Am heutigen 1. Juli, dem Tag gegen antimuslimischen Rassismus, sendet die Stadt ein deutliches Signal der Solidarität an alle Betroffenen. Muslim*innen und muslimisch gelesene Münchner*innen werden im Alltag aufgrund ihrer (angenommenen) Religion häufig als fremd markiert und diskriminiert. Antimuslimischer Rassismus findet dabei in allen Lebensbereichen statt: im öffentlichen Raum, in Behörden und Institutionen, in den Bereichen Gesundheit, Bildung, Wohnen und Arbeit. Im Jahr 2024 wurden bundesweit offiziell 1.848 antimuslimische beziehungsweise islamfeindliche Straftaten erfasst (Quelle: BMI/Bundeskriminalamt: Politisch motivierte Kriminalität im Jahr 2024 – Bundesweite Fallzahlen) – mehr Übergriffe als im Jahr 2023 (1.464). Die Dunkelziffer wird um ein Vielfaches höher geschätzt, denn nur vier Prozent der Betroffenen in Deutschland melden Vorfälle (Quelle: FRA European Union Agency For Fundamental Rights (2024): Being Muslim in the EU).
Bürgermeisterin Verena Dietl findet anlässlich des heutigen Aktionstages deshalb klare Worte: „München ist eine vielfältige Stadt und es muss unser aller Ziel sein, dass sie auch eine sichere und tolerante Stadt für alle Menschen ist. Wer hier Menschen aufgrund ihrer vermeintlichen oder tatsächlichen Religion, Hautfarbe oder Herkunft angreift, greift das Fundament unserer demokratischen Stadtgesellschaft an. All denjenigen, die von Ausgrenzung, abwertenden Äußerungen, rassistischen Übergriffen oder gar körperlichen Angriffen betroffen sind, sprechen wir unser Mitgefühl und unsere volle Solidarität aus. Antimuslimischer Rassismus ist kein Randphänomen. Er ist in der Mitte unserer Gesellschaft angekommen. Und genau deshalb braucht es Klarheit, Haltung und vor allem: Konsequenz. Von uns allen – und besonders von Staat und Verwaltung. Der Islam gehört zu Deutschland und er gehört zu München. “ Dr. Miriam Heigl, Leiterin der städtischen Fachstelle für Demokratie, die mit ihrem Team anlässlich des Aktionstags eine Veranstaltung im Rathaus organisierte, betont: „Die Stadt München hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Vielfalt der Stadtgesellschaft positiv zu gestalten. Das bedeutet auch, Rassismus in all seinen Spielarten aktiv zu bekämpfen. Studien zeigen immer wieder, dass Vorurteile gegenüber Muslim*innen und dem Islam in Deutschland weit verbreitet sind – und zu Diskriminierung führen können.“
Ausgangspunkt für den Tag gegen antimuslimischen Rassismus ist der Mord an der schwangeren Pharmazeutin Marwa El-Sherbini, die am 1. Juli 2009 im Landgericht Dresden aus einem islamfeindlichen Motiv getötet wurde. Wie gewaltvoll antimuslimischer Rassismus in Deutschland sein kann, zeigen auch die rassistischen Morde des NSU, das Attentat am Olympia-Einkaufszentrum und die Messerattacke von Pasing sowie weitere Attentate und Angriffe auf Muslim*innen und muslimisch-gelesene Menschen. Seit 2013 erinnert der 1. Juli jährlich an Marwa El-Sherbini und steht als Mahn- und Aktionstag für eine offene, solidarische und demokratische Gesellschaft.
Bereits am 24. Juni widmete sich die städtische Fachstelle für Demokratie, welche die kommunalen Maßnahmen gegen Rassismus, Antisemitismus und andere Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit koordiniert, dem Thema im Rahmen der Veranstaltung „Antimuslimischer Rassismus als demokratische Herausforderung – Perspektiven aus der Wissenschaft und Praxis“. Im Großen Sitzungssaal des Rathauses diskutierten Özcan Karadeniz (Nationaler Diskriminierungs- und Rassismusmonitor), Birte Freer (CLAIM Allianz) und Bettina Mehić (Lehrerin und Aktivistin) neueste Erkenntnisse aus Wissenschaft und Praxis. Die Moderation übernahm die Journalistin Nabila Abdel Aziz.
Diese jährliche Veranstaltung und eine Illuminierung zu einem muslimischen Feiertag sind zurückzuführen auf den Stadtratsbeschluss „Antimuslimischen Rassismus bekämpfen – Demokratie stärken“ aus dem Jahr 2024. Dieses Jahr wurde zum Ende des muslimischen Fastenmonats
Ramadan anlässlich des Eides al-Fitrs Ende März ein Gruß an die Fassade des Alten Rathauses projiziert.