auslösen und bestehende Hierarchien hinterfragen...“