Im NS-Dokumentationszentrum München, Max-Mannheimer-Platz 1, findet am Mittwoch, 24. September, um 19 Uhr eine Lesung aus dem Buch „Unerwünscht. Die westdeutsche Demokratie und die Verfolgten des NS-Regimes“ mit Stefanie Schüler-Springorum und Mirjam Zadoff statt.
In ihrem neuen Buch stellt die renommierte Historikern Stefanie Schüler-Springorum erstmals die westdeutsche Nachkriegsgesellschaft aus Sicht der Menschen dar, die im Nationalsozialismus verfolgt wurden. Damit erzählt sie eine bislang weitgehend ausgeblendete Geschichte. Sie schildert die Erfahrungen von überlebenden Jüdinnen*Juden und Sinti*zze und Rom*nja, von ehemaligen Zwangsarbeitern und Homosexuellen im westlichen Teil Deutschlands in den ersten Nachkriegsjahrzehnten. Es gab nach 1945 nicht weniger Antisemitismus und Rassismus, nicht weniger Hass auf Homosexuelle als während der NS-Zeit, sondern wahrscheinlich sogar mehr. So war die Rede von „marodierenden“ befreiten Osteuropäer*innen, wenn es um ehemalige Zwangsarbeiter*innen ging, oder von „feilschenden“ jüdischen Displaced Persons auf dem Münchner Schwarzmarkt. Sinti*zze und Rom*nja waren während des Nationalsozialismus lückenlos registriert worden. Die 30.000 Namen umfassende Kartei wurde in der Bundesrepublik weiter für polizeiliche Maßnahmen verwendet. Auch Homosexuelle wurden weiterhin strafrechtlich verfolgt, bis 1969 auf Grundlage des § 175 in der Fassung von 1935.
Die Veranstaltung ist eine Kooperation mit dem S. Fischer Verlag. Die Teilnahme ist kostenlos. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Weitere Informationen unter nsdoku.de/programm.