Die Vollversammlung des Stadtrats hat jetzt die Bildungsbaubudgets der Bauprogramme für die Jahre 2028 (709 Millionen Euro) sowie 2029 (726 Millionen Euro) genehmigt. Der bedarfsgerechte Ausbau und Erhalt der Bildungsinfrastruktur steht damit unverändert im Zentrum des städtischen Handelns, auch wenn in diesem Bereich erneut ein wichtiger Beitrag zur Konsolidierung des Stadthaushalts geleistet wird.
Trotz der erforderlichen Anpassungen umfasst die Bildungsbauoffensive immer noch 9,4 Milliarden Euro, mit denen pädagogisch und funktional wertvolle, klimagerechte Neu- und Erweiterungsbauten von Schulen und Kindertageseinrichtungen sowie Generalsanierungen bestehender Bildungseinrichtungen finanziert werden.
Von den nach aktuellem Stand 105 Schulbauprojekten aus sechs Schulbauprogrammen wurden bereits 51 fertiggestellt, 17 weitere befinden sich in Bau und sieben in der Entwurfsplanung. Die weiteren befinden sich in frühen Planungsphasen. Zum Schuljahresbeginn 2025/26 werden weitere 11 Schulbauprojekte in Betrieb gehen (Neu- und Erweiterungsbauten) und zahlreiche Kitas fertiggestellt.
Angepasste Projektplanungen
Bildungsbau wird auch zukünftig ein Investitionsschwerpunkt der Stadt bleiben, so die klare Botschaft des Stadtrats. Unterschiedliche Faktoren bewirken allerdings, dass Projektplanungen angepasst werden müssen. Zu den Herausforderungen gehören die angespannte städtische Haushaltssituation, Preissteigerungen im Baubereich und der allgemeine Personal- und Fachkräftemangel. Gleichzeitig bewirken die Wiedereinführung des neunjährigen Gymnasiums (G9), neue Wohnbauplanungen und der ab 2026 bestehende Rechtsanspruch auf ganztägige Betreuung für Kinder im Grundschulalter einen höheren Bedarf an Schul- und Kitaplätzen.
Neue Prognosedaten ermöglichen verantwortungsvolle Priorisierung
Im Frühjahr konnte eine neue, akribische Überprüfung der geplanten Bildungsbauprojekte durchgeführt werden. Grundlage waren aktualisierte Prognosen zur Bevölkerungsentwicklung, Wohnbauraten und die Überprüfungen des baulichen Zustands der Bestandsgebäude. Da es Handlungsspielräume vor allem in den frühen Projektphasen gibt, standen dabei vorrangig Maßnahmen des 3. bis 6. Schulbauprogramms im Fokus. Im Ergebnis konnten so Projekte identifiziert werden, deren Fertigstellung sich zeitlich verschieben lässt, ohne die kommunale Pflichtaufgabe der Sicherstellung der Schulversorgung zu gefährden. Beispielhaft sei hier die neue Grundschule Triebstraße (Botanikum) genannt. Da es dort zu zeitlichen Anpassungen im Bebauungsplanverfahren gekommen ist, lässt sich auch die Schulbaumaßnahme verschieben.
Darüber hinaus konnte das Mehrjahresinvestitionsprogramm aufgrund der oben genannten Faktoren um weitere acht Schul- und eine Kitabaumaßnahme gekürzt werden. Diese Maßnahmen werden pausiert und sollen – soweit dann erforderlich – zu einem späteren Zeitpunkt in ein künftiges Bauprogramm eingebracht werden. Dadurch lässt sich ab 2025 bis 2028 und darüber hinaus eine Reduktion von 660 Millionen Euro im Mehrjahresinvestitionsprogramm erzielen. So ist beispielsweise das geplante Haus für Kinder in der Pippinger Straße auf Basis der neuen Prognosedaten des Referates für Stadtplanung und Bauordnung derzeit nicht mehr erforderlich. Ebenso ermöglichen die prognostizierten reduzierten Bedarfe an der Grund- und Mittelschule Alfonsstraße eine Pausierung des Projekts.
Weitere Anstrengungen zur Konsolidierung und Kostenreduzierung
Auch die Anstrengungen zur Reduzierung der Baukosten greifen. Insgesamt konnten das Referat für Bildung und Sport und das Baureferat die Baukosten im Schulbau im Jahr 2025 um 2,4 Prozent sowie im Jahr 2026 um 3,3 Prozent reduzieren. Damit kann die für 2026 beschlossene Baukostenreduzierung von 2,5 Prozent mehr als erfüllt werden.
Im Rahmen der nächsten geplanten Beschlussvorlage zur Bildungsbauoffensive im November 2025 sollen Ergebnisse zu möglichen (weiteren) Baukostenreduzierungen und zusätzlichen Konsolidierungspotenzialen insbesondere aus dem laufenden Abgleich mit Wohnungsbaudaten bzw. Prognosen, vertieften Überprüfungen des baulichen Zustands der Bestandseinrichtungen und möglichen Verfahrensoptimierungen vorgestellt werden.
Einsparpotenzial im Rahmen der Lebenszyklusbetrachtung
Die Bildungsbauprojekte werden kontinuierlich in Hinblick auf weitere Einsparmöglichkeiten überprüft. Für die Stadt ist dabei die sogenannte Lebenszyklusbetrachtung ausschlaggebend. Die Analyse der Lebenszykluskosten von Gebäuden zeigt, dass etwa 80 Prozent der Gesamtkosten von Hochbauprojekten in der Nutzungsphase anfallen. Das Ziel bei Planung und Bau der Bildungseinrichtungen ist daher, flexible, mehrfach nutzbare Räume und Flächen, langlebige Materialien und Techniken mit geringen Betriebskosten auszuwählen. Wenn dies gelingt, spricht man von einer lebenszyklusoptimierten Planung, bei der die Investitionskosten in der Einrichtung etwas höher sein können als bei einer konventionellen Planung, sich über den Lebenszyklus jedoch rechnen. Die Optimierungsgewinne erscheinen dann in der Betriebsphase, nicht jedoch kurzfristig in der Planungs- und Bauphase.
In diesem Zusammenhang sind auch die Standards zu verstehen, die die Stadt in Bezug auf energieeffizientes und klimagerechtes Bauen umsetzt und die Emissionen und Betriebskosten nachhaltig senken.
Städtische Klimaverantwortung
Die Münchner Bildungsbauoffensive setzt konsequent auf Klimaschutz und Energieeffizienz. Im Fokus stehen der Ausbau erneuerbarer Energien mit Photovoltaik und Wärmepumpen sowie die Einhaltung des Energieeffizienz-Gebäudestandards EG 40 im Neubau. Nachhaltiges Bauen wird durch Holzhybridbauweise und die Wiederverwendung von Baustoffen wie RC-Beton gefördert, um Ressourcen und Emissionen zu reduzieren. Aktuell sind mehrgeschossige Holzhybrid-Schulprojekte in Planung oder Umsetzung, die gemeinsam mit der Technischen Universität München und der Branddirektion entwickelt wurden und einen neuen städtischen Standard für nachhaltiges Bauen setzen. Für die Projekte konnten Bundesförderungen für effiziente Gebäude beantragt werden.
Bürgermeisterin Verena Dietl: „Die Münchner Bildungsbauoffensive verbessert die Bildungsinfrastruktur in München für Generationen. Dass wir jetzt einige Projekte im Zuge der gesamtstädtischen Haushaltskonsolidierung zurückstellen müssen, ändert an der hohen Wirksamkeit der Maßnahmen nichts. Schritt für Schritt verfolgen wir unser Ziel, jedem Kind in München gleiche Bildungschancen und erfolgreiche gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen. Es gilt weiterhin: Keine Kommune in Deutschland investiert auch nur annähernd so viel in ihre Schulen wie München.“
Stadtschulrat Florian Kraus: „Oberstes Ziel der Landeshauptstadt bleibt, die Bildungsgerechtigkeit in unserer heterogenen Stadt zu erhöhen. Der Ausbau der Bildungsinfrastruktur stellt dafür ein wichtiges Erfolgskriterium dar, das wir weiterhin mit mehr Mitteln fördern als jede andere Kommune in Deutschland. Allerdings entscheidet nicht nur das Volumen, sondern vor allem das pädagogische Konzept über die Qualität von Bildungsbau. Das Münchner Lernhauskonzept schafft beides: zeitgemäße pädagogische Konzepte umzusetzen und wirtschaftlich zu bauen. Es wird daher auch weiterhin das Standardraumprogramm für unsere neuen Schulen bleiben.“
Baureferentin Dr.-Ing. Jeanne-Marie Ehbauer: „Schulen sind Häuser für unsere Zukunft. Es ist unsere Verantwortung, den Bildungsbau klima- und ressourcenverantwortlich zu gestalten. Um zukunftsverantwortliches Bauen und Konsolidierungserfordernisse zu vereinbaren, setzen wir weiterhin alles daran, Fördermöglichkeiten umfassend ausschöpfen. Darüber hinaus stellen wir die maßgeblichen Weichen für eine gesamtwirtschaftliche und nachhaltige Planung in der frühen Phase der Projektentwicklung. So können wir beispielsweise beim Projekt ‚Ludwigsfeld‘ auf derselben Fläche nicht nur eine Grundschule realisieren, sondern zusätzlich eine Förderschule auf einem gemeinsamen Campus errichten. Diese Synergien führen zu erheblichen Einsparungen in Millionenhöhe und deutlich geringerem Flächenverbrauch.“