Zum 80. Jahrestags des Kriegsendes in Europa zeigt das Filmmuseum in seiner Reihe „Der Augenblick des Friedens“ an insgesamt neun Abenden Filme aus und über die Zeit dieses besonderen Moments zwischen Krieg und Frieden.
Die Filmreihe beginnt am Freitag, 25. April, 18 Uhr, mit dem Film „Stunde Null“ (1977) von Edgar Reitz, der den unmittelbaren Moment des Kriegsendes, das Aufatmen und das unsichere Erwarten von dem, was kommen wird, eindrucksvoll erfasst. Es geht um den jungen Protagonisten Joschi, der sich kurz nach Kriegsende in Leipzig in einem Moment der Schwebe wiederfindet, im schnellen Wechsel zwischen US-Besatzern und Rotarmisten, zwischen Momenten der Verständigung und kurz erlebter Freiheit und dem Wiederkehren der Ideologen. Anschließend gibt es ein Filmgespräch mit Edgar Reitz.
Am Freitag, 2. Mai, 18 Uhr, steht mit „Die Mörder sind unter uns“ (1946) von Wolfgang Staudte der erste deutsche Nachkriegsfilm auf dem Programm. In einer Mischung aus expressionistischer Tradition und dokumentarischem Blick zeigt der Film Menschen, die sich ihre Wege durch die Trümmerfelder der zerbombten einstigen Reichshauptstadt bahnen und mühsam nach vorne schauen. Hildegard Knef ist in einer Hauptrolle zu sehen.
Auf humorvolle Art und Weise zeigen die beiden Trümmerfilme „Berliner Ballade“ (1948) von Robert A. Stemmle und „Film ohne Titel“ (1947) von Rudolf Jugert sowie der DEFA-Film „Karbid und Sauerampfer“ (1963) von Frank Beyer, wie sich ihre Protagonist*innen mit den Nachkriegsrealitäten arrangieren.
Marianne Rosenbaums Spielfilm „Peppermint Frieden“ (1983) erzählt die Geschichte von böhmischen Flüchtlingen in der bayrischen Provinz aus der Perspektive der Kinder, die besonders um ihre Identität kämpfen mussten. Mit Peter Fonda, Konstantin Wecker, Hans-Peter Korff und Cleo Kretschmer ist dieser selten zu sehende Film prominent besetzt.
Verkehrte Welt: Ab 1947 vermittelten die amerikanischen Besatzer den vom Nationalsozialismus geprägten Deutschen anhand von Lehrfilmen, sogenannten Re-Education-Filmen, die Werte einer freien Welt und demokratischen Grundordnung. Diese wurden als „Kulturfilme“ im Vorprogramm im Kino und als 16mm-Kopien in Bildungsprogrammen gezeigt und sollten Ideale der Integration, friedliche Konfliktlösung und gesellschaftliche Verantwortung vermitteln und die Verständigung zwischen den Völkern sowie wirtschaftliche Zusammenarbeit ohne Zölle propagieren. Heiner Roß, ehemaliger Leiter der Kinemathek Hamburg und selbst mit diesen Filmen aufgewachsen, hat diese aufgespürt, gesammelt und dokumentiert. Als erstes bietet der Kompilationsfilm „Wie werde ich Demokrat? Re-Education durch Film nach 1945“ (2002) von Dieter Reifarth ein authentisches Bild von Aufbau und Neubeginn der Bundesrepublik.
Als Abschluss der Reihe am Samstag, 24. Mai, und Sonntag, 25. Mai, wird eine Auswahl von Re-Education-Filmen aus den späten 1940er und frühen 1950er Jahren gezeigt, die Wege für ein freies, demokratisches Deutschland aufzeigen sollten. Heiner Roß wird an allen drei Abenden (23. bis 25. Mai jeweils um 18 Uhr) in die Filme einführen.
Alle Filme und Termine der Reihe finden sich unter www.muenchner-stadtmuseum.de/film.
Infos zum städtischen Veranstaltungsprogramm „1945 – 2025 Stunde Null?“ unter https://public-history-muenchen.de/news/1945-2025-stunde-null.
Der Eintritt ins Filmmuseum kostet 5 Euro beziehungsweise 3 Euro bei Mitgliedschaft im Förderverein MFZ. Aufschlag bei Überlänge. Kartenvorverkauf ist sieben Tage im Voraus online oder an der Abendkasse möglich, die 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn öffnet. Es gibt keine Reservierungen. Das Kino des Filmmuseums ist rollstuhlgerecht zugänglich und mit einer Induktionsschleife für Hörgeschädigte ausgestattet.