In der nächsten „Open Scene“ am Donnerstag, 13. Februar, um 19 Uhr zeigt das Filmmuseum Fred Zinnemanns „A Man for All Seasons“ (1966) in der Originalfassung mit deutschen Untertiteln. England um 1530. König Henry VIII erklärt sich zum weltlichen und geistlichen Oberhaupt und verlangt von Amtsinhabern, deren Loyalität er anzweifelt, einen Gefolgseid auf die neue Ordnung. Der Lordkanzler Thomas More legt lieber sein Amt nieder, als sich zu äußern, was erst recht den Zorn des Herrschers erregt. Der Vorwurf des Hochverrats steht im Raum. Der Stoff war ganz nach Fred Zinnemanns Geschmack, die Protagonisten seiner Projekte waren häufig zwischen Pflicht und Neigung zerrissen, und hier lag der Konflikt noch tiefer, zwischen Loyalität und Gewissen. Er hatte das neue Stück schon im Theater gesehen und freundete sich gleich mit dem jungen Autor an, der selber das Drehbuch verfasste und sehr hilfreiche Eingriffe vornahm, um es filmtauglich zu machen.
Columbia Pictures brachte dem Vorhaben große Skepsis entgegen und bestand auf einem sehr niedrigen Budget (zwei Millionen Dollar) und einem äußerst knappen Drehplan (28 Tage). Aus drei Wänden in falscher Perspektive errichtete der Production Designer John Box den Palast von Hampton Court für 5.000 Pfund, die Musik von George Delerue transportiert die Kinobesucher*innen ins 16. Jahrhundert, und selbst die Elemente spielten mit: In einer Gartenszene zwischen Henry VIII und Thomas More wird der König wütend, und eine plötzliche Böe schüttelt die Bäume – ob in der Totalen, im Gegenschuss, in den Großaufnahmen, wie aufs Stichwort kam jedesmal ein Windstoß daher. In seiner Autobiografie schrieb Zinnemann, „dank des außerordentlichen Kalibers der Crew, der Besetzung und glücklicher Fügungen war es in jeder Hinsicht der einfachste Film, den ich je machte.“
Fred Zinnemanns Drama um Herrscherwillkür und Gewissensnot, das mit sechs Oscars und Dutzenden internationalen Preisen ausgezeichnet wurde, hat dank der neuesten Restaurierung durch Grover Crisp für Sony Pictures Studios seine ursprünglichen Farben und den vollen Klang zurückgewonnen.
Der Eintritt kostet 6 Euro beziehungsweise 4 Euro bei Mitgliedschaft im Förderverein MFZ. Kartenvorverkauf ist online oder an der Abendkasse möglich, die 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn öffnet. Es gibt keine Reservierungen. Das Kino des Filmmuseums ist rollstuhlgerecht zugänglich und mit einer Induktionsschleife für Hörgeschädigte ausgestattet.