Strukturpolitik 1: Umzug von Spielzeughersteller Schleich nach München: Weiterer Triumph über ‚die Provinz‘ oder Beispiel für eine dramatische Fehlentwicklung?
Anfrage Stadtrats-Mitglieder Sonja Haider, Dirk Höpner, Nicola Holtmann und Tobias Ruff (Fraktion ÖDP/München-Liste) vom 16.12.2024
Antwort Clemens Baumgärtner, Referent für Arbeit und Wirtschaft:
In Ihrer Anfrage vom 16.12.2024 an Herrn Oberbürgermeister Dieter Reiter führten Sie als Begründung aus:
„‚Mitarbeiter von Spielfigurenhersteller ‚geschockt‘ und vor unklarer Zukunft. ‚Schickimicki-Milieu‘: OB von Schwäbisch Gmünd kritisiert Wegzugspläne von Schleich.‘ So titelte der Südwestrundfunk (SWR) auf seiner Webseite am 29.5.2024. Gemeint ist der 1935 in der baden-württembergischen Kleinstadt gegründete und bisher dort ansässige Spielwarenhersteller Schleich, der die bekannten lebensechten Kunststofftierchen für Kinder produziert. Die Leitung des Traditionsunternehmens, das inzwischen einer Schweizer Investment-Firma gehört, hat im Mai 2024 unerwartet entschie- den, Schwäbisch-Gmünd den Rücken zu kehren: ‚Das Münchner Büro wird zum 1.1.2025 neuer Hauptsitz des Unternehmens.‘ Diese Nachricht war in einer Pressemitteilung von Schleich mit dem unscheinbaren Titel ‚Schleich stellt sich neu auf für nachhaltiges Wachstum‘ versteckt. Für uns in München mit immer neuen Rekordzuwächsen ist dieser Zuzug nur einer von vielen, der hier niemanden hinter dem Ofen hervorlockt. Wir fragen uns nun, wie wir mit solchen Fällen umgehen sollen: Wachstum für uns – Abstieg für die anderen?“
Zu den einzelnen nachfolgend gestellten Fragen darf ich Ihnen Folgendes mitteilen:
Frage 1:
Wie bewertet Oberbürgermeister Reiter diesen Fall unter dem Aspekt, dass München profitiert, während die Firma an ihrem ursprünglichen Standort Zorn, Jobverluste und ein Loch in der Stadtkasse hinterlässt?
Antwort:
Die Entscheidung zur Verlagerung des Hauptsitzes nach München war ein unternehmerischer Wunsch der Firma Schleich. Auf derartige unternehmerische Entscheidungen hat die Stadtpolitik keinen Einfluss.
Frage 2:
Hatten OB Reiter oder die Stadtverwaltung bereits Kontakt zur Firma Schleich im Zusammenhang mit diesem Umzug nach München?
Antwort:
Nachdem das Referat für Arbeit und Wirtschaft von dem Umzug aus der Presse erfahren hat, wurde seitens des Referates für Arbeit und Wirtschaft ein Schreiben an die Geschäftsführung der Firma Schleich gesendet. In diesem Schreiben wurde Beratung und Unterstützung angeboten, was ein gängiges Verfahren ist, wenn solche Unternehmensansiedlungen bekannt werden.
Frage 3:
Hat die Firma bei der Stadt München um Beratung oder Unterstützung bei der Suche nach Räumlichkeiten und/oder Wohnungen ersucht?
Antwort:
Bislang hat die Firma Schleich keine Anfrage an die Stadt München gestellt, um Unterstützung bei der Suche nach Räumlichkeiten oder Wohnungen zu erhalten.
Frage 4:
Hat OB Reiter mit seinem Amtskollegen Arnold über diesen Fall gesprochen?
Antwort:
Nein, bisher gab es in dieser Angelegenheit kein Gespräch zwischen Herrn Oberbürgermeister Reiter und Herrn Oberbürgermeister Arnold.
Frage 5:
Zu 4.: Falls nicht – Wird OB Reiter dies nachholen?
Antwort:
Aktuell sind keine Pläne vorhanden, ein solches Gespräch zu führen.
Frage 6:
Wie viele zusätzliche Wohnungen braucht München durch diesen Umzug?
Antwort:
Der Stadtverwaltung sind keine konkreten Zahlen zu den Beschäftigten der Firma Schleich und deren Wohnbedarfen bekannt. Daher kann an dieserStelle keine präzise Auskunft über den zusätzlichen Wohnungsbedarf gegeben werden.
Frage 7:
Was kann München und was kann der Freistaat Bayern tun, um einer solchen Fehlentwicklung entgegenzuwirken, die strukturschwache Gegenden noch strukturschwächer macht und München noch mehr überlastet (s. Bericht vom 21.11.2024: „Neuer Bevölkerungsrekord“?17)
Antwort:
Die Landeshauptstadt München betreibt keine Abwerbungspolitik von Unternehmen aus anderen Städten. Wenn jedoch Unternehmen entscheiden, ihren Hauptsitz nach München zu verlagern, sehe ich darin keine Fehlentwicklung. Vielmehr zeigt dies die hohe Attraktivität des Standorts München. Diese Ansiedlungen schaffen Arbeitsplätze und generieren Einnahmen, von denen sowohl die Stadt als auch die Bürgerinnen und Bürger profitieren.