Vier-Tage-Woche für Pflegekräfte bei der MüK möglich?
Anfrage Stadträtinnen Sabine Bär, Alexandra Gaßmann, Ulrike Grimm, Dr. Evelyne Menges und Veronika Mirlach (Stadtratsfraktion der CSU mit FREIE WÄHLER) vom 14.5.2025
Antwort Gesundheitsreferat:
Ihrer Anfrage liegt folgender Sachverhalt zu Grunde:
„Die Schön Klinik in Harlaching testet seit acht Monaten eine Vier-Tage-Wo- che für ihre Pflegekräfte auf der orthopädisch-unfallchirurgischen Station. Wie der Münchner Merkur berichtet, hat die Klinik mit dem neuen Modell bisher überwiegend positive Erfahrungen gemacht. So habe man inzwischen mehr Bewerbungen von Pflegekräften als freie Stellen und führe sogar eine Warteliste. Außerdem seien seit Einführung des Modells die Krankheitstage zurückgegangen. Auch das Feedback der Patienten sei überwiegend positiv.“
Angesichts des Erfolgs der Klinik stellen sich für die Landeshauptstadt München auch einige Fragen, die Sie an Herrn Oberbürgermeister Reiter in Ihrer Anfrage übersendet haben.
Herr Oberbürgermeister Reiter hat mir Ihre Anfrage zur Beantwortung zugeleitet.
Die in Ihrer Anfrage aufgeworfenen Fragen beantworte ich unter Berücksichtigung der Stellungnahme der München Klinik gGmbH (MüK) wie folgt:
Frage 1:
Hat sich die Geschäftsführung der MüK grundsätzlich schon einmal mit einem Vier-Tage-Modell für Pflegekräfte beschäftigt?
Antwort:
Die Arbeitsdirektorin befasst sich seit Mitte letzten Jahres mit der Einführung von 12-Stunden-Schichten, da sie in früheren Wirkungsstätten gute Erfahrungen damit gemacht und selbst in diesem Modell gearbeitet hat. Es haben sowohl im Funktionsbereich als auch in der stationären Pflege Gespräche zur Ermittlung von Pilotbereichen stattgefunden. Wegen der zahlreichen Migrationen, auch im Kontext von Großbaumaßnahmen – Inbetriebnahme Bogenhausen und Harlaching in 2025 – werden die Piloter auf Wunsch der Pflege erst nach erfolgreichem Umzug und Etablierung in den neuen Strukturen starten.Im Nachfolgendenden wird stichpunktartig erläutert, welche allgemeinen und inhaltlichen Voraussetzungen für die Einführung einer 12-Stunden-Schicht notwendig sind:
1. Voraussetzungen allgemein:
a) Freiwilligkeit jedes Mitarbeitenden
b) Bereitschaft der Teams, sich auf einen Dienstzeitenmix mit 12-Stundenschichten im Versorgungsprozess einzulassen
c) Bereitschaft der Leitung, ein aufwändiges Planungsmodell (Erfahrungswert bei einem Team von ca. 70 Mitarbeitenden – Dauer der Dienstplanerstellung ist rund eine Arbeitswoche) einzuführen
d) Zustimmung des Betriebsrates
e)Anpassung der Schnittstellen im Versorgungsprozess (z. B. Visiten- und Übergabezeiten)
2. Voraussetzungen inhaltlich:
a) Mitarbeitende müssen sich nicht für ein Modell, z.B. ausschließlich 12-Stunden-Schichten entscheiden.
b) Es sind in jedem Dienstplanzyklus pro Mitarbeitenden verschiedene Dienstzeitenmodelle nutzbar. Aus der Erfahrung kann berichtet werden, dass die Mitarbeitenden auch die Möglichkeit haben müssen, Monate gänzlich auf 12-Stunden-Schichten zu verzichten, damit das Modell dauerhaft Erfolg haben kann.
c) Voraussetzung ist die Bildung eines Tandems für 12-Stunden-Schichten, d.h. 24-Stunden werden auf zwei Personen geteilt.
d) Der Dienstplan gestaltet sich im Grundgerüst als Wunschdienstplan (so genanntes Dienstplan-Tetris).
e) Soweit nach Freigabe des Dienstplanes Änderungswünsche auftreten, haben sich die Tandems selbst zu organisieren (Diensttausch)
Allgemein ist festzuhalten, dass Dienstplanmodell und auch 12-Stunden-Schichten für manche Lebensphasen sehr interessant sind, z.B. für ungebundene (oftmals junge) Pflegepersonen, weil die Sollarbeitszeit mit weniger Diensten erreicht werden kann. Aber auch Mütter mit Kindern, die während der Anwesenheit anderer Betreuungspersonen eine höhere Teilzeitquote erreichen können, interessieren sich dafür (z.B. Nacht- und WE-Dienste, wenn die Lebenspartner*Innen die Betreuung übernehmen können); oder auch für Personen, die beständig Überstunden leisten. Das Modell ist auch im Funktionsdienst (z.B. OP) denkbar – hier ist der Schnittstellenabstimmungsbedarf auch insbesondere auf OP-Planung/die Anästhesie und die Aufbereitungseinheit für Medizinprodukte (AEMP) auszurichten. Sowohl im operativen Bereich als auch im stationären Bereich wurden bereits mögliche Piloten ausgemacht.
Frage 2:
Wenn ja, ließe sich ein Konzept wie jenes der Schön Klinik überhaupt auf einen Maximalversorger wie die MüK übertragen?
Antwort:
12-Stunden-Schichten sind in jeder Klinikstruktur denkbar und erleben nun eine Renaissance. Ende der 80er und 90er Jahre des letzten Jahrhunderts waren 12-Stunden-Schichten insbesondere in Funktionsbereichen, OP und im Nachtdienst weit verbreitet.
In München bieten beispielsweise auch die Barmherzigen Brüder 12-Stunden-Schichten im Intensivbereich an. Die München Klinik war mit verschiedenen Stakeholdern zum Erfahrungsaustausch vor Ort.
Frage 3:
Wenn ja, wie könnte gewährleistet werden, dass die Belegschaft der MüK bei der Umsetzung bestmöglich eingebunden wird?
Antwort:
Zunächst ist entscheidend, dass die Piloteinheiten ein Interesse an dem Dienstmodell haben und eine Form gefunden wird, die ein Mischmodell zulässt. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass keine Einheit gezwungen wird, auf 12-Stunden-Schichten umzusteigen.
Darüber hinaus sind die Schnittstellen zu klären, insbesondere in Funktionsbereichen, da dann z.B. auch mit anderen am Versorgungsprozess beteiligten Berufsgruppen über Prozessanpassungen ein Austausch stattfinden muss.
Hierzu ist auch ein intensiver Austausch mit dem Betriebspartner notwendig.
Da die München Klinik auch heute schon mehrere tausend Arbeitszeitmuster hat, ist durchaus denkbar, dass nur einzelne Bereiche sich für 12-Stunden-Schichten entscheiden können.
Frage 4:
Wenn ja, gibt es schon ein Stimmungsbild aus der Belegschaft zum Thema „Vier-Tage-Woche“?
Antwort:
Es gibt aus der Berufsgruppe der Pflege je nach Lebensphase und persönlicher Situation ein gemischtes Bild, jedoch durchaus Interesse.
Frage 5:
Welche Vorteile, bei gleichzeitiger Betrachtung der Nachteile, böten verlängerte Schichten im Betriebsmodell einer Klinik (z.B. bezüglich der OP- Pflege)?
Antwort:
Je nach Ausgangs-Setting (Anzahl bereits bestehender Dienstmodelle, Prozesseinbindung, Schnittstellen, beteiligte andere Berufsgruppen) ergeben sich unterschiedliche Szenarien – dies lässt sich nicht pauschal beantworten.
Die Arbeitsdirektorin bietet Ihnen hierzu gerne einen Austausch an, da viele Punkte dargestellt werden können.
Die Gleichstellungsstelle für Frauen hat das Antwortschreiben mitgezeichnet.