In einer wachsenden Stadt wie München sind die vielfältigen Interessenkonflikte im Alltagsleben eine Herausforderung. Was tun, wenn wiederholt Nachbarn sich streiten, der Lärm aus der Eckkneipe nervt, die Isarauen zur Partyzone werden, Müllberge sich nebenan türmen oder man sich im eigenen Stadtbezirk nicht mehr sicher fühlt, aber nicht gleich die Polizei oder das Ordnungsamt einschalten will? Im Amt für Wohnen und Migration kümmert sich das Team Bürgerschaftliches Engagement und Konfliktmanagement (BEK) Tag und Nacht um diese Anliegen, Sorgen und Nöte von Bürger*innen. Die Stabsstelle schafft in vielen Fällen einen fairen Interessenausgleich und sachgerechte Lösungen und ebnet den Weg für ein starkes Miteinander. „Lösungen beginnen zunächst im Kopf von uns allen, im kleinen alltäglichen Miteinander. Oft braucht es Mut, um den ersten Schritt zu gehen, und Vertrauen darauf, dass es gemeinsam gelingt“, sagt Stabsstellenleiterin Dr. Eva Jüsten. Die vier Bereiche von BEK haben jetzt eine Jahresbilanz gezogen, in der sie ihre Tätigkeit vorstellen.
Allparteiliches Konfliktmanagement
Das Allparteiliche Konfliktmanangement (AKIM) ist Ansprechpartner*in bei Irritationen und Störungen im öffentlichen Raum. Neben Bürger*innen bietet AKIM auch Bezirksausschüssen, anderen städtischen Dienststellen, Vereinen, Institutionen und Fachkräften Unterstützung bei der Konfliktbearbeitung an. Vor allem die Bezirksausausschüsse nutzen seit geraumer Zeit gerne das Angebot professioneller Konfliktlösungen im Stadtbezirk. AKIM wird häufig an Orte gerufen, an denen sich Anwohnende, Gewerbetreibende oder andere Nutzer*innen durch Menschen in schwierigen Lebenslagen, etwa Menschen mit Suchterkrankungen oder andere marginalisierte Personengruppen, gestört fühlen, die diese Plätze als Treffpunkt nutzen. Viele dieser Personen können ihr Verhalten nicht sofort anpassen, weshalb ergänzende Ansätze erforderlich sind, die sowohl die Bedürfnisse der Nachbarschaft als auch der vulnerablen Gruppen berücksichtigen. Im Nußbaumpark zum Beispiel wurde in Zusammenarbeit mit Einrichtungen der Drogensuchthilfe und dem Kommunalen Außendienst eine abgestimmte Nutzungsstrategie entwickelt. AKIM war im Sommer regelmäßig mit dem Teemobil Tea& Time im Park präsent, um den direkten Austausch mit Nutzer*innen zu fördern. Anlässlich des zehnjährigen Bestehens lud AKIM im Oktober zum Fachtag „Urbane Kompetenz“ ein.
Stelle für Gemeinwesenmediation und Vermittlung in Nachbarschaft
Die Stelle für Gemeinwesenmediation (SteG) unterstützt Münchner Bürger*innen bei Konflikten. 30 ausgebildete Mediator*innen stehen zur Verfügung, konstruktive Gespräche zu führen, statt zu streiten. Dieses Angebot ist kostenlos. Immer öfter engagieren Hausverwaltungen das SteG-Team, wenn es in einem Hausaufgang eines Mehrparteienhauses Probleme gibt, die nicht über die Verwaltung gelöst werden können. Das SteG-Mediationsteam lädt dann zu einer Haus- oder Hofversammlung ein. Dabei geht es oft um herumstehende Schuhe, laute Musik, Grillen auf dem Balkon. Gemeinsam werden Lösungen gefunden, die für alle passen. In Wohnanlagen, aber auch im Umfeld von Unterkünften sind Honorarkräfteteams der Stelle Vermittlung in Nachbarschaft (VIN) unterwegs, um mit der Nachbarschaft ins Gespräch zu kommen. Angesiedelt bei SteG vermittelt VIN seit 2020 bei Konflikten in Nachbarschaften und im Wohnumfeld. Seit 2025 gibt es das Teemobil „tea& time“. Ziel ist, dass die Menschen, die sich vorher fremd waren, kennenlernen. Was als störend und schwierig empfunden wurde, kann dann besprochen werden: Menschen werden
nicht vertrieben, ein Miteinander wird wieder hergestellt.
Moderation der Nacht
Die Stelle Moderation der Nacht (MoNa) ist eine zentrale Schnitt- und Anlaufstelle für alle Belange des nächtlichen Lebens in München. Zu den Aufgaben gehören die Moderation der Gremien „Runder Tisch Nachtleben München“ und „Awareness & Sicherheit im Münchner Nachtleben“. Außerdem können Anwohnende und Gastronom*innen/Kulturbetreibende Mediation anfordern, die auf die Belange der Nacht ausgerichtet ist.
Begegnung in Patenschaften
Das Patenprojekt Begegnung in Patenschaften (BiP) vermittelt Ehrenamtliche für Menschen, die in sozialpädagogisch begleiteten Unterkünften und Wohnungen leben. Viele davon sind Geflüchtete. Ziel ist es, durch persönliche Begegnung auf Augenhöhe das Hineinwachsen in die Gesellschaft zu fördern und die Teilhabe zu ermöglichen. Die Aufgaben der Patinnen und Paten sind vielfältig und reichen von Begleitung im Übergang von Schule zu Beruf und Arbeit über Unterstützung bei Behördlichem oder der Wohnungssuche bis hin zur gemeinsamen Freizeitgestaltung. Durch diesen persönlichen Kontakt wird nicht nur das Selbstwertgefühl gestärkt, sondern es entsteht auch ein kultureller Austausch, der zum Gelingen der Integration beiträgt. Beide Seiten profitieren davon.