Strominfrastruktur bei der Transformationsplanung
Anfrage Stadtrats-Mitglieder Fabian Ewald, Alexandra Gaßmann, Hans-Peter Mehling und Sebastian Schall (Stadtratsfraktion der CSU mit FREIE WÄHLER) vom 8.8.2024
Antwort Dr. Christian Scharpf, Referent für Arbeit und Wirtschaft:
In Ihrer Anfrage vom 8.8.2024 führten Sie als Begründung aus: „Laut der Beschlussvorlage ‚Dekarbonisierung der Fernwärmeversorgung in München – Transformationsplan für die Fernwärme‘ (Sitzungsvorlage Nr. 20-26/V 12515) wird die ,Wärmewende insgesamt (…) deutliche Auswirkungen auf das Stromnetz haben. Vor allem die Umstellung der dezentral zu versorgenden Gebiete, die auch perspektivisch keine Fernwärme- oder Nahwärmeversorgung erhalten werden, auf Wärmepumpen wird einen zusätzlichen Lastanstieg für die Stromnetze mit sich bringen. (…) Der Res- sourcenbedarf muss hier jedoch erst noch ermittelt werden.‘ Vor dem Hintergrund, dass die kommunale Wärmeplanung und die Umstellung des Fernwärmenetzes inzwischen bei den Menschen vor Ort ins Bewusstsein dringt und sich bei der Münchner Bevölkerung dazu dringende Fragen stellen und auch vor dem Hintergrund eines absehbaren weiteren Ausbaus der Ladeinfrastruktur für E-Mobilität fragen wir den Oberbürgermeister.“
Zu Ihren Fragen haben wir die Stadtwerke München GmbH (SWM) um Stellungnahme gebeten. Die SWM haben wie folgt informiert:
Frage 1:
Können zum Ressourcenbedarf beim Ausbau der Strominfrastruktur inzwischen schon genauere Angaben gemacht werden? Das gilt sowohl für die finanziellen als auch die personellen und materiellen Ressourcen, die zum notwendigen Ausbau benötigt werden.
Frage 2:
Wie wird sichergestellt, dass der notwendige Ressourcenbedarf bei der kommunalen Wärmewende vorgehalten werden kann?
Antwort der SWM zu den Fragen 1 und 2:
„Wir bitten um Verständnis, dass wir die gestellten Fragen im Zusammenhang beantworten. Der Strombedarf wurde bei der Erstellung der kommunalen Wärmeplanung umfassend berücksichtigt. Im Rahmen des Projekts Grid-4-Electrification haben die SWM eine detaillierte Analyse der elektrischen Leistungsbedarfe für die Wärmeerzeugung in München durchgeführt. Diese Analyse bietet eine örtlich aufgelöste Darstellung und bildet die Grundlage für notwendige Anpassungen im Stromversorgungsnetz für München.
Aus den gewonnenen Erkenntnissen wurden Entwicklungen im Stromnetz abgeleitet, die nicht nur die aktuelle Situation berücksichtigen, sondern auch zukünftige Verbrauchssegmente einschließen. Dazu zählen die individuelle Elektromobilität, die Elektrifizierung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV), Wärmepumpen sowie auch der Einsatz von Großwärmepumpen. Diese werden in den langfristigen Planungen entsprechend eingebaut. Zusätzlich betrachten die SWM Bedarfe von Großkunden im Rahmen der Dekarbonisierung sowie die steigende Nachfrage von Rechenzentren, die kürzere Vorlaufzeiten aufweisen. Diese Faktoren werden in die Prognosen integriert und zeitlich in das Projektportfolio aufgenommen.
Die darauf basierenden Ausbauszenarien bis zum Jahr 2045 werden von den SWM sowie von allen deutschen Netzbetreibern auf der Plattform VNBdigital.de zur Verfügung gestellt und alle zwei Jahre aktualisiert. Die Seite der SWM finden Sie unter folgendem Link: http://www.vnbdigital.de/vnb/7248.
Bereits heute haben die SWM umfangreiche Maßnahmen im Bereich der Hochspannungsanlagen eingeleitet. Dazu zählen unter anderem die Erneuerung und Erweiterung von Transformatoren und Schaltanlagen sowie die Verlegung neuer 110 kV Kabel zwischen diversen Umspannwerken im gesamten Stadtgebiet.
Bei der erwarteten Steigerung der Leistungsnachfrage um den Faktor 3 ist besonders die Sicherstellung der zukünftig notwendigen Ressourcen und Flächen für die Strominfrastruktur entscheidend. Hier ist vor allem die Bereitstellung von Flächen für neue Umspannwerke, vor allem in den Außenbereichen, von Bedeutung. Perspektivisch planen die SWM zudem den Bau eines für den prognostizierten Leistungszuwachs erforderlichen zusätzlichen Hauptumspannwerks im Süden der Stadt. Darüber hinaus gilt es, Flächen bzw. Dienstbarkeiten für Ortsnetz-Trafostationen sowie zusätzliche Leitungstrassen bereitzustellen.
Die verantwortlichen Netzbetreiber in Deutschland gehen, wie auch die SWM, derzeit für den notwendigen Ausbau der Infrastruktur von einem Anstieg der benötigten Personalressourcen um ca. 40-50% aus. Zeitgleiche Materialbeschaffungen deutscher Netzbetreiber erfordern entsprechendeKapazitäten bei den Industriepartnern. Neben dem Ressourcenbedarf und den oben erwähnten Flächenbedarfen müssen auch Genehmigungsdauern berücksichtigt und eingeplant werden. In diesem Zusammenhang stehen die SWM bereits in engem und sehr gutem Kontakt mit den jeweiligen Referaten.
Die bevorstehende Aufgabe stellt sowohl die Energieversorgung als auch die Stadt München vor große Herausforderungen, die nur durch enge Zusammenarbeit und gute Koordination bewältigt werden können.“
Ich danke Ihnen für Ihr Interesse an diesem wichtigen Thema und kann Ihnen versichern, dass die Stadt München gemeinsam mit den SWM alle notwendigen Maßnahmen ergreift, um eine zukunftssichere, nachhaltige und verlässliche Energieinfrastruktur im Einklang mit der kommunalen Wärmewende sicherstellt.
Ich hoffe, dass Ihre Fragen hiermit zufriedenstellend beantwortet sind.