Der Illustrator Quint Buchholz und die Filmemacherin Narges Kalhor werden mit den Ernst-Hoferichter-Preisen 2026 ausgezeichnet. Der mit jeweils 5.000 Euro dotierte Preis wird seit 1975 jährlich an Münchner Autor*innen der erzählenden Kunst vergeben, die – wie Ernst Hoferichter – Originalität mit Weltoffenheit und Humor verbinden.
Der Preis wurde von Franzi Hoferichter, der Witwe des Münchner Schriftstellers, gestiftet. Über die Vergabe entscheidet der Stiftungsbeirat der Ernst-Hoferichter-Stiftung, der auch als Jury fungiert. Dem Stiftungsbeirat gehören Kulturreferent Marek Wiechers (Vorsitz), der Leiter der Münchner Stadtbibliothek, Dr. Arne Ackermann, sowie Dr. Rebecca Faber, Katja Huber, Dr. Brigitta Rambeck und Christian Ude an.
Auszüge aus den Jurybegründungen:
Quint Buchholz
„Ein Schriftsteller im engeren Sinne ist er nicht, aber die Jury des Hoferichter-Preises hat auch schon früher eingeräumt, dass man große Geschichten auch mit den Mitteln der bildenden Künste oder des Gesangs erzählen kann. Quint Buchholz kann dies auf einsam vollendete Weise und zeichnet sich überdies durch eine tiefe Liebe zum Buch – auch als Bildermotiv – aus: eine schon viele Jahrzehnte währende innige und fruchtbare Beziehung. Wir sagen nur ,Nero Corleone‘. Sicher: Neros Geschichte verdanken wir seiner Erfinderin Elke Heidenreich, aber seine immerwährende optische Präsenz in unserem Gedächtnis Quint Buchholz. Buchholz hat aber auch in der Philosophie ,Sofies Welt‘ bildlich entstehen lassen und in Zusam- menarbeit mit Michael Krüger vom Hanser Verlag das Verhältnis von Autor*innen und Illustrator*innen ,umgedreht‘ und sich ans Buch der Bücher herangewagt, an Prediger Salomo: ,Alles hat seine Zeit‘.“
Narges Kalhor
„Narges Kalhor ist Filmregisseurin und Drehbuchschreiberin. Sie wurde in Teheran geboren und begann 2002 Film am Behandish College in Teheran zu studieren und Filme zu machen. Darin kritisierte sie die iranische Regierung und war schließlich gezwungen, in Deutschland Asyl zu beantragen. Narges Kalhor lebt seit vierzehn Jahren in München und setzt sich in ihren Filmen mit iranischen und bayerischen Traditionen auf originelle, weltoffene und äußerst humorvolle Weise auseinander. Ihre Werke brechen mit unseren Sehgewohnheiten. Sie liegen zwischen Spiel- und Dokumentarfilm und einer Theateraufführung. Fiktion und Realität werden übereinandergelegt, ko-existieren. In ,Shahid‘ (2024) wird die Protagonistin von ihrem tanzenden und singenden Urgroßvater und seinen Kumpeln begleitet, während sie durch die Straßen von München läuft. Es gibt Trick-Film-Sequenzen und ‚found footage‘. Eine Montage unterschiedlicher filmischer Mittel und letzten Endes auch kulturell unterschiedlich geprägter Traditionen, wie Erzählen funktionieren kann. Das bedeutet Weltoffenheit in Kalhors Werk: Sie stößt uns auf unsere unhinterfragten Glaubenssätze – und so verändern ihre Filme den Blick auf die eigene Kultur.“
Die vollständigen Jurybegründungen können unter http://www.muenchen.de/hoferichter-preis nachgelesen werden. Die Preisverleihung (mit geladenen Gästen) ist für 28. Januar 2026 im Literaturhaus geplant.