Fake News, Cybermobbing, Datenschutzprobleme und ständige Erreichbarkeit – die digitale Welt stellt Jugendliche vor große Herausforderungen. In München haben gestern 70 neue Medienscouts das Ende ihrer einjährigen Ausbildung gefeiert. Die Schüler*innen werden ihre Schulen zukünftig bei Formaten der Medienbildung ebenso wie bei Digitalprojekten unterstützen. Stadtschulrat Florian Kraus hat den Teilnehmenden ihre Abschlussurkunden überreicht und das Engagement von Schüler*innen und Lehrkräften gewürdigt.
Gerade im Schulalltag zeigt sich, wie groß der Bedarf an Aufklärung und Begleitung im Umgang mit digitalen Medien ist. Um die Schulfamilien bei diesen Themen zu stärken, bildet die Landeshauptstadt München interessierte Schüler*innen zu sogenannten Medienscouts aus. Die Ausbildung erfolgt im Rahmen eines einjährigen Wahlkurses. Jetzt ist der zweite Jahrgang von Medienscouts verabschiedet worden, erstmalig gemeinsam mit Medienscouts aus Augsburg. 70 Schüler*innen aus zehn Münchner Schulen haben ihre Abschlussurkunden aus der Hand von Stadtschulrat Florian Kraus erhalten, 70 Schüler*innen aus Augsburg aus der Hand von Augsburgs Bürgermeisterin Martina Wild. Ab dem kommenden Schuljahr werden sie ihre jeweiligen Schulen bei unterschiedlichen Formaten der Medienbildung unterstützen, sich aber auch bei Aktivitäten wie Coding-Projekten oder der Einrichtung von Makerspaces engagieren.
Inhaltliche Module der Medienscout-Ausbildung
Zu der Ausbildung, die der Fachbereich Medienbildung des Pädagogischen Instituts – Zentrum für Kommunales Bildungsmanagement (PI ZKB ) ausgearbeitet hat, gehören Module wie „Social Media“, „Cyberkriminalität“ und „Extremismus auf TikTok“. Auch die LOVE-Storm-Ausbildung gegen HateSpeech ist Teil des Programms sowie eine Aufklärung zum erhöhten Risiko von HateSpeech für weiblich gelesene Personen. Zusätzlich zu den medienkritischen Inhalten beinhaltet die Ausbildung praxisorientierte Module, unter anderem im Bereich des Making, Coding und Gaming. Dafür steht den Medienscouts der neu eröffnete campus42 zur Verfügung, ein zentraler Ort für medienpädagogische Innovationen.
Kooperation von München und Augsburg
Die Schüler*innen absolvieren die Module im Rahmen von vier Weiterbildungstagen und mehren individuellen Terminen. Zu den Referent*innen gehören ausgebildete Medienpädagog*innen sowohl aus München als auch aus Augsburg. Seit diesem Jahr kooperieren beide Städte bei der Medienscout-Ausbildung und erweitern dadurch die Bandbreite der angebotenen Themen und Expertisen. Neben den Schüler*innen nehmen auch Lehrkräfte der beteiligten Schulen an der Medienscout-Ausbildung teil. Sie werden gesondert geschult, um die Aktivitäten der Medienscouts im Schulalltag begleiten und unterstützen zu können.
Sicherheit und Unterstützung im Medienscouts-Netzwerk
Die Tätigkeit der Medienscouts ist fordernd und kann auch persönlich belastend sein. Daher können sie auch nach Ende der Ausbildung auf die Unterstützung der Lehrkräfte und der verantwortlichen Medienpädagog*innen des PI ZKB zugreifen. Wichtig ist auch der Erfahrungsaustausch mit anderen Medienscouts. Um das zu fördern, veranstaltet die Stadt regelmäßige Netzwerktreffen.
Die Resonanz auf die Ausbildung ist groß, berichten die Verantwortlichen beim PI ZKB. Die Schulen, die das Programm zur Medienscouts-Schule im kommenden Schuljahr durchlaufen, stehen fest, zur Einstimmung nahmen ihre Lehrkräfte bereits an der Abschlussveranstaltung teil. Für das Schuljahr 2026/27 können sich interessierte Schulen ab Frühjahr 2026 bewerben, Informationen dazu gibt es unter https://medienbildung-muenchen.de/medienscouts.
Bürgermeisterin Verena Dietl: „Das Geld, das die Landeshauptstadt München für die Ausbildung der Münchner Medienscouts ausgibt, ist sehr gut investiertes Geld. Verbale Gewalt im Klassenchat oder in den sozialen Medien kann gute Bildungsarbeit vereiteln, weil sie die Atmosphäre im Klassenzimmer vergiftet oder den Schulbesuch von betroffenen Schüler*innen unerträglich macht. Daher ist Medienbildung für mich ein wichtiges Instrument gelebter Bildungsgerechtigkeit.“
Stadtschulrat Florian Kraus: „Gerade im Bereich der digitalen Medien ist es wichtig, auf Augenhöhe zu agieren. Dafür eignen sich Schüler*innen besser als jede Lehrkraft. Ich bin daher ein großer Anhänger der Medienscout-Idee und nicht überrascht, dass die Nachfrage nach dem Münchner Modell hoch ist. Vielen Dank allen Beteiligten für ihr großes Engagement im Sinne einer harmonischen, positiven Schulkultur.“
Teilnehmende Schulen aus München waren: Städtische Carl-Spitzweg-Realschule, Städtische FOS Gestaltung, Mittelschule Rockefellerstraße, Städtisches Louise-Schröder-Gymnasium, Städtische Rudolf-Diesel-Realschule, Städtische Realschule an der Blutenburg, Max-Planck-Gymnasium, Städtische Elly-Heuss-Realschule, Gymnasium München Nord und Städtische-Werner-von-Siemens-Realschule.

Die Medienscouts aus München und Augsburg feiern das Ende ihrer einjährigen Ausbildung (Foto: Sebastian Gabriel/LHM)