Ein Forschungsverbund der Landeshauptstadt München und des Historischen Seminars der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) befasst sich seit 2009 mit der Rolle der Stadtverwaltung in der NS-Zeit. Im Kulturausschuss des Stadtrats wurde jetzt ein Zwischenbericht des Projekts vorgestellt.
Als erste deutsche Großstadt betreibt München die Aufarbeitung der Rolle der Stadtverwaltung und der städtischen Beteiligungsgesellschaften im „Dritten Reich“ als wissenschaftliches Langzeitprojekt. Innovativ ist dabei auch, dass das Handeln der Stadtverwaltung nicht nur als ausführende Behörde, sondern als komplexe Schnittstelle zu Reichsregierung, NSDAP und den Münchner Bürger*innen erschlossen werden soll.
Der nun vorgestellte vierte Projektbericht umfasst die Ergebnisse der aktuellen Forschungsphase und informiert über den Stand der Untersuchungen der Historikerinnen Marlis Lapazinski, Lena Pedersen, Clara Sterzinger-Killermann und Ina Deppe zu den Themen Ernährung und Versorgung der Stadt, Trauer- und Bestattungskultur, Schulen und städtische Kultureinrichtungen sowie Jugend und Stadtjugendamt.
Das gemeinsame Projekt von Public History München im Kulturreferat, dem Stadtarchiv München und der LMU ist stark von interdisziplinären Vernetzungen und intensiver Teilhabe am wissenschaftlichen Diskurs geprägt. Trotz pandemiebedingter Schließungen von Archiven und Bibliotheken konnten die Arbeiten in den vergangenen Jahren erfolgreich fortgeführt werden. Die Projektpartner begrüßen daher ausdrücklich die Entscheidung des Stadtrats, das Vorhaben fortzusetzen. Die gemeinsame Forschung setzt nicht nur markante wissenschaftliche Standards, sondern dient auch als Vorbild für andere Städte. So folgen Stadt und Universität Regensburg ab 2025 dem Münchner Beispiel mit einem ähnlichen Projekt. Die bisherigen Forschungsergebnisse liegen in sechs Publikationen vor. Weitere Studien sind in Planung. Die Finanzierung des Projekts hat der Stadtrat gesichert und dafür seit 2009 insgesamt 474.000 Euro zur Ver- fügung gestellt. Zusätzlich wurden aus dem Budget des Kulturreferats 40.000 Euro für die Studie „Schule und städtische Kultureinrichtungen im nationalsozialistischen München“ bereitgestellt.