Zustände an der MüK
Anfrage Stadtrats-Mitglieder Sabine Bär, Michael Dzeba, Alexandra Gaßmann, Ulrike Grimm, Veronika Mirlach, Manuel Pretzl und Rudolf Schabl (Stadtratsfraktion der CSU mit FREIE WÄHLER) vom 14.10.2025
Antwort Gesundheitsreferentin Beatrix Zurek:
Ihrer Anfrage liegt folgender Sachverhalt zu Grunde:
„Der Münchner Merkur berichtet im Artikel ‚Hilfe, so krank ist unsere Kli- nik‘ vom 10.10.2025
über teilweise unhaltbare Zustände in bestimmten Bereichen der München Klinik gGmbH (MüK), die über einen ‚Brandbrief‘ kommuniziert worden seien. Der Artikel berichtet von Personalmangel, der Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit der Kliniken hat. Das sind schwerwiegende Probleme, die im Sinne der Beschäftigten der MüK, aber auch der zahlreichen Patien- tinnen und Patienten aufgeklärt werden müssen.“
Herr Oberbürgermeister Reiter hat mir Ihre Anfrage zur Beantwortung zugeleitet.
Die in Ihrer Anfrage aufgeworfenen Fragen beantworte ich unter Berücksichtigung der Stellungnahmen der MüK für die Fragen 2-4 wie folgt:
Frage 1:
Wie nimmt der Oberbürgermeister zu den angesprochenen Problemen Stellung?
Antwort:
Die MüK hat vom Stadtrat den Auftrag erhalten, das Zielbild „MüK 20++“ umzusetzen, welches auch weitreichende strukturelle Veränderungen umfasst, um die MüK zukunftssicher aufzustellen. Die Umsetzung des Zielbilds ist eine operative Aufgabe der Geschäftsführung. Sowohl der Aufsichtsrat als auch der Stadtrat lassen sich regelmäßig von der Geschäftsführung über den aktuellen Stand informieren. Alle Entscheidungen werden stets mit Blick auf das Wohl der MüK, die vielen Patient*Innen, die von der MüK täglich behandelt werden und die Mitarbeiter*innen, die eine hervorragende Arbeit leisten, getroffen.
Frage 2:
Wie nimmt die Geschäftsführung der MüK zu den geschilderten Vorgängen Stellung? Antwort:
Die Geschäftsführung der MüK nimmt wie folgt Stellung: Das neue Medizinkonzept „MüK 20++“ wurde im Sommer 2024 im Stadtrat verabschiedet. Es sieht u.a. vor, im Sinne der Patient*innen medizinische Angebote in größeren Zentren zu bündeln, ambulante Versorgung auszubauen und die Notfallversorgung zu stärken. Das verbessert die Patientenversorgung und ist zugleich die Basis der bundesweiten Krankenhausreform. Es wurden tragfähige Konzepte für jeden MüK-Standort entwickelt – diese gehen auch mit einer Verschiebung von medizinischen Leistungen einher. Veränderungen werden gemeinsam mit den Mitarbeitenden und den Betriebspartnern gestaltet.
Im Fokus steht die Bündelung medizinischer Expertise in Exzellenzzentren: In Kliniken, in denen alle relevanten Expert*innen für ein Krankheitsbild interdisziplinär zusammenarbeiten und Eingriffe sehr oft durchgeführt werden, ist das Outcome (Therapieerfolg) nachweislich besser. Die Zentralisierung von medizinischen Leistungen und die weitere Stärkung der Leuchttürme der MüK sind daher ein wichtiger Beitrag zur Versorgungsqualität. Eine Übersicht zum Veränderungsprozess findet sich hier: https://www.muenchen-klinik.de/unternehmen/medizinkonzept/
Mit geänderten Versorgungs- und Standortstrukturen im Rahmen des neuen Medizinkonzepts und geplanten Umzügen verändert sich auch der ärztliche Personalbedarf in der MüK. Diesen Bedarf evaluiert die MüK aktuell und prüft, an welchen Standorten Ärzt*innen mit welchen Qualifikationen gebraucht werden.
Frage 3:
Wenn die Vorgänge zutreffen: Wie kann schnellstmöglich vollständige Ab- hilfe geschaffen werden?
Antwort:
Ziel des Projektes „Personalbedarfsmessung im Ärztlichen Dienst der MüK“ ist eine realistische, zukunftsorientierte Personalplanung, die wirtschaftliche Tragfähigkeit mit medizinischer Versorgungsqualität verbindet. Aktuelle Umsetzungsbeispiele wie die Bildung einer internistischen Schwerpunktklinik in Neuperlach sowie der geplante Umzug der Frauenklinik von Neuperlach nach Harlaching – sollen mittelfristig für eine Entlastung des ärztlichen Dienstes sorgen, weil nicht Dienste an mehreren Standorten parallel besetzt werden müssen. Das Vorgehen unterstützt die Patientensicherheit.Bereits abgeschlossen ist der Umzug der Hämato-Onkologie von Schwabing nach Bogenhausen, der gemeinsam mit dem Team bewusst vorbe-
reitet und erfolgreich umgesetzt wurde. Mit der Eröffnung der Knochenmarkstransplantations-Einheit im Neubau der MüK Bogenhausen und Prof. Dr. Tobias Herold als neuem Chefarzt hat die MüK in diesem Sommer ihr hochspezialisiertes Angebot in der Krebsmedizin ausgebaut und verzeichnet eine steigende Nachfrage.
Ein ähnliches Bild zeigt sich auch in der neuen internistischen Schwerpunktklinik in der MüK Neuperlach, die in diesem Jahr eröffnet wurde, nachdem die Harlachinger Teams entsprechend in das Zentrum integriert wurden: Wenn die spezialisierten Teams interdisziplinär unter einem Dach zusammenarbeiten, dann profitieren die Patient*innen. Hier können internistische Erkrankungen – von Nierenerkrankungen über Diabetes bis zu Durchblutungsstörungen – aus einer Hand behandelt werden. Viele der behandelten Patient*innen sind multimorbid und profitieren deshalb von der breit aufgestellten Expertise im Behandlungsteam.
Diese hochspezialisierten Zentren sind die Blaupause für weitere Umzüge bzw. Zentrenbildungen in der MüK auf dem Weg zum Zielbild des Zukunftskonzeptes „MüK 20++“. Nur durch eine Bündelung der Leistungen in großen Zentren können zukünftig komplexe diagnostische und therapeutische stationäre Leistungen erbracht werden. Bisherige einfachere stationäre Leistungen können zukünftig nur noch ambulant erbracht werden. Auch das ist eine der Vorgaben, die sich aus der bundesweiten Krankenhausreform und den damit einhergehenden Veränderungen im Gesundheitswesen ergeben. Die MüK hat auf dieser Basis stationäre nachhaltige Konzepte für jeden Standort entwickelt.
Frage 4:
Kürzlich (Ende Juli 2025) gab es erst einen offenen Brief von ver.di bezüg- lich des geplanten Hybridsystems der Hebammen in Harlaching, in dem deutlicher Unmut kundgetan wurde. Wie erklärt sich die Geschäftsführung der MüK und der Oberbürgermeister diese Häufung von Brandbriefen?
Antwort:
Die MüK ist – wie Krankenhäuser deutschlandweit – aufgefordert, sich zukunftsfähig aufzustellen und sich dabei zu verändern. Im ärztlichen Bereich hat die MüK eine Unterdeckung der Personalkosten von rund 45 Mio. Euro, die nicht durch die Krankenkassen refinanziert sind. Die dadurch entstehende Finanzierungslücke kann die Landeshauptstadt München nur vorübergehend ausgleichen. Veränderungen und kostenbewusstes Handelnsind deshalb notwendig. Diese Veränderungen werden in der MüK aktiv begleitet und gestaltet.
Die Konzentration der Geburtshilfe für den Münchner Süden in Harlaching erfolgt im Einklang mit der Bedarfsanalyse des Gesundheitsreferats und den künftigen bundesweiten Vorgaben für stationäre Geburtshilfe. In Harlaching werden freiberufliche Hebammen und fest angestellte Hebammen im „Dualen System“ arbeiten. Das rechtlich abgesicherte Betriebsmodell hierfür wurde in einem längeren gemeinsamen Prozess erarbeitet und intensiv begleitet. Dazu wurde weiterhin transparent und zuletzt in der Sitzung des Gesundheitsausschusses vom 24.7.2025 informiert.