Wie erreichte die SWM das Ziel der Ausbauoffensive Erneuerbare Energien?
Anfrage Stadtrats-Mitglieder Marie Burneleit, Stefan Jagel, Thomas Lechner und Brigitte Wolf (Stadtratsfraktion Die Linke / Die PARTEI) vom 3.7.2025
Antwort Dr. Christian Scharpf, Referent für Arbeit und Wirtschaft:
In Ihrer Anfrage vom 16.5.2025 führten Sie als Begründung aus: „Die Stadtwerke München (SWM)1 und die Stadtratsfraktionen der SPD und der Grünen feierten vorgestern einen vermeintlichen Meilenstein der Energiewende. ,SWM versorgen ganz München mit Ökostrom‘ heißt es. Damit scheint das 2009 beschlossene Ziel erreicht, dass die SWM bis 2025 den Strombedarf der Stadt durch erneuerbare Energien decken. Trotz- dem laufen die beiden großen Gaskraftwerke HKW Nord und Süd nach wie vor und erzeugen weiterhin den größten Teil des Münchner Strombedarfs vor Ort.
Während jahrelang kaum in die Potentiale erneuerbarer Energien in der Region München investiert wurde, wurden durch die SWM europaweit Großprojekte vorangetrieben – auch gegen den Willen der dortigen Bevöl- kerung. Ein Extrembeispiel ist die Verdrängung der indigenen Sami-Bevöl- kerung in Zentralnorwegen, wobei sogar ein Urteil des obersten Gerichts in Norwegen zur Stilllegung des Windparks ignoriert wurde2. Einige dieser Windparks schrieben sogar tiefrote Zahlen in den letzten Jahren3. Der Strom der meisten überregionalen Anlagen kommt aus physikalischen Gründen kaum oder gar nicht in München an, wie auch die Zivilgesellschaft kritisiert4.
Während die Investitionen in überregionale Projekte stark angestiegen sind, gingen Investitionen in die regionale Energiewende lange zurück, wie eine Anfrage der Linken ergeben hat5.Die SWM handeln wie ein von Profi- maximierung getriebener und global agierender Energiekonzern. Es wurde lange Zeit weltweit in Großprojekte investiert, statt lokal zu handeln und eine dezentrale Energiewende einzuleiten. Somit wird eine Verdrängung der fossilen Energieerzeugung in München verzögert. Im Leistungscontrolling der SWM für das erste Halbjahr 2021, das Ende 2022 im Stadtrat beschlossen wurde, wurde noch ein Gesamtstrombe- darf von 7,2 Terawattstunden (TWh)6 für München als Ziel für den Ausbau der erneuerbaren Energien genannt. In den folgenden Jahren verschwand diese Zahl aus den Leistungscontrollings. In der Pressemitteilung der SWM vom 1. Juli 2025 stand ein Strombedarf in 2025 für München von 6,2 TWh – 14% weniger als zuvor erwartet. Dies widerspräche den bislang genannten Prognosen der SWM, dass der Strombedarf von 2021 bis 2035 von 7,2 TWH auf 8,5 TWh steigen würde. Es ist unklar, wie diese Zahlen nun zustande kamen, die zur vermeintlichen Zielerfüllung der SWM ge- führt haben.
1 https://ru.muenchen.de/pdf/2025/ru-2025-07-01.pdf#page=28
2 https://www.sueddeutsche.de/muenchen/muenchen-stadtwerke-norwegen-protest-greta-thun berg-1.5759492
3 https://risi.muenchen.de/risi/antrag/detail/8474289?dokument=v8474294 4 https://energienetzwerk-muc.de/90-erneuerbar-in-muenchen-greenwashing-der-swm/ 5 https://risi.muenchen.de/risi/dokument/v/5558001
6 https://risi.muenchen.de/risi/dokument/v/7448437“
Wir haben die SWM um Stellungnahme zu Ihrer StR-Anfrage gebeten und daraufhin folgende Rückmeldung erhalten:
Vorbemerkung der SWM:
„Die SWM werden ab dem Jahr 2025 so viel Ökostrom in eigenen Anlagen erzeugen, wie München verbraucht. Damit erreichen die SWM mit ihrer Ausbauoffensive Erneuerbare Energien das vom Stadtrat im Jahr 2009 gesteckte Ziel. Die SWM konnten dieses Ziel nur dank ihrer ökologisch und ökonomisch sinnvollen Investitionsstrategie erreichen. Die SWM haben sich zu Beginn der Ausbauoffensive an den Empfehlungen des ÖkoInstituts orientiert und die Strategie im Jahr 2020 noch einmal einer Evaluation unterzogen, die das renommierte Hamburg Institut vornahm.
Das Hamburg Institut kam zu einer positiven Bewertung der Strategie. Lokale Erzeugung und Dezentralität sind nach Einschätzung der Experten des Instituts kein Selbstzweck.
So wie es auch nicht Ziel der Landeshauptstadt München ist, so viel Getreide in München und der Region anzubauen, damit daraus für alle Münchner*innen das Brot gebacken werden kann.
Übergeordnetes Ziel der SWM Ausbauoffensive war und ist der rasche Ausbau der Erneuerbaren Energien. Für die Strategie der SWM sprechen laut Expert*innen des Hamburg Instituts vor allem folgende Argumente:
- Aus klimapolitischer Sicht ist ein möglichst schneller Ausbau der Erneuerbaren Energien entscheidend, unabhängig davon an welchem Ort die Anlagen errichtet werden. Eine Begrenzung auf die nur eingeschränkt vorhandenen Potenziale in einem Ballungsraum wie München wäre klimapolitisch kontraproduktiv.
- Indem Anlagen dort errichtet werden, wo sie am kostengünstigsten Ökostrom erzeugen, wird Strom aus fossilen Anlagen am schnellsten verdrängt und damit auch pro investierten Euro mehr CO₂ gespart.
- Große Projekte führen zu großen Treibhausgaseinsparungen.
- Der lokale PV-Ausbau ist für eine vollständige Energiewende bei weitem nicht ausreichend und in der Umsetzung leider nicht schnell genug möglich.
- Und schließlich führt ein europaweit gestreuter Ausbau mit unterschiedlichen Technologien zu einer Verbesserung der Versorgungssicherheit. Unregelmäßigkeiten des lokalen Wettergeschehens können ausgeglichen werden. Es herrscht niemals in ganz Europa gleichzeitig „Dunkelflaute.“
Ihre Fragen können wie folgt beantwortet:
Frage 1:
Welche Anlagen zur erneuerbaren Stromerzeugung besitzen die SWM? (Bitte auflisten mit folgenden Informationen: Ort, Jahr der Inbetriebnahme, Art der Energieerzeugung, selbst errichtet oder zugekauft, Eigentumsanteil SWM, installierte Leistung, erzeugte Strommenge 2024, prozentualer Bei- trag zum Ausbauziel erneuerbare Energien)
Antwort:
Zu den Anlagen der erneuerbaren Stromerzeugung wurde bis 2022 halbjährlich, seit 2023 jährlich im Rahmen des effektiven Leistungscontrollings dem Stadtrat berichtet. Auf diese Berichte wird verwiesen.
Frage 2:
Aus welchen Gründen hat sich der Münchner Strombedarf in den Progno- sen der SWM von 7,2 auf 6,2 TWh pro Jahr reduziert? Wie hoch war der Münchner Strombedarf seit 2020 jährlich?
Antwort der SWM:
„Der Stromverbrauch in Deutschland ging insgesamt seit dem Höhepunkt im Jahr 2007 kontinuierlich zurück, bis 2020 um etwa 10,5%. Nach der Corona-Pandemie war 2021 vorübergehend ein Anstieg zu verzeichnen, in den Jahren 2022 und 2023 ist der bundesweite Stromverbrauch wieder gesunken. Somit folgt der Rückgang des Stromverbrauchs in München einem bundesweiten Trend.“
Frage 3:
Welche Maßnahmen haben in München zu dieser beeindruckenden Re- duktion des Strombedarfs geführt?
Antwort:
Siehe Antwort Frage 2.
Frage 4:
Wie wird der Gesamtstromverbrauch der Stadt München aktuell ermittelt? Haben sich die Methoden zur Ermittlung des Stromverbrauchs in den letz- ten Jahren geändert?
Antwort der SWM:
„Der Gesamtstromverbrauch wird von der SWM Infrastruktur GmbH als Netzbetreiber ermittelt. Er schließt Netzverluste und den Verbrauch der Kraftwerke ein. Die Methoden haben sich nicht geändert.“
Frage 5:
Die SWM sprechen davon, dass die aktuellen Ökostromanlagen 6,7 TWh Strom erzeugen „könnten“. Wie hoch wird die tatsächliche Stromerzeu- gung für dieses Jahr prognostiziert?
Antwort der SWM:
Die tatsächliche Stromproduktion hängt maßgeblich von der tatsächlichen Windsituation ab. Die SWM haben bei der Berechnung ein „normales Windjahr” unterstellt. Ein „normales Windjahr“ ist ein Begriff, der im Zusammenhang mit der Produktion von Windenergie verwendet wird, um ein Jahr zu beschreiben, in dem die Windverhältnisse dem langjährigen Durchschnitt entsprechen. Die tatsächliche Stromproduktion im Jahr 2025 kann erst zu Beginn des Jahres 2026 festgestellt werden. Die Prognose liegt aktuell etwas unterhalb der 6,7 TWh, die Menge würde aber dennoch ausreichen, um den erwarteten Stromverbrauch Münchens zu decken.
Frage 6:
Welche Anlagen zur Erzeugung von Erneuerbarem Strom haben die SWM 2025 neu errichtet oder zugekauft und wie hoch ist jeweils deren Strom- produktion?
Antwort der SWM:
„In Q4/2025 soll eine PV-Freiflächenanlage mit 37,5 MWp bei Zengermoos in Betrieb genommen werden. Die Jährliche Stromproduktion liegt ab 2026 bei rd. 45 GWh. Zudem werden Zukäufe in der Tochtergesellschaft HanseWindkraft und Inbetriebnahmen in der WPD Europe zur Zielerreichung im Jahr 2025 beigetragen.“
Frage 7:
Wie hoch waren seit Beginn der „Ausbauoffensive Erneuerbare Energien“ 2008 bis 2024 die jährlichen Investitionen der SWM in erneuerbare Ener- gien, jeweils aufgeschlüsselt in die Kategorien „München und Region“ (Stadt München und anliegende Landkreise) und „Überregional“?
Antwort:
Wir verweisen hier wir auf die Berichte zum effektiven Leistungscontrolling.
Frage 8:
Wie viel Strom wurde 2024 in „München und Region“ (Stadt München und anliegende Landkreise) jeweils aus fossilen und erneuerbaren Energie- trägern erzeugt?
Antwort der SWM:
„Leider liegen Daten in der gewünschten Form nicht vor. Der Energie-Atlas Bayern weist für die Planungsregion München im Jahr 2023 (neueste Daten) eine Stromerzeugung aus allen EE in Höhe von ca. 3,65 TWh aus. Zum Vergleich betrug die Stromerzeugung aus fossil befeuerten KWK-Anlagen der SWM im Jahr 2023 ca. 2,17 TWh.
In der Planungsregion befindet sich weiterhin das Kraftwerk Zolling der Onyx Power mit einer in 2023 noch signifikanten fossilen Stromerzeugung aus Steinkohle (Block 5; seit 2025 in Netzreserve) und Erdgas. Die Stromerzeugung aus Steinkohle wird im Nachhaltigkeitsbericht 2023 der Onyx Power mit 1,1 TWh angegeben. Über die Stromerzeugungsmengen weiterer fossiler Anlagen in der Planungsregion im Jahr 2023 liegen uns keine Informationen vor.“
Ich hoffe, dass ich Ihre Fragen hiermit zufriedenstellend beantworten konnte.