Der Stadtentwässerungsausschuss des Stadtrates hat jetzt zwei bedeutende Projekte auf den Weg gebracht: den ersten Abschnitt der Erneuerung der Wärme- und Kälteinfrastruktur im Klärwerk Gut Großlappen sowie den Neubau eines Beckenüberlaufs am Regenüberlaufbecken Leinthaler Brücke, an der Stadtgrenze zur Gemeinde Unterföhring. Beide Projekte tragen zu einem möglichst energieeffizienten Betrieb sowie zu Ressourcen- und Gewässerschutz bei.
Wärme-Kälte-Konzept auf dem Klärwerk Gut Großlappen
Auf dem Klärwerk Gut Großlappen kann die Münchner Stadtentwässerung (MSE) dank grünem Licht des Stadtentwässerungsausschusses die Energieversorgung auf dem Werksgelände weiter optimieren. Konkret soll das interne Versorgungsnetz des größten Münchner Klärwerks in zwei Bauabschnitten dahingehend weiterentwickelt werden, dass die Abwärme bestehender Wärmemittenten, wie etwa die der drei großen zur Faulgasverstromung benötigten Gas-Otto-Motoren, nutzbar gemacht werden kann. Auch gilt es, die in Bau befindliche neue Klärschlammverbrennungsanlage ins Wärme-Kälte-Netz des Klärwerks zu integrieren. Zudem benötigt das Wärmenetz insbesondere in den Sommermonaten einen technischen Überhitzungsschutz.
Viel Wärme benötigen insbesondere die Faulbehälter. Die biochemischen Prozesse in ihrem Innern sind auf ein bestimmtes thermisches Niveau angewiesen. Der Ausbau der Wärmerückgewinnung trägt somit dazu bei, dass möglichst viel der benötigten Energie im Kreislauf verbleiben kann und so etwa auch für das Heizen der Betriebs- und Verwaltungsgebäude zur Verfügung steht. Für das Ziel, einen möglichst hohen Eigenversorgungsgrad zu erreichen, setzt die MSE auf Gut Großlappen bereits umfangreich auf Energieerzeugung aus nachhaltigen Ressourcen: im Wesentlichen Klärgas aus Klärschlamm, Strom über den hauseigenen Photovoltaik-Park sowie über die Abwasserturbine des Klärwerks. Bernd Fuchs, kaufmännische Werkleitung der MSE: „Wir investieren nicht nur in die notwendige moderne Technik. Wir sparen mit der Erneuerung auch Betriebskosten ein, da eine Wärmeerzeugung durch fossile Energieträger auch im Winter nicht mehr notwendig ist. Das macht für uns diese Investition zusätzlich attraktiv.“
Der energieintensive Klärwerksbetrieb bedarf zudem großer Mengen an Kälte sowie Kühl- und Betriebswasser. Entsprechend verfügt das Klärwerk Gut Großlappen über eine komplexe Versorgungsinfrastruktur. Die MSE hat diese auch schon in der Vergangenheit fortlaufend modernisiert und an sich verändernde Rahmenbedingungen angepasst und kann diesen kontinuierlichen Prozess nun bedarfsgerecht vorantreiben.
Die Kosten für den ersten Bauabschnitt des Projekts Wärme-Kälte-Konzept beträgen knapp fünf Millionen Euro. Der Baubeginn ist für Ende 2026 geplant und das Vorhaben soll bis Ende 2027 realisiert werden.
Neuer Beckenüberlauf am Rückhaltebecken Leinthaler Brücke
Um die Wasserströme im Rückhaltebecken an der Leinthalter Brücke künftig optimal steuern und die Absetzwirkung verbessern zu können, hat der Stadtentwässerungsausschuss auch den Bau eines neuen Beckenüberlaufs beschlossen. Mithilfe neuer technischer Einbauten soll zudem der Wasserfluss künftig bedarfsgerecht gesteuert werden können. Die baulichen Maßnahmen bringen neben den Vorteilen für den technischen Betrieb auch ein zusätzliches Rückhaltevolumen von 19.000 Kubikmetern im Kanalnetz. Das entspricht dem Volumen von fast acht olympischen Schwimmbecken. Die Maßnahme trägt auch unmittelbar zum Gewässerschutz bei, da bei extremen Niederschlagsereignissen ein großes Rückhaltevolumen verhindert, dass verschmutztes Wasser ungeklärt in die Bäche und damit in die Isar gelangt.
Zudem legt die MSE bei der Umsetzung des Projektes großen Wert auf eine möglichst nachhaltige Bauweise. „Beim Bau, besonders bei materialintensiven Vorhaben, wie bei Kanalbau und -sanierung, achtet die Münchner Stadtentwässerung auf umweltverträglichen und ressourcensparenden Materialeinsatz“, hält Robert Schmidt, technische Werkleitung der MSE zur Maßnahme fest und ergänzt: „Hervorzuheben ist hier, dass der Einsatz des für den Bau unverzichtbaren Zements bis zu 50 Prozent niedriger ist als bei vergleichbaren Varianten. Dies führt zu Kosteneinsparungen und umweltverträglichem Bauen.“
Das Speicherbecken an der Leinthaler Brücke verfügt über ein Fassungsvolumen von 44.000 Kubikmetern. Das gesamte von der MSE gemanagte Rückhaltevolumen beträgt mehr als 700.000 Kubikmeter. Das Projekt „Neubau eines Beckenüberlaufes am Regenüberlaufbecken Leinthaler Brücke“ soll bis Mitte 2029 umgesetzt werden und umfasst Kosten von etwa 45 Millionen Euro.
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Das Klärwerk Gut Großlappen (Foto: Münchner Stadtentwässerung)
Über die Münchner Stadtentwässerung
Mit mehr als 1.000 Mitarbeiter*innen kümmert sich die MSE um die Abwasserentsorgung der Stadt München und angrenzender Kommunen. Dazu gehören auch Planung, Bau und Betrieb der Anlagen zur Abwasserableitung und Abwasserreinigung mitsamt komplexer und hochmoderner Verfahrenstechnik.
Ein Kanalnetz von rund 2.400 Kilometern Länge liegt im Münchner Untergrund verborgen. Die oberste Aufgabe ist der Gewässerschutz. Dafür hält die MSE das Abwassernetz in Stand, saniert und baut es fortlaufend aus. Herzstücke der Abwasserreinigung sind die beiden Großklärwerke im Münchner Norden. Sie verfügen über eine Kapazität von insgesamt drei Millionen Einwohnerwerten und reinigen durchschnittlich eine halbe Million Kubikmeter Abwasser pro Tag von Haushalten und Industrie aus München und der Region.
Achtung Redaktionen: Mehr Informationen finden sich in den Beschlüssen des Stadtentwässerungsausschusses des Stadtrats vom 15. Juli 2025 (Sitzungsvorlagen Nr. 20-26 / V 16706 zu Erneuerung der Wärme- und Kälteinfrastruktur bzw. 20-26 V 16702 zu Neubau eines Beckenüberlaufs am Regenüberlaufbecken Leinthaler Brücke).