Die Münchner Stadtentwässerung (MSE) feiert den runden Geburtstag einer langen Erfolgsgeschichte. Vor 40 Jahren startete das erste Ausbildungsprogramm der MSE, in dem auch heuer wieder 21 neue Nachwuchskräfte an den Start gegangen sind. Von dem Ausbildungsjahrgang, der 1985 bei der MSE (damals Entwässerungswerke) angefangen hat, sind nun noch sechs Frauen für die MSE und damit für den Gewässer- und Gesundheitsschutz Münchens und der Region im Einsatz. Ausbildungsjahr-übergreifend absolvieren aktuell knapp 60 Nachwuchskräfte ihre Ausbildung oder eine studentische Weiterqualifikation bei der MSE.
Nach wie vor gilt es, mehr junge Frauen für naturwissenschaftlich-technische Berufe zu begeistern. Vor 40 Jahren waren Frauen, anders als heute, in solchen Berufen fast gar nicht zu finden und eine absolute Ausnahme. Die Ausbildungsangebote der MSE, für die hohe Standards wie ein stetig weiterentwickeltes, engmaschiges Betreuungskonzept gelten, tragen seither dazu bei, Frauen in den sogenannten MINT-Berufen zu qualifizieren. Heute arbeiten im Betrieb der Münchner Klärwerke Gut Großlappen und Gut Marienhof zahlreiche Mitarbeiterinnen.
Andrea Haderer, Betriebsmeisterin im Klärwerksunterhalt im Klärwerk Gut Großlappen und eine der Jubilarinnen, erinnert sich an ihre Bewerbungs- und Anfangszeit: „Wenn du als Mädel einen technischen Ausbildungsberuf haben wolltest, dann hieß es nur: Wir haben aber keine Damentoiletten. Wir haben keine Damenumkleiden. Geht nicht. Die Ausbildung zur Ver- und Entsorgerin bei der MSE war aber möglich, die Voraussetzungen für einen Arbeitsalltag auch für Frauen hier eine der seinerzeit noch wenigen Ausnahmen.“
Ihre Mitjubilarin Barbara Fischer, Schichtmeisterin in der Zentralwarte im Klärwerk Gut Großlappen: „Im ersten Jahr haben uns schon noch einige Kollegen beäugt und beobachtet – egal was wir gemacht oder wo wir hingegangen sind. Wir waren neu. Und wir waren junge Mädels. Das war damals etwas Besonderes. Etwas, an das die Kollegen sich mit der Zeit erst gewöhnen mussten, was sich rückblickend aber auch in den allermeisten Fällen recht positiv entwickelte. Wir haben uns kennengelernt und meistens dann schnell verstanden.“
1985 führte der Abschluss der Ausbildung zum Beruf der Ver- und Entsorger*in für die übergreifenden Fachbereiche Wasserversorgung, Abwasser oder Abfallwirtschaft. Heute, 40 Jahre später, haben sich mit geänderten Anforderungen die Abläufe, Inhalte und der Name verändert. Später führte die Ausbildung über lange Zeit zum Abschluss „Fachkraft für Abwassertechnik“, nun zum „Umwelttechnolog*in für Abwasserbewirtschaftung“. Im ersten Ausbildungsjahrgang anno 1985 begannen zehn junge Menschen ihren beruflichen Weg bei der MSE mit technischer Ausrichtung. Acht davon waren Frauen. Der damalige Oberbürgermeister Georg Kronawitter persönlich nahm den ersten Ausbildungsjahrgang mit der Ausbildungsleitung in Empfang. „Das war schon etwas sehr Besonderes und Aufregendes. Ich war schon sehr unsicher. Wir waren alle sehr jung und kamen direkt von der Schule. Von dem ganzen Trubel war ich etwas überfahren“, erinnert sich Betriebsmeisterin im Klärwerk Gut Großlappen Anita Simon, die auch heute noch bei der MSE tätig ist. Insgesamt sind sechs der Jubilare heute noch oder wieder im Team der Stadtentwässerung. MSE-Werkleiter Bernd Fuchs sagte bei einer Feierstunde: „Wir freuen uns sehr, dass wir zusammen mit den jeweiligen Bereichsleitungen und Ausbildungsverantwortlichen der MSE hier heute stehen können und gemeinsam auf ein spannendes Berufsleben zurückblicken können. Wir bemühen uns sehr, dass wir vor allem Nachwuchskräften Motivation und Mut mit auf den Weg geben. Damit sich weiter rumspricht, dass Frauen gerade in technischen Berufen noch mehr Frauen gebraucht werden und eine super Perspektive haben.“
Sein Werkleiterkollege Robert Schmidt ergänzte: „Dass ich die Kolleginnen, mit denen ich hier zu meiner Zeit als Klärwerksleitung schon zusammenarbeiten durfte, jetzt aus diesem Anlass mal wieder treffen konnte, finde ich persönlich sehr schön. Wie die Zeit vergeht – wir sind heute, vier Jahrzehnte später, auch ein Stück weit Vorbild für neue Kolleginnen und Kollegen. Selbst Ausbilden – das ist ein wichtiger Teil des Weges der Sicherung des Personalbestands. Wir haben die Ausbildung mittlerweile über Jahre etabliert und sowohl in der Anzahl an Plätzen als auch bei den angebotenen Berufsgruppen stetig ausgebaut. Für uns ist das essenziell, um unsere betrieblichen Aufgaben weiterhin verlässlich zu erfüllen.“
Über die Münchner Stadtentwässerung
Mit mehr als 1.000 Mitarbeiter*innen kümmert sich die MSE um die Abwasserentsorgung der Stadt München und angrenzender Kommunen. Dazu gehören auch Planung, Bau und Betrieb der Anlagen zur Abwasserableitung und Abwasserreinigung mitsamt komplexer und hochmoderner Verfahrenstechnik.
Ein Kanalnetz von rund 2.400 Kilometern Länge liegt im Münchner Untergrund verborgen. Die oberste Aufgabe ist der Gewässerschutz. Dafür hält die MSE das Abwassernetz in Stand, saniert und baut es fortlaufend aus. Herzstücke der Abwasserreinigung sind die beiden Großklärwerke im Münchner Norden. Sie verfügen über eine Kapazität von insgesamt drei Millionen Einwohnerwerten und reinigen durchschnittlich eine halbe Million Kubikmeter Abwasser pro Tag von Haushalten und Industrie aus München und der Region.
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So war der Start vor 40 Jahren – die damaligen Nachwuchskräfte mit Oberbürgermeister Georg Kronawitter und Ausbildungsleiter Karl Preisenberger im Klärwerk Gut Großlappen. Anita Simon (3. v.l.), Barbara Fischer (4. v.l.), Andrea Haderer (4. v.r.) (Fotos: MSE)
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