Die Künstlerin Cana Bilir-Meier wird für ihr außerordentliches Engagement und ihre besonderen Verdienste mit dem Kunstpreis der Stadt München ausgezeichnet. Dies hat jetzt der Stadtrat in seiner Sitzung des Kulturausschusses auf Empfehlung der Jury beschlossen.
Der mit 10.000 Euro dotierte Kunstpreis wird alle drei Jahre für das herausragende Gesamtwerk von Künstler*innen beziehungsweise eines Teams verliehen, die in München oder der Region leben oder eine enge Verbindung zu München als Ort ihres Schaffens haben. Bisherige Preisträger*innen sind Rudolf Wacher, Rudi Tröger, Herbert Peters, Urs Lüthi, Bodo Buhl, Beate Passow, Olaf Metzel, Stephan Huber, Michaela Melián, Stephan Dillemuth, Eva Leitolf, Barbara Gross und zuletzt Cosy Pièro.
Die Jurybegründung:
„Cana Bilir-Meiers Werk bewegt sich an der Schnittstelle von bildender Kunst, Film, Performance und aktivistischer Praxis. Ihre Arbeiten zeichnen sich durch eine präzise ästhetische Sprache bei gleichzeitigem gesellschaftspolitischem Engagement aus. Mit großer Sensibilität und analytischer Schärfe thematisiert sie Fragen von Erinnerungskultur, Migration, Rassismus, kollektiven Identitäten und Widerstand. Ihr Werk gibt marginalisierten Perspektiven Sichtbarkeit und erweitert damit den Kanon der deutschen und internationalen Gegenwartskunst auf bedeutende Weise. Alle Themen ihrer künstlerischen Aktivität sind von großer Dringlichkeit. Besonders hervorzuheben ist ihr langjähriges Engagement für eine dekoloniale, antirassistische und feministische Kunstpraxis. In filmischen Arbeiten wie auch in installativen und partizipativen Formaten gelingt es ihr, komplexe historische und gegenwärtige Realitäten sichtbar und erfahrbar zu machen. Ihre Werke fordern zur Reflexion heraus, ohne didaktisch zu sein – sie eröffnen Räume für Empathie, Irritation und Transformation. Ebenso engagiert sich Cana Bilir-Meier in antirassistischen Bürgerinitiativen in München und überregional. Dabei agiert sie nicht nur als Künstlerin, sondern auch als Vermittlerin, in der Lehre und als engagierte Bürgerin. Sie schafft kollaborative Strukturen, vereint aktivistische, wissenschaftliche und künstlerische Perspektiven und leistet so einen maßgeblichen Beitrag zur Weiterentwicklung zeitgenössischer Kunstformen und -diskurse. Sie ist Teil einer Generation von Künstler*innen, die mit Nachdruck darauf hinwirken, dass Kunst nicht nur ästhetische Perspektiven propagiert, sondern als Motor gesellschaftlicher Veränderung zur Verfügung steht. Beispielhaft dafür sind ihre Zusammenarbeit mit dem Kollektiv „NSU-Komplex auflösen“ (2014), die Initiative in Gedenken an die Schriftstellerin Semra Ertan (seit 2019) sowie ihre künstlerische und aktivistische Arbeit zur Aufklärung nach dem rassistischen Anschlag am Münchner Olympia-Einkaufszentrum (OEZ) im Jahr 2016, Letzteres in Zusammenarbeit mit Familienmitgliedern der ermordeten Jugendlichen.
Cana Bilir-Meier ist eine künstlerische Persönlichkeit, deren Werk sowohl lokal als auch international Maßstäbe setzt. Mit dem Kunstpreis der Stadt München wird ihr herausragendes Gesamtwerk gewürdigt.“
Der Preis wird im Laufe des Jahres vor geladenen Gästen übergeben. Informationen zum Preis und Mitglieder der Jury unter http://www.muenchen.de/kunstpreis