Mithilfe der Programmförderung für nicht-kommerzielle Konzertreihen in kleineren Musiklocations oder Musikfestivals sollen anspruchsvolle Programmvorhaben aller Genres der Popmusik abseits des sogenannten Mainstreams unterstützt werden, die Münchner Künstler*innen maßgeblich in das Programm miteinbeziehen. Im Jahr 2026 werden nunmehr zum siebten Mal Konzertreihen und Musikfestivals im Bereich der Popmusik gefördert. Dank einer Erhöhung der Popfördermittel können dieses Jahr zum zweiten Mal insgesamt 90.000 Euro vergeben werden. Die Projekte „Blitz Listening Bar“ von der Blitz Club GmbH & Co. KG und „Katzenclub“ von Michael Huber und David Englert erhalten 10.000 Euro, „10 Jahre Blurred Vision – Bass für Alle“ von der Schlachthofbronx GbR erhält 15.000 Euro. Die Projekte „Kadrei Konzertreihen – Sticky Sessions“ vom Unkreativ e.V., „We Won’t Shut Up! 2026“ von Jan Gutzeit und das „StuStaCulum 2026“ vom Kulturleben in der Studentenstadt e.V. erhalten jeweils eine Förderung in Höhe von 20.000 Euro.
Die Jury begründet ihre Entscheidung wie folgt:
Blitz Club GmbH & Co. KG: Blitz Listening Bar
Die Jury begrüßt die Förderung der geplanten Listening-Bar-Reihe im Blitz Club ausdrücklich. Das Konzept überzeugt durch eine kulturpolitische Vision, konzeptionelle Tiefe sowie die bewusste Abkehr von kommerziellen Event-Formaten hin zu einem niederschwelligen, gemeinschaftsorientierten Musik- und Begegnungsraum.
Ziel der Reihe ist es, Räume für gemeinsames, konzentriertes Musikhören auf höchstem akustischem Niveau zu schaffen – jenseits von Partyformaten und Konsumdruck. Mit dem Rückgriff auf das Modell der japanischen Listening Bars und der bewussten Einordnung im subkulturellen Raum Münchens gelingt es dem Projekt, eine international anschlussfähige Idee lokal neu zu interpretieren. Besonders hervorzuheben ist die Fokussierung auf lokale Kollektive, Labels und Initiativen, die nicht nur musikalisch, sondern auch kuratorisch aktiv eingebunden werden. So entstehen Räume für kreative Synergien, in denen künstlerischer Austausch, Community-Building und musikalische Vielfalt gleichermaßen gefördert werden. Die spendenbasierte Zugänglichkeit in Kombination mit fairer Bezahlung der Künstler*innen unterstreicht den gemeinwohlorientierten Anspruch des Vorhabens. Die Jury würdigt zudem das hohe Maß an Eigenleistung, das sowohl in der konzeptionellen Entwicklung als auch in der geplanten Umsetzung spürbar ist. Besonders hervorzuheben ist außerdem der dialogorientierte Ansatz des Projektteams, das mit den eingeladenen Gruppen aktiv Gespräche zur Bewusstseinsbildung rund um Diversität und ausgewogene Line-ups führt.
Die Jury sieht in dem Projekt einen wichtigen Impuls für eine nachhaltige, diverse und solidarische Musikszene in München und empfiehlt die Förde- rung durch eine Pop-Programmförderung mit voller Überzeugung.
Michael Huber / David Englert: Katzenclub
Der Katzenclub München verbindet Live-Konzerte und Clubkultur mit einem klaren Fokus auf Dark Wave, Cold Wave, Postpunk, Electropop, Minimal Synth, experimentelle Elektronik und Industrial. Eingebettet ist das Programm in eine divers-queer-feministische Subkultur, die seit vielen Jahren aktiv gestaltet wird – mit einem besonderen Augenmerk auf FLINTA* Acts und der Schaffung von Safer Spaces für alle Besucher*innen. Im Zentrum steht die Leidenschaft zur Musik – doch der Katzenclub ist weit mehr als ein Konzertformat. Es geht um Austausch und Selbstentfaltung – inklusiv, empowernd und progressiv. Barrierefreiheit, ein diverses Publikum in Alter, Herkunft und Lebensrealitäten sowie ein respektvoller Umgang miteinander sind gelebte Grundsätze.
Die Line-ups vereinen regionale wie internationale Bands und DJs und folgen dabei einem klaren Ziel: Popmusik jenseits des Mainstreams sichtbar zu machen – unabhängig von Geschlecht, Herkunft oder Szenezugehörigkeit. Das Team hinter dem Katzenclub ist tief in der alternativen Münchner Musik- und Kulturszene verwurzelt – von den frühen Tagen des Pulver- turms und darüber hinaus bis heute. Mit jeder Veranstaltung wird versucht einen aktiven Beitrag zur Weiterentwicklung der Münchner Popkultur zu leisten. Der Katzenclub ist bemüht, immer wieder Räume für neue Ideen, Kooperationen und Impulse zu schaffen und verdient deshalb die Unterstützung durch die Pop-Programmförderung, welche durch die Jury empfohlen wird.
Schlachthofbronx GbR: 10 Jahre Blurred Vision – Bass für Alle
Ganz klar: Neue Ideen braucht das Land! Und erstaunlich, wie viele gute Ideen zwei Menschen haben können. Unter anderem deshalb hat die Jury der Stadt München der Vorschlag von der „Schlachthofbronx“ überzeugt, mit „10 Jahre Blurred Vision: Bass für alle. Soundsystem Culture in München“.
Längst trägt das Bass-Duo der Schlachthofbronx den guten Ruf der Musik- und Kulturstadt München in alle Kontinente, die beiden bringen Bass aus München nach Afrika und Lateinamerika, in Europa sind sie ohnehin bekannt, erst jüngst hat ein mexikanischer Veranstalter die Schlachthofbronx in einer Radiosendung äußerst wertgeschätzt. Aber die Beiden ruhen sich nicht aus auf dem Erreichten, sprudeln geradezu über vor Ideen: die Soundsystem-Culture, zu der sie maßgeblich beitragen haben, wollen sie mit vielen Formaten und an vielen Orten in München feiern und weiter etablieren.
Besonders überzeugt hat die Jury zum einen ein Soundbike Meeting im Olympiapark, zum anderen das Argument, dass Bass auch und gerade für körperlich beeinträchtigte Menschen gut erlebbar ist. Weil die Jury sowohl von der thematischen als auch die inhaltliche Herangehensweise überzeugt ist, wird empfohlen, dem Projekt die Unterstützung durch eine Pop Programmförderung zuzusprechen, um das kulturelle Leben der Stadt München zu bereichern.
Unkreativ e.V.: Kadrei Konzertreihen – Sticky Sessions
Aus der gemeinsamen Vision einer Gruppe, kreative Räume für künstleri- sche Praxis und Austausch zu schaffen, ist das Livemusik-Format „Sticky Sessions“ entstanden. Die „Sticky Sessions“ bieten lokalen Künstler*innen die Möglichkeit, ihre Musik live zu präsentieren – in einem bewusst intimen, niedrigschwelligen Rahmen.Gleichzeitig erlebt das Publikum Popmusik unterschiedlichster Genres in direkter, zugänglicher Atmosphäre. Das Projekt überzeugt die Jury durch starke kollektive Eigeninitiative und die gelungene Umsetzung eines musikalischen Freiraums: Mit gemeinschaftlichem Engagement haben die Macher*innen des Vereins Unkreativ e.V. einen leerstehenden Keller in einen atmosphärischen Ort für Livemusik verwandelt. Das lebendige Format ist in der lokalen Musikszene gewachsen und hat sich stetig weiterentwickelt.
Die Jury würdigt insbesondere die kollektive Struktur, das ehrenamtliche Engagement und das durchdachte Konzept, das die Bedürfnisse der Musiker*innen und Publikum gleichermaßen berücksichtigt. Das Projekt ist aus eigener Kraft entstanden, aus der Szene heraus gewachsen und ein relevanter, zukunftsfähiger Ort für Popkultur in München. Daher wird empfohlen, das Projekt mit einer Pop-Programmförderung zu unterstützen.
Jan Gutzeit: We Won’t Shut Up! 2026
Die Jury hat „We Won’t Shut Up! 2026“ ausgewählt, weil das Festival ein inhaltlich klar profiliertes und gesellschaftlich relevantes Konzept verfolgt. Es kombiniert ein vielseitiges Musikprogramm mit Talks, Workshops und künstlerischen Beiträgen zu feministischen und intersektionalen Themen. Besonders positiv bewertet wurde der Fokus auf FLINTA*-Kunstschaffende sowie die internationale und lokale Vielfalt der Mitwirkenden. Das Festival zeichnet sich durch seine niedrigschwellige Zugänglichkeit mit freiem Eintritt und barrierefreien Angeboten aus. Die Bewerbung und Öffentlichkeitsarbeit sind überzeugend und professionell geplant. Auch der Kosten- und Finanzierungsplan ist nachvollziehbar und schlüssig. Die langjährige Erfahrung des Kollektivs garantiert eine qualitativ hochwertige Umsetzung. Darüber hinaus wird auf ökologische Aspekte, etwa bei Anreise und Druckprodukten, angemessen Rücksicht genommen. Insgesamt sieht die Jury in „We Won’t Shut Up!“ ein lebendiges, vielseitiges und für München bereicherndes Veranstaltungsformat, weshalb die Unterstützung durch eine Pop-Programmförderung nachdrücklich empfohlen wird.
Kulturleben in der Studentenstadt e.V.: StuStaCulum 2026
Seit über drei Jahrzehnten bereichert das StuStaCulum als größtes von Studierenden organisiertes Musik- und Kulturfestival Deutschlands die Münchner Popkulturszene. Herausragend ist dabei die rein ehrenamtliche Organisation durch den Verein Kulturleben in der Studentenstadt e.V., der mit beeindruckender Kontinuität und Leidenschaft ein viertägiges, vielfäl- tiges Festival auf die Beine stellt – getragen von jungen Menschen, für ein breites Publikum aus ganz München und darüber hinaus. Mit rund 100 Acts, die auf mehreren Bühnen auftreten, bietet das StuStaCulum insbesondere jungen Musiker*innen aus München eine Bühne und damit eine seltene Möglichkeit, vor mehreren hundert Menschen aufzutreten. Gerade Nachwuchsbands, die in klassischen Booking-Strukturen oft noch keinen Platz finden, werden hier sichtbar gemacht. Auch musikalisch deckt das Programm ein breites Spektrum ab – von Indie, Punk und Hip-Hop bis zu experimentellen Klängen – und spiegelt damit ein progressives Verständnis von Popmusik jenseits kommerzieller Formate wider. Das Festival leistet damit in mehrfacher Hinsicht einen Beitrag zur Förderung der Münchner Musiklandschaft: Es stärkt die Sichtbarkeit junger Künstler*innen, es bietet niedrigschwellige Zugangsmöglichkeiten zu Livekultur und es fördert eine neue Generation kulturell engagierter Veranstalter*innen. Die Jury würdigt das außerordentliche ehrenamtliche Engagement sowie den hohen Stel- lenwert der Nachwuchsförderung im Rahmen des Festivals und empfiehlt daher mit Nachdruck die Förderung im Rahmen der Popmusik-Programmförderung 2026.
Der Jury gehörten an: Sisilia Akello-Okello (Künstlerin / Afro Diaspora 2.0), Andreas Alt (Glockenbachwerkstatt), Michael Bartle (Bayerischer Rundfunk), Alessa Patzer (Fachstelle Pop), Lukas Schätzl (VPBy), Antje Zelnitschek (F.A.M.E. Recordings) und aus dem Stadtrat Mona Fuchs und Thomas Niederbühl (beide Fraktion Die Grünen – Rosa Liste – Volt), Sabine Bär und Ulrike Grimm (beide Stadtratsfraktion der CSU mit FREIE WÄHLER) sowie Roland Hefter (SPD-Fraktion). Weitere Informationen unter
www.muenchen.de/pop-programmfoerderung.