Die Stadt München setzt ihr großes Engagement für eine moderne Lernkultur fort. Ausgehend von einem Pilotprojekt für späteren Unterrichtsbeginn an der Städtischen Anne-Frank-Realschule wird sukzessive das Bildungsnetzwerk „Inspiration.muc“ etabliert. Dort sollen reale, innovative Schulentwicklungsmodule gebündelt, wechselseitiges Lernen zwischen den städtischen Schulen gefördert und gemeinsame Schulentwicklungsprozesse initiiert werden. Den Modulen zugrunde liegt das Konzept der Modellschule, das vom Referat für Bildung und Sport (RBS) entwickelt wurde und Fragen der Beziehung, Bildung und Beteiligung von Schüler*innen im schulischen Alltag ganzheitlich gestaltet. Das RBS hat dem Bildungsausschuss des Stadtrats nun erste Ergebnisse und künftige Ansätze für eine moderne Lernkultur vorgestellt.
Wie lässt sich der schulische Alltag so verändern, dass alle Schüler*innen optimal gefördert werden? Wie kann Schule unterstützen, damit Schüler*innen sich zu neugierigen, eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Menschen entwickeln? Mit dem Konzept der Modellschule hatte das RBS eine ganzheitliche Antwort auf diese Fragen gegeben. Nachdem der Freistaat die Implementierung als Schulversuch jedoch abgelehnt hatte, wurde das RBS vom Stadtrat beauftragt, realisierbare Elemente aus dem Konzept auszukoppeln und interessierten Schulen anzubieten.
Pilotprojekt zum späteren Unterrichtsbeginn
Bereits zum Schuljahr 2023/24 hatte die Städtische Anne-Frank-Realschule ein Pilotprojekt zum späteren Unterrichtsbeginn auf den Weg gebracht – laut wissenschaftlichem Konsens ein wichtiger Hebel für erfolgreiches Lernen, insofern der biologische Schlafrhythmus von Jugendlichen deutlich von den institutionalisierten Anfangszeiten an Schulen abweicht und ihre Konzentrations- und Leistungsfähigkeit erheblich darunter leidet.
Flexibler Unterrichtsbeginn und selbstgesteuerte Lernangebote
Ziel war es, alle Schüler*innen durch erweiterte zeitliche Freiräume in ihrer Selbststeuerung zu stärken und Lernen stärker an persönliche Rhythmen und Bedürfnisse anzupassen. Dafür baute die Städtische Anne-Frank-Realschule parallel Möglichkeiten für das selbstverantwortliche, individuelle und methodisch vielfältige Lernen aus, unter anderem durch differenzierte Lernbausteine auf der BayernCloud. Elementar für den Erfolg des individualisierten Lernens waren außerdem personelle Ressourcen im Rahmen des Münchner Wegs 2.0, die räumlichen Möglichkeiten der Münchner Lernhausstruktur sowie die engmaschige Begleitung des individuellen Lernens durch die Lehrkräfte. Diese treten an der Städtischen Anne-Frank-Realschule als Wissensvermittler*innen zurück und agieren zunehmend als Coach für die Schüler*innen.
„Inspiration.muc“ als Best-Practice- und Vernetzungsplattform
Die Evaluation des Pilotprojektes durch die RBS-Stabsstelle Münchner Serviceagentur für Ganztagsbildung, Schulentwicklung und Inklusion fällt überaus positiv aus und liefert wichtige Impulse dafür, wie Prinzipien der Modellschule an Münchner Schulen umgesetzt werden können. Schulentwicklungsmodule, wie sie an der Anne-Frank Realschule und anderen engagierten Schulen Münchens entwickelt wurden, beinhalten zum Beispiel differenzierte Lernbausteine für das selbstbestimmte Lernen, Lernateliers für unterschiedliche Lern- und Kollaborationsformen, Speaking Rooms zur Unterstützung des Fremdsprachenlernens, die Aufteilung der Unterrichtsphasen in Inputs und Vertiefung, den Wandel der Mensa zum sozialen Mittelpunkt der Schulfamilie und das veränderte Rollenverständnis von Lehrkräften als Lernbegleiter*innen. Sie sollen über das Bildungsnetzwerk „Inspiration.muc“ allen interessierten Schulen zugänglich gemacht werden.
„Inspiration.muc“-Schulen erhalten die Möglichkeit, sich zu vernetzen und sich gegenseitig zu hospitieren. Sie gestalten auf diese Weise insgesamt eine nachhaltige, lernende Schulkultur in München – zunächst innerhalb der städtischen Schulen, und perspektivisch erweitert um interessierte staatliche Schulen.
Bürgermeisterin Verena Dietl: „Unsere Welt verändert sich rasant, die Kompetenzanforderungen an junge Menschen auch, doch die Organisation unserer Schulen ist weitgehend unverändert geblieben. Das ändert sich jetzt. Über die Best-Practice-Beispiele der neuen Münchner Schulentwicklungsplattform ‚Inspiration.muc‘ können interessierte Schulen innovative Entwicklungsmodule schnell und beherzt umsetzen und sich mit anderen dazu beraten. Trotzdem brauchen wir mehr systematische Brücken wie die sehr erfolgreiche Willy-Brandt-Gesamtschule oder die Orientierungsstufe Neuperlach, um die starre Dreigliedrigkeit des bayerischen Schulsystems zu durchbrechen.“
Stadtschulrat Florian Kraus: „Auch wenn die Enttäuschung immer noch groß ist, dass es keinen Schulversuch zur Reformpädagogischen Modell- schule geben wird: Die zugrundeliegenden pädagogischen Prinzipien entfalten ihre Wirksamkeit auch in den ausgekoppelten Schulentwicklungsmodulen. Ich danke der Städtischen Anne-Frank-Realschule, dass sie uns das so eindrucksvoll gezeigt hat.“