Schon wieder Sperrung der S-Bahn-Stammstrecke trotz Großveranstaltungen: Wie kann das verhindert werden?
Anfrage Stadtrats-Mitglieder Nicola Holtmann und Tobias Ruff (Fraktion ÖDP/München-Liste) vom 12.5.2025
Antwort Mobilitätsreferent Georg Dunkel:
In Ihrer Anfrage vom 12.5.2025 legen Sie folgenden Sachverhalt zu Grunde:
„Am Wochenende des 10./11. Mai 2025 war die Münchner S-Bahn- Stammstrecke aufgrund von Bauarbeiten schon wieder gesperrt. Schon wieder war an diesem Wochenende der Veranstaltungskalender übervoll: Parallel fanden die Lange Nacht der Musik, das Frühlingsfest auf der Theresienwiese, der Giro di Monaco, der 100. Geburtstag des Deutschen Mu- seums und ein Heimspiel des FC Bayern statt.
Trotz des absehbaren Andrangs wurden die städtischen Verkehrsangebote offenbar nicht verstärkt. Viele Bürger:innen und der Verein Trambahnfreunde e.V. äußerten ihr Unverständnis darüber, dass solche Überschneidungen immer wieder auftreten. Die Fraktion ÖDP/München-Liste bemängelte zum Beispiel bereits die Sperrungen der Stammstrecke an den Adventswochenenden 2024. Auf unseren Antrag wurde geantwortet, man würde bei künftigen Angebotsplanungen unser Anliegen aufnehmen.1 Das ist aber nun wieder nicht geschehen.
Die wiederholte schlechte Abstimmung zwischen der Deutschen Bahn, dem MVV, der MVG und der Landeshauptstadt München führt regelmäßig zu Unmut bei Fahrgästen und stellt die Funktionsfähigkeit des öffentlichen Verkehrs bei Großveranstaltungen in Frage.
1Antrag und Antwort 20-26 / A 05247“
Herr Oberbürgermeister Reiter hat mir Ihre Anfrage zur Beantwortung zugeleitet: Die verspätete Beantwortung bitten wir zu entschuldigen. Die in der Anfrage aufgeworfenen Fragen beantworte ich wie folgt:
Frage 1:
Wann und auf welchem Weg wurde die Landeshauptstadt München über die Sperrung der S-Bahn-Stammstrecke am 10./11. Mai 2025 informiert?
Antwort:
Die S-Bahn-Stammstrecke ist einer der am höchsten belasteten Schienenwege in Europa. Zur Hauptverkehrszeit verkehren bis zu 30 Züge pro Stunde und Richtung. Somit verkehren pro Tag bis zu 1.000 Züge auf der Stammstrecke. Dementsprechend hoch ist der Wartungsaufwand, um die Strecke instand zu halten. Die Deutsche Bahn setzt hierfür Sperrpausenein, die in der Regel ein ganzes Wochenende dauern. Bereits seit Jahren etabliert ist dabei die Sperrpause am zweiten Maiwochenende sowie am dritten Oktoberwochenende, an dem die Stammstrecke regulär zwischen Ostbahnhof und Pasing gesperrt wird.
Aufgrund zusätzlicher Arbeiten wie beispielswiese die Errichtung und Inbetriebnahme des neuen elektronischen Stellwerks München-Ost mussten diese Sperrpausen in der letzten Zeit jedoch häufiger durchgeführt werden. Über diese Sperrpausen wird dabei jeweils einige Wochen im Voraus informiert, unter anderem auf der Website https://www.s-bahn-muenchen.de/fahren/baustellen/stammstrecke.
Die Stadt München wird dabei über anstehende Baumaßnahmen in der Regel nicht gesondert informiert.
Frage 2:
Welche Abstimmungen finden im Vorfeld geplanter Sperrungen oder Baumaßnahmen zwischen DB Netz, MVV, MVG und der Landeshauptstadt München statt?
Antwort:
Zur Beantwortung dieser Frage haben wir um eine Stellungnahme bei der MVG gebeten. Diese teilte uns Folgendes mit:
„Im Rahmen regelmäßiger Abstimmungen auf Arbeitsebene informieren sich die S-Bahn und die MVG gegenseitig über anstehende Baumaßnahmen und stimmen ggf. Verstärkungsbedarfe ab. Am betreffenden Wochenende beschränkte sich die Verstärkung auf eine Ausweitung des Angebotes der Buslinie 130 und der Linie U4. Aufgrund der Ressourcensituation ist eine großzügige Verstärkung der Tram/U-Bahn derzeit insbesondere bei größeren Sperrungen der Stammstrecke leider nicht realisierbar.“
Frage 3:
Gibt es regelmäßige Koordinierungsrunden zu Großveranstaltungen und Infrastrukturmaßnahmen? Falls nein: Plant die Landeshauptstadt, solche Formate künftig einzuführen oder einzufordern?
Antwort:
Im Vorfeld geplanter Sperrungen finden in der Regel keine Koordinierungsrunden statt. Die Bauherr*innen DB InfraGo sowie MVG achten in ihrer Baustellenplanung bereits darauf, dass diese nicht zu Zeiten wichtiger Großveranstaltungen wie dem Münchner Oktoberfest, absehbaren Großmessen oder Konzerten stattfinden. Zudem wird versucht, Baumaßnahmen zeitlich und räumlich so zu koordinieren, dass sich diese nicht gegenseitig beeinflussen.
Aufgrund der großen Anzahl an Veranstaltungen im Stadtgebiet wird es jedoch nie vollständig möglich sein, eine zeitliche Überschneidung von Veranstaltungen und Baumaßnahmen komplett zu verhindern. Die Einrichtung einer solcher zusätzlichen Koordinierungsrunde erachten wir daher als nicht zielführend.
Frage 4:
Welche Möglichkeiten hat die Stadt, auf MVG oder MVV einzuwirken, damit bei Ausfällen oder Sperrungen das städtische Angebot gezielt angepasst oder ausgeweitet wird?
Antwort:
Für die Betriebsplanung, also auch die Planung von Schienenersatzverkehren oder die Verstärkung von Grundtakten anderer Verkehrsmittel, sind die Verkehrsunternehmen selbst zuständig. In der Vergangenheit gab es beispielsweise häufiger eine durch die Deutsche Bahn bestellte Taktverdichtung auf der Linie 19 oder der U5.
Wir gehen zudem davon aus, dass die Verkehrsunternehmen alles daransetzen, die Auswirkungen auf ihre Fahrgäste möglichst gering zu halten. Eine Intervention seitens der Stadt München wäre insofern wenig zielführend.
Frage 5:
Welche Maßnahmen sieht der Oberbürgermeister, um die Abstimmung zwischen den Verkehrsakteuren insgesamt zu verbessern – insbesondere im Hinblick auf die Verlässlichkeit und Belastbarkeit des Nahverkehrs bei Großereignissen?
Antwort:
Siehe Antwort auf 4. Wir weisen zudem darauf hin, dass Baumaßnahmen häufig bereits Jahre im Voraus geplant werden und daher nicht beliebig abgesagt und verschoben werden können. Veranstalter*innen können zudem darauf achten, Veranstaltungen nicht für das zweite Maiwochenende oder das dritte Oktoberwochenende zu planen, da hier jährlich wiederkehrend Baumaßnahmen stattfinden.
Um Kenntnisnahme von den vorstehenden Ausführungen wird gebeten. Wir gehen davon aus, dass die Angelegenheit damit abgeschlossen ist.