Die berufliche Bildung in München bietet vielfältige Chancen. Sie ermöglicht gesellschaftliche Teilhabe und ist ein Ort der Integration und Fachkräftequalifizierung. Das zeigt der Münchner Bildungsbericht Berufliche Bildung 2024, der dem Stadtrat jetzt vorgestellt worden ist. Der Bericht gibt einen Überblick über das Aus- und Weiterbildungsgeschehen in München und liefert eine umfangreiche Datengrundlage für die Weiterentwicklung des beruflichen Bildungsangebots in der Stadt.
Als Schulträgerin von im Schuljahr 2023/24 86 beruflichen Schulen mit 40.000 Schüler*innen kommt der Landeshauptstadt dabei eine große Verantwortung zu. Deutlich macht sich der demografische Wandel bemerkbar: Die beruflichen Schulen verzeichnen im Schuljahr 2023/24 etwa zehn Prozent geringere Schülerzahlen als 2017/18. Die größten Herausforderungen für das berufliche Schulwesen bestehen im Rückgang der schulischen Kompetenzen, einem zwischenzeitlich dauerhaften Bedarf an Deutschförderung und fehlenden Lehrkräften. Darauf reagiert die Stadt mit Maßnahmen wie der Bedarfsorientierten Budgetierung, dem Münchner Jugendsonderprogramm, der Schulsozialarbeit oder der Deutschförderoffensive. Der Bildungsbericht steht online zur Verfügung unter http://www.muenchen.de/bildungsbericht.
Im Schuljahr 2022/23 besuchten drei Viertel der insgesamt 56.571 Schüler*innen an beruflichen Schulen in München eine Schule in städtischer Trägerschaft. Die Mehrheit der Schüler*innen (59,4 Prozent) befanden sich in einer dualen Ausbildung an der Berufsschule und in einem Ausbildungsbetrieb, weitere 12,5 Prozent in einer vollzeitschulischen Ausbildung an einer Berufsfachschule bzw. Berufsfachschule des Gesundheitswesens (Schulberufssystem). Weitere 8,7 Prozent absolvierten eine Weiterbildung an einer Fachschule oder Fachakademie. Die Möglichkeit, eine Hochschulzugangsberechtigung an einer Fachoberschule oder Berufsoberschule zu erwerben, nutzten 14,4 Prozent aller Schüler*innen.
Die Zahl der Schüler*innen, die den direkten Sprung in eine Ausbildung nicht geschafft haben und deshalb ein Angebot im sogenannten Über- gangssystem wahrnahmen, hat innerhalb von vier Schuljahren um 40 Prozent von 4.089 Schüler*innen (2018/19) auf 2.451 Schüler*innen (2022/23) abgenommen. Hier spielt unter anderem die rückläufige Zahl an neuzugewanderten Schüler*innen in speziellen Angeboten wie den Berufsintegrationsklassen eine Rolle.
In der dualen Ausbildung waren die am stärksten nachgefragten Ausbildungsberufe Kaufleute für Büromanagement, Fachinformatiker*innen und Zahnmedizinische Fachangestellte. Weiterhin gibt es große Unterschiede in der Berufswahl zwischen jungen Männern und Frauen. Besonders viele männliche Auszubildende finden sich bei den Elektroniker*innen (99,1 Prozent) und den Anlagenmechaniker*innen für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik (97,2 Prozent), die meisten weiblichen Auszubildenden finden sich bei den Zahnmedizinischen, den Tiermedizinischen und den Medizinischen Fachangestellten (93,7 Prozent / 93,3 Prozent / 90,7 Prozent).
Zugewanderte decken Ausbildungsbedarf in vielen Berufen
Die Jugendarbeitslosigkeit in München lag Ende 2023 mit 2,9 Prozent auf einem weiterhin niedrigen Niveau und es gab mehr Ausbildungsstellen als Bewerber*innen. Das ist grundsätzlich erfreulich, für Unternehmen und Betriebe jedoch herausfordernd. Sie sind bei der Besetzung von Ausbildungsstellen und Einsteigerpositionen seit langem auf den Zuzug junger Menschen angewiesen.
In einigen Segmenten der beruflichen Bildung ist der Anteil der Auszubildenden besonders hoch, die erst innerhalb der letzten sechs Jahre nach Deutschland zugewandert sind. Dazu gehören die Fachleute für Systemgastronomie (82,3 Prozent), die Fachkräfte Gastronomie (68,8 Prozent) sowie die Fachverkäufer*innen im Lebensmittelhandwerk – Fleischerei (61,7 Prozent). Bei diesen Schulen geht die Stadt neue Wege, um die Sprachförderung noch systematischer in den Schulalltag zu integrieren und die Lehrkräfte bedarfsorientiert zu unterstützen.
Auch an den Berufsfachschulen des Gesundheitswesens ist der Anteil Neuzugewanderter mit 37,8 Prozent in der Ausbildung zur/m Pflegefachhelfer*in (Altenpflege) und 34,2 Prozent in der Ausbildung zur/m Gesundheits- und Krankenpfleger*in hoch. Insgesamt ist der Anteil der Neuzugewanderten an allen Auszubildenden im dualen System bis zum Schuljahr 2019/20 auf 11 Prozent gestiegen und ging auf 7,8 Prozent im Schuljahr 2022/23 zurück.
Höherer Unterstützungsbedarf für Schüler*innen
Die Unterstützungsbedarfe der Jugendlichen sind in den vergangenen zehn Jahren insgesamt erheblich gestiegen, bedingt auch durch die Corona-Pandemie. Sichtbar wird das etwa beim Rückgang der schulischen Kompetenzen. Wie die letzte PISA-Studie zeigt, erreicht ungefähr ein Viertel der Schüler*innen das Mindestkompetenzniveau in Naturwissen- schaften (23 %), Mathematik (30 %) und der Lesekompetenz (25 %) nicht mehr. Dies stellt auch das Anschlusssystem der beruflichen Ausbildung vor große Herausforderungen, ebenso wie der seit längerem bestehende Lehrkräftemangel an den beruflichen Schulen und die sich dynamisch ver-ändernden Kompetenzanforderungen der Betriebe.
Fehlt eine abgeschlossene Berufsausbildung, führt das häufig zur Arbeitslosigkeit – im Dezember 2023 traf das auf fast drei Viertel der arbeitslosen 15-25-Jährigen zu. Damit der Übergang von Schule zu Beruf gelingt, gibt es vielfältige Beratungs- und Unterstützungsangebote. Insgesamt sorgt in München ein breites Netzwerk an städtischen Akteuren gemeinsam mit der Agentur für Arbeit, dem Jobcenter, den Kammern, dem Staatlichen Schulamt, der Regierung von Oberbayern sowie Bildungsträgern wie der MVHS und den Hochschulen dafür, dass Jugendliche sich für die berufliche Teilhabe qualifizieren und auf vielfältigen Wegen weiterbilden können.
Bürgermeisterin Verena Dietl: „Mit unseren beruflichen Schulen tragen wir erheblich dazu bei, jungen Münchner*innen den Zugang zu einer hochdifferenzierten, spezialisierten Arbeitswelt zu eröffnen. Dabei ermöglichen Formate wie unsere Berufsintegrationsklassen und Fördersysteme wie die Bedarfsorientierte Budgetierung auch besonders herausgeforderten Gruppen die Teilhabe an unserer beruflichen Bildung, darauf bin ich sehr stolz.“
Florian Kraus, Referent für Bildung und Sport: „Der Münchner Bildungsbericht gibt uns ein hervorragendes Instrument an die Hand, um die Berufliche Bildung in München erfolgreich weiterzuentwickeln: in Einklang mit der Leitlinie Bildung und passend zu den Bedarfen der Wirtschaft ebenso wie zu denen der Schüler*innen.“
Dr. Christian Scharpf, Referent für Arbeit und Wirtschaft: „Gute, passgenaue Ausbildung ist ein zentraler Baustein gegen den Fachkräftemangel. Insofern zeigt der Bildungsbericht als Gradmesser Entwicklungen in München auf – aber auch konkrete Handlungsbedarfe. Wir im Referat für Arbeit und Wirtschaft setzen Erkenntnisse daraus um, etwa in unseren Ausbildungsmessen, um die Talente von morgen zu fördern und berufliche Bildung am Wirtschaftsstandort München zu stärken.“