Im Kinder- und Jugendhilfeausschuss des Stadtrats wird am 28. Oktober der Münchner Aktionsplan „Gemeinsam gegen Gewalt“ vorgestellt, den Oberbürgermeister Dieter Reiter zusammen mit dem Polizeipräsidenten Thomas Hampel 2023 initiiert hatte. Der Münchner Aktionsplan bietet erstmalig eine stadtweite Übersicht über zahlreiche Angebote in den Bereichen Prävention, Intervention und Stabilisierung bzw. Nachsorge, um Gewalt bei Kindern und Jugendlichen entgegenzuwirken. Oberbürgermeister Dieter Reiter: „Die große Mehrheit der Kinder und Jugendlichen ist nicht gewaltbereit. Sie ist erreichbar für Unterstützungs- und Präventionsangebote. Mit dem städtischen Aktionsplan setzen wir – in enger Zusammenarbeit mit der Münchner Polizei – vor allem auf Prävention. Dabei haben wir das bestehende Angebot auf den Prüfstand gestellt, in enger Kooperation mit dem Polizeipräsidium überarbeitet und um neue Angebote ergänzt. Unser Ziel ist dabei, möglichst viele Kinder und Jugendliche und auch die Eltern mit niederschwelligen Angeboten zu erreichen. Hier bietet der Aktionsplan zahlreiche und individuelle Ansätze. Ich danke allen Beteiligten für die hoch motivierte und gute Zusammenarbeit.“ Polizeipräsident Thomas Hampel: „Der Aktionsplan verdeutlicht, wie wichtig und effektiv Kooperationen unterschiedlichster Akteure im Bereich Prävention und Intervention sind. Der Münchner Polizei ist es ein großes Anliegen, auch mit ihren zahlreichen präventiven Angeboten und Maßnahmen für Kinder und Jugendliche zur Sicherheit aller beizutragen. Um eine nachhaltige Präventionswirkung zu gewährleisten und möglichst viele Kinder und Jugendliche zu erreichen, sind die Zivilcourage-Projekte des Polizeipräsidiums München als Multiplikatorenausbildungen konzipiert. Zudem führen die über 40 Jugendbeamtinnen und -beamte gezielte Trainings direkt mit der Zielgruppe durch. So wurden allein im Jahr 2024 im Rahmen der Präventionskurse ,zammgrauft‘, ,sei gscheit‘, ,aufgschaut‘ und ,sauba bleim‘ insgesamt 370 Veranstaltungen mit circa 10.000 teilnehmenden Kindern und Jugendlichen durchgeführt.
Darüber hinaus wurden im Bereich der Fortbildung von Lehrkräften sowie Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern aller Schulen und Einrichtungen der Kinder- und Jugendarbeit in zweitägigen Schulungen zum Antigewalt- und Zivilcouragetraining ,zammgrauft‘ im Jahr 2024 rund 200 Personen ausgebildet. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auch auf der engen Zusammenarbeit zwischen Polizei, Jugendhilfe, Stadtjugendamt und den verschiedenen Beratungsstellen im Arbeitskreis Kinder- und Jugenddelinquenz. Diese Zahlen und die enge Kooperation mit unseren Partnern verdeutlichen den Anspruch, langfristig wirksam für die Sicherheit und das gewaltfreie Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen in unserer Stadt zu wirken.
Wir freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit mit unseren Partnern und die kommenden gemeinsamen Projekte.“
Der Aktionsplan ist ein Gemeinschaftswerk städtischer Referate, dem Staatlichen Schulamt, der staatlichen Schulberatungsstelle München Stadt und Landkreis und kooperierender Jugendhilfeorganisationen unter Federführung des Sozialreferats / Stadtjugendamtes, und der Münchner Polizei. Der gemeinschaftliche Leitgedanke steht unter dem Slogan S.T.A.R.K.: Schutz bieten, Tragen von Verantwortung, Aktivität, Rückhalt geben, Konsequentes Fortentwickeln. München zeigt mit diesem Aktionsplan: S.T.A.R.K. ist nicht nur der Anspruch, sondern bereits gelebte Praxis.
Die Stadt München fördert bereits seit vielen Jahren Maßnahmen und Projekte zur Gewaltprävention sowohl für Kinder und Jugendliche als auch für die gesamte Stadtgesellschaft. Mit dem Aktionsplan kommen nun neue Angebote und Projekte zur Gewaltprävention bei Kindern und Jugendlichen hinzu. Hier einige Beispiele:
-Angebote in der Gewaltprävention beginnen bereits bei der dringend notwendigen Elternarbeit. Hierzu wird derzeit an einer Elternbroschüre gearbeitet, die die Eltern informiert und zum Thema Prävention unterstützt. -Das Stadtjugendamt plant darüber hinaus für Grundschulen ein neues, präventives Angebot, die „Frühzeitigen Hilfen an Grundschulen“. Wöchentliche Sprechstunden der Bezirkssozialarbeiter*innen bieten Schüler*innen niederschwellige Anlaufstellen, um Probleme und Gewalterfahrungen zu schildern und zu lösen. Die Schul- und Jugendsozialarbeit wird durch die Stadt München jährlich mit rund 14 Millionen Euro bezuschusst, um bereits im Schulalltag gewaltpräventiv zu wirken. -Für Vorfälle, bei denen sich jugendliche Gruppen zusammenschließen, um gegen einzelne Kinder oder Jugendliche Gewalt anzuwenden, hat die städtische Stelle für Gemeinwesen im Sozialreferat die Tat-Folgen-Konferenz eingeführt – ein kostenfreies Angebot, bei dem sich die Täter*innen intensiv mit ihrer Tat auseinandersetzen, Verantwortung für ihr Tun übernehmen und Wiedergutmachung anbieten. Im Fokus steht dabei immer die pädagogische Aufarbeitung.
-Das Stadtjugendamt München hat in Zusammenarbeit mit freien und städtischen Trägern der Kinder- und Jugendhilfe das Modellprojekt „Schutzstellenboost“ initiiert. Ziel ist es, den herausfordernden Bereich der Schutzstellen nachhaltig zu stärken und die Versorgung von Kindern und Jugendlichen in Krisensituationen sicherzustellen. Mit dem „Schutzstellenboost“ werden den Kindern und Jugendlichen sowie ihren Familien auch konkrete Perspektiven aufgezeigt.
-Um bereits auffällig gewordenen Jugendlichen proaktiv zu begegnen, wurde die aufsuchende Streetwork im Innenstadtbereich rund um den Alten Botanischen Garten ausgeweitet. Der Stadtrat hat im Dezember 2024 bereits 400.000 Euro genehmigt. Weiterhin hat AKIM (Allparteiliches Konfliktmanagement) bei den Stadtteilwochen in der Messestadt Riem im Jahr 2024 das Hood Training im öffentlichen Raum erfolgreich angeboten. Das Hood Training ist eine bundesweit anerkannte Maßnahme der Gewaltprävention, bei der der Umgang mit Konflikten erlernt wird. Ab 2026 soll Hood Training auch künftig für straffällig gewordene bzw. schwer erreichbare Jugendliche im öffentlichen Raum angeboten werden.
-Ein stadtweiter Aktionstag im November 2024 unter der Schirmherrschaft des Oberbürgermeisters „Gemeinsam gegen Gewalt“ mit über 50 teilnehmenden Einrichtungen der offenen Kinder- und Jugendarbeit sowie allen Erziehungsberatungsstellen und den Fachstellen des Polizeipräsidiums München mit unterschiedlichsten Angeboten und Aktio- nen, hat gezeigt, wie groß das Interesse der teilnehmenden Kinder und Jugendlichen am Thema Gewaltprävention ist. Auch in diesem Jahr wird wieder ein stadtweiter Aktionstag „Gemeinsam gegen Gewalt“ am 19. November stattfinden.
Oberbürgermeister Dieter Reiter: „In Zusammenarbeit mit vielen Akteuren bringen wir dieses wichtige Thema dorthin, wo es Wirkung zeigen kann – in das direkte Wohn- und Lebensumfeld der Kinder und Jugendlichen. Wir bieten Unterstützung und Beratung an und zeigen verschiedene Handlungsmöglichkeiten auf, speziell auch für die Eltern. Die positive Resonanz der letzten Veranstaltung bestätigt mir, dass es wichtig ist, vor Ort noch stärker aktiv zu sein.“
Der Aktionsplan wird fortlaufend weiterentwickelt, für 2025/2026 ist neben den oben genannten Angeboten und Maßnahmen geplant, Kinder und Jugendliche als Mitentwickler des Aktionsplans teilhaben zu lassen.