Mit den ersten warmen Tagen beginnt wieder die Gartensaison – und damit die Zeit, in der auch viele Mähroboter zum Einsatz kommen. Doch für Wildtiere kann der automatische Rasenschnitt zur tödlichen Gefahr werden. Besonders nachts und in der Dämmerung geraten Kleintiere immer wieder unter die Klingen der autonomen Geräte. Mähroboter erkennen kleine Tiere als Hindernisse oft nur unzureichend oder zu spät. Während größere Tiere fliehen können, haben kleine und langsame Arten kaum eine Chance.
Besonders betroffen sind:
- Igel: Sie sind dämmerungs- und nachtaktiv und nutzen Gärten zur Nahrungssuche. Bei Gefahr flüchten sie nicht, sondern verharren instinktiv – entweder eingerollt oder geduckt. Diese Strategie schützt sie vor Fressfeinden, wird ihnen jedoch im Kontakt mit Mährobotern zum Verhängnis. Die Geräte erkennen die reglosen Tiere nicht und verursachen schwere Schnittverletzungen, die meist tödlich enden.
- Amphibien wie Frösche und Kröten: Viele Arten wandern nachts und sind auf feuchte Wiesen angewiesen. Sie reagieren langsam auf Bedrohungen und können den scharfen Klingen der Mähroboter nicht entkommen.
- Insekten und andere Kleintiere: Auch Käfer, Spinnen und Raupen werden durch den nächtlichen Mähbetrieb massiv dezimiert, was das ökologische Gleichgewicht im Garten stört.
Der Igel steht in Deutschland auf der Vorwarnliste der Roten Liste gefährdeter Arten, da seine Bestände seit Jahren rückläufig sind. Neben dem Verlust geeigneter Lebensräume stellen auch Gefahren in Gärten – wie Mähroboter – ein wachsendes Problem dar. Dabei ist es verboten, besonders geschützte Arten wie Igel oder Amphibien zu verletzen oder zu töten. Eine aktuelle Untersuchung des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) zeigt, dass fast die Hälfte der 370 analysierten Fälle von Schnittverletzungen an Igeln durch Mähroboter tödlich endete. Besonders Jungigel sind gefährdet, da sie eine geringere Fluchttendenz zeigen und gleichzeitig schlechter von den Mährobotern erkannt werden. Selbst kleinere Verletzungen können sich entzünden oder von Parasiten befallen werden, was unbehandelt zu einem qualvollen Tod führt. Werden Igel verletzt, ziehen sie sich oft lautlos in Hecken oder Gebüsche zurück, wodurch sie für Menschen schwer auffindbar sind und Hilfe nicht möglich ist.
Keine zuverlässigen Schutzmechanismen für Kleintiere
Forschende der Universität Oxford und des Leibniz-IZW haben zudem 19 verschiedene Mähroboter-Modelle auf ihr Verhalten beim Kontakt mit Igeln untersucht. Die Ergebnisse zeigten, dass einige Modelle Igel verletzen können. Je kleiner die Igel waren, desto schlechter wurden sie erkannt. Trotz anderslautender Herstellerangaben verfügte kein Gerät über eine verlässliche Technologie, um Kleintiere zuverlässig ohne Berührung zu erkennen und zu schützen. Angesichts der steigenden Verbreitung von Mährobotern in Europa fordern die Forschenden daher die Entwicklung wildtierfreundlicher Modelle sowie die Einführung eines standardisierten Sicherheitstests für die Zulassung neuer Mähroboter. Ein solcher Test könnte als Ergänzung zu bestehenden Sicherheitsrichtlinien dienen und dazu beitragen, das Risiko für Wildtiere in Gärten zu reduzieren.
Tipps für Gartenbesitzer*innen
Es gibt einfache Maßnahmen, um Wildtiere vor den Gefahren durch Mähroboter zu schützen und den Garten tierfreundlicher zu gestalten:
- Tagsüber mähen: Da viele gefährdete Arten in der Nacht aktiv sind, sollte der Mähroboter ausschließlich tagsüber laufen zwischen 10 und 17 Uhr. In dieser Zeit sind Igel und Amphibien meist in geschützten Verstecken. Gekauft werden sollten daher Mähroboter mit Zeitschaltuhr. Sie sollten so programmiert werden, dass sie nur in diesen Zeiten aktiv sind. So bleibt der Rasen gepflegt, ohne dass Wildtiere gefährdet werden.
- Sichere Rückzugsorte schaffen: Ein igel- und amphibienfreundlicher Garten bietet Verstecke wie Laubhaufen, Totholzbereiche und feuchte Ecken, die für Mähroboter unzugänglich sind. Solche naturnahen Strukturen schützen nicht nur Wildtiere, sondern fördern auch die Artenvielfalt.
- Weniger mähen: Nicht jeder Rasen muss stets millimetergenau geschnitten sein. Wer seinen Garten in verschiedenen Bereichen unterschiedlich pflegt – zum Beispiel durch Blumenwiesen oder gestaffeltes Mähen – schafft wertvolle Lebensräume für viele Tierarten und reduziert gleichzeitig den eigenen Pflegeaufwand.