Wie entwickeln sich die Kundenzahlen der Stadtwerke München?
Anfrage Stadtrats-Mitglieder Marie Burneleit, Stefan Jagel, Thomas Lechner und Brigitte Wolf (Die Linke / Die PARTEI Stadtratsfraktion) vom 22.8.2025
Antwort Dr. Christian Scharpf, Referent für Arbeit und Wirtschaft:
In Ihrer Anfrage vom 22.8.2025 führten Sie als Begründung aus:
„Wie entwickeln sich die Kundenzahlen der Stadtwerke München? Die Zahlen aus den Geschäftsberichten der SWM sind besorgniserregend¹. Während sich der Stromabsatz zwischen 2020 und 2024 von 38 Terawattstunden (TWh) auf 16,5 TWh mehr als halbiert hat, ist der Gasabsatz im gleichen Zeitraum sogar von 164 TWh auf 52,7 TWh um zwei Drittel gesunken.
Die größten Absatzrückgänge gab es 2023 als die SWM die höchsten Strom- und Gaspreise aller Großstädte hatten. Der Strompreis hatte sich von 25 Cent pro Kilowattstunde (ct/kWh) auf knapp 62 ct/kWh mehr als verdoppelt. Ein Stadtwerke-Chef einer anderen Stadt kritisierte diese Preise und äußerte sogar den Gedanken, dass hier ordentlich Kasse gemacht wird von den SWM². Hintergrund dieser Aussage waren die Energiepreisbremsen, durch die 80% des durchschnittlichen Stromverbrauchs vom Bund gedeckelt wurden und somit eine solche drastische Preiserhöhung nur bedingt beim Verbraucher ankamen.
Die hohen Preise der SWM wurden vom Chef Florian Bieberbach mit einer kurzfristigen Einkaufsstrategie erklärt³. Eine solche ist für Stadtwerke untypisch und wird eher von Discountanbietern verfolgt. Im Stadtrat wurden der SWM daraufhin Spekulation und Managementfehler vorgeworfen⁴. Es scheint, dass man mit dieser Geschäftspolitik viele Kund*innen verprellt hat. Ob die SWM aus diesen Fehlern gelernt hat und seine Einkaufsstrategie geändert hat ist unklar.“
1 https://www.swm.de/dam/doc/swm/swm-geschaeftsbericht.pdf
2 https://www.op-online.de/region/dreieich/strompreisbremse-dreieicher-stadtwerke-chef-warnt-vor-schnellschuss-91902924.html
3 https://www.sueddeutsche.de/muenchen/muenchen-stadtwerke-florian-bieberbach-energiepreise-interview-1.5727810
4 https://www.sueddeutsche.de/muenchen/muenchen-stadtwerke-strompreis-gaspreis-versorgung-1.5734050
Die in Ihrer Anfrage gestellten Fragen können anhand einer Stellungnahme der SWM wie folgt beantwortet werden:
Vorbemerkung der SWM:
„Bei den Absatzzahlen Strom und Erdgas sind jeweils die Zahlen des Energiehandels enthalten, die einen signifikanten Anteil am Umsatz eines Energieversorgungsunternehmens ausmachen. Daher sind Gesamtabsatzmengen kein geeigneter Indikator, um Rückschlüsse auf Kundenzahlen zu ziehen. Ferner weisen wir darauf hin, dass der starke Rückgang des Gasabsatzes vor allem darauf zurückzuführen ist, dass die Tochtergesellschaft Bayerngas im Zuge der strategischen Neuausrichtung – wie im Stadtrat bekannt – das Handelsgeschäft mit Erdgas eingestellt hat, d.h. dieser Rückgang ist nicht auf Lieferverträge mit Kundinnen und Kunden zurückzuführen, sondern erfolgte plangemäß in Umsetzung dieser Strategie.“
Frage 1:
Wie hat sich jeweils die Zahl der Privat- und Geschäftskund*innen der SWM in den Sparten Strom und Erdgas in den letzten Jahren entwickelt?
Antwort der SWM:
„Im Privat- und Gewerbekundensegment konnte in 2024 ein leichtes Wachstum der Kundenzahl erreicht werden. Die SWM sind Marktführer in München mit einem – auch im Vergleich zu anderen Grundversorgern in anderen Städten – außerordentlich hohen Marktanteil. Beim Energieabsatz an Geschäftskunden machten sich weitere Energieeinsparungen auf Kundenseite bemerkbar. Die über den ausführlichen Geschäftsbericht hinausgehenden, für die Steuerung des Unternehmens relevanten Daten sind jeweils in den nicht-öffentlichen Halbjahresberichten zum effektiven Leistungscontrolling der Stadtwerke München enthalten, die dem Stadtrat vorliegen. Wir bitten um Verständnis, dass die geforderten Zahlen nicht veröffentlicht werden, da es sich um Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse bzw. wettbewerbsrelevante Informationen handelt.“
Frage 2:
Wie hat sich jeweils die Zahl der Privat- und Geschäftskund*innen der SWM in München in den Sparten Strom und Erdgas in den letzten Jahren entwickelt? Wie hoch sind jeweils die vertriebenen Energiemengen in München?
Antwort der SWM:
„Siehe Antwort zu Frage 1.“
Frage 3:
Wie viele Kündigungen und wie viele Neuverträge gab es jeweils in den Jahren 2019-2024 (jährlich) in den Sparten Strom und Erdgas bei der SWM?
Antwort der SWM:
„Siehe Antwort zu Frage 1.“
Frage 4:
Welche Rolle spielten die hohen Preise der SWM beim Verlust von Kund*innen in den Sparten Strom und Erdgas im Jahr 2023?
Antwort der SWM:
„Die Höhe des Energiepreises ist für die meisten Kundinnen und Kunden bei ihrer Entscheidung für ihren Energieversorger ein wichtiges Kriterium. Deshalb haben wir nach der Energiekrise die Preise sehr schnell wieder auf ein wettbewerbsfähiges Niveau gesenkt. Im Laufe des Jahres 2023 erfolgten mehrere Preissenkungen, bereits im November 2023 waren die SWM sowohl bei Strom als auch bei Erdgas der zweitgünstigste Anbieter im Großstadtvergleich.“
Frage 5:
Wie hoch waren die gesamten Abschöpfungen der Zufallsgewinne aus der Stromerzeugung zwischen Dezember 2022 bis Ende 2023 für die SWM in Deutschland?
Antwort der SWM:
„In Deutschland wurde ein zweistelliger Millionenbetrag abgeschöpft.“
Frage 6:
Wie hoch waren die monatlichen Abgaben bzw. Steuern bei der Abschöpfung von Übergewinnen aus der Stromerzeugung in den europäischen Ländern, in denen die SWM Anlagen Erneuerbarer Energien haben? (jeweils für England, Irland, Polen, Spanien, Frankreich, Norwegen, Schweden)
Antwort der SWM:
„In den europäischen Ländern wurde ein zweistelliger Millionenbetrag abgeschöpft.“
Frage 7:
Wie viel Geld haben die SWM insgesamt für die Energiepreisbremsen im Jahr 2023 vom Bund erhalten? (Jeweils für Erdgas, Strom und Fernwärme)
Antwort der SWM:
„Durch die staatliche Energiepreisbremse und die Zurverfügungstellung eines Milliardenbetrages im Bundeshaushalt zur Entlastung der Energiekunden konnten die Auswirkungen des russischen Angriffskriegs abgemildert werden. Die SWM konnten ihren Kundinnen und Kunden auf diese Weise in Summe einen dreistelligen Millionenbetrag auf ihren Energierechnungen gutschreiben, der den SWM nachträglich – nachdem die Preishöhen auf Angemessenheit und die Preisbremsen-Beträge auf Korrektheit überprüft und testiert wurden – erstattet wurden.“
Frage 8:
Haben die SWM ihre kurzfristige Einkaufsstrategie von Erdgas und Strom verändert, hin zu einer längerfristigen Einkaufsstrategie?
Antwort der SWM:
„Die Einkaufstrategie der SWM hat über einen sehr langen Zeitraum zu günstigen Preisen für ihre Kundinnen und Kunden geführt. Aufgrund der krisenhaften Entwicklungen an den Energiemärkten wurde die Beschaffung noch langfristiger ausgelegt.“
Ich hoffe, Ihre Fragen mit diesen Angaben hinreichend beantwortet zu haben. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir die von Ihnen gewünschte detaillierte Auskunft nicht erteilen können, da es sich um vertrauliche wirtschaftliche Daten der SWM handelt. Gerne verweisen wir in diesem Zusammenhang auf die halbjährliche Berichterstattung zum effektiven Leistungscontrolling.